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Usbekistan – Juwele der Seidenstraße

Mit schulz aktiv reisen vom 27. April bis 11. Mai 2013 in Usbekistan
Reisebericht von Eicke Schüürmann

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Auf unsere Usbekistan-Reise fühlten wir uns durch umfassende Information seitens schulz aktiv reisen sehr gut vorbereitet. Das schützte aber zum Glück nicht vor Aha-Erlebnissen wie in Kokand, der Hauptstadt des gleichnamigen ehemaligen Khanats. Die usbekische Schreibweise Qo’qon zeigt: Der Städtename hat dem Sammelbegriff „Kokon“ für alle Schmetterlingspuppengespinste den Namen gegeben – wir waren also tatsächlich auf der Seidenstraße unterwegs!

Unsere Reisegruppe war klein – ein unbedingter Grund für uns, bei schulz aktiv reisen zu buchen – und das gab der Tour weit mehr den Touch einer Individual- als einer Veranstalterreise. Unser 23-jähriger Reiseleiter Dilshod hat an den vielen Eindrücken, die wir über die typischen Sehenswürdigkeiten hinaus gewinnen durften, großen Anteil. Immer wieder machte er Extras möglich, von der Fahrt mit der Taschkenter Metro über den Besuch einer Bäckerei bis zum Abendessen in seiner Familie. Außer der Reise zu den großen Kulturstätten der Seidenstraße haben wir gleichzeitig auch eine Reise in ein aufstrebendes Land gemacht, in dem uns die vielen jungen, gut ausgebildeten Leute mit ihrer Zukunfts-Zuversicht angenehm überrascht haben. Darüber hinaus reisten wir in einen Orient, in dem traditionelle Gastfreundschaft noch ungebrochenen Stellenwert besitzt. Die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen in Usbekistan hat uns zutiefst berührt.

Auf dieser Reise haben wir außerdem gelernt, warum die seitlichen Cargotaschen an Outdoorhosen erfunden wurden: Sie sind der einzige Platz, an dem man ausreichend Sum bunkern kann. Denn mangels Geldautomaten und Kreditkartenakzeptanz bleibt in Usbekistan nur das Reisen mit Bargeld. Wer 300 Euro umtauscht, ist in Usbekistan schon Millionär. Der 1.000-Sum-Schein ist die größte verfügbare Banknote und etwa 30 Cent wert, sodass man stets mit einem dicken Bündel Geld unterwegs ist. Entspannend mag der Hinweis wirken, dass wir uns während der gesamten Reise ausgesprochen sicher gefühlt haben, umgeben von anständigen Menschen, denen es wichtig ist, Gäste als Gäste zu behandeln. Ein einmal unbemerkt zu viel abgezählter Schein wurde uns umgehend zurückgegeben – eine beinahe beschämende Erfahrung von Ehrlichkeit in einem Land, dessen Durchschnittseinkommen bei wenig mehr als 300 Dollar pro Jahr liegt.

Die Großartigkeit der Baudenkmäler in Samarkand, Buchara und Chiwa allein ist die Reise wert. Die über und über mit glasierten Majoliken überzogenen Bauwerke, ihre türkis glasierten Kuppeln und der dank Unesco-Weltkulturerbe-Status auch hervorragend konservierte oder restaurierte Status machen schlicht und einfach sprachlos. Unsere Angst, die schon in Dutzenden Bildbänden gesehenen Fotos könnten schöner sein als die Realität, erwies sich als unbegründet, denn die Fotos konservieren immer nur einen Moment. Die Fassaden aber leben vom Lauf der Sonne. Zu jeder Stunde taucht sie die Wunderwerke in anderes Licht, und wer den Samarkander Registan oder die Stadtansicht Chiwas bei schwindendem Abendlicht genießt, bekommt visuelle Märchen aus 1001 Nacht erzählt. Am Labi Hauz, dem Wasserbecken im Herzen der Altstadt Bucharas, war auch bei Dunkelheit noch richtig Leben. Die Restaurants und Cafés waren alle gut gefüllt, mit Mühe ergatterten wir einen Tisch in einem Eiscafé, von wo wir den überwiegend jungen Menschen zuschauten, die in einem endlosen Korso rund um den Platz flanierten. Das Wasser wird aus feinen Düsen in hohen Bögen über die Wasserfläche gespritzt, was die Luft angenehm kühlt. Übermütige Jungs sprangen vom ausladenden Ast eines uralten Maulbeerbaums ins Becken, einer sogar mit Salto rückwärts.


Samarkand, Registan-Platz am Abend 
Detail aus einem Portal 
Sharisabz 
Chiwa 

Dass die Hauptaktivität dieser Aktiv-Reise aus Sitzen im Fahrzeug bestehen würde, war uns von vornherein klar – das Land lässt sich in zwei Wochen kaum anders so intensiv erleben. Sechs Fahrer haben wir genossen, vier mit unterschiedlichen Kleinbussen, zwei mit Taxis. Wir haben dabei gelernt, dass 20 Jahre alte Autos im Kampf gegen die Schlaglöcher und alle anderen Verkehrsteilnehmer nicht geschont werden. Wir haben gelernt, dass Verkehrsregeln eine Art Diskussionsgrundlage sind – außer die allgegenwärtige Polizei kommt ins Sichtfeld. Dann kann es sogar opportun sein, statt der den Touristen zuliebe eingelegten 80er-Jahre-Hits-CD flugs auf usbekische Schlagerschnulzen umzuschalten. Wir haben gelernt, dass ein Innenspiegel auch durch einen DVD-Monitor ersetzt werden kann, auf dem man seinen Fahrgästen alle drei DVDs seiner eigenen Hochzeit zeigen kann, während man mit 130 km/h durch die Schlaglöcher wedelt.

Als sehr angenehm erwies sich bei all der notwendigen Fahrerei, dass sich die Innenstädte von Samarkand, Buchara und Chiwa sowie große Teile der Sehenswürdigkeiten Taschkents hervorragend zu Fuß erreichen lassen, sodass wir tageweise auch ganz aufs Auto verzichten konnten. So ergaben sich auch die unmittelbarsten Kontakte zum Alltag. Große Freude haben uns dabei immer wieder die verschiedenen Basare gemacht: Wo die Metzger abgeschlagene Rinderfüße mit Fell und Huf hübsch als Auslage auf dem Trottoir gruppieren, wo es Schustergassen und Schaschlik, frisch angerichteten Salat gleich straßenweise und Brautkleider neben Frischfleisch gibt, da ist der Orient am buntesten. Größte Verlockungen boten die Nuss- und Trockenfrüchte-Gassen oder gleich „Shirin Dunyo“ – die „Süße Welt“ – der Zuckerbäcker-Basar in Samarkand. Am meisten haben sich jedoch die farbenprächtigen, oft pailettenbesetzten oder mit Glanzfäden durchwirkten Stoffe im Gedächtnis festgesetzt – und die mit viel Mut zu Farbe und Muster gewandeten Usbekinnen, die sich daraus ihre Kleider nähen.


Taschkent - Chorsu-Basar: Salatstraße 
Margilan - Basar  
Margilan - Basar  
Samarkand - Pilgerinnen 
Samarkand - Siob-Basar 
Tachtakaratcha - Nussmarkt auf der Passstraße 
Buchara - Goldbasar 

Überwachung gehört seit jeher zu den Untugenden autokratischer Regime, und Usbekistan macht davon leider keine Ausnahme. Jede Provinzgrenze hat eine fest installierte Polizei-Kontrollstelle, an der alle Autos stoppen müssen und dann im Schritttempo über martialische Bodenschwellen am Diensthabenden vorbeizuckeln dürfen. An diesen Kontrollpunkten hängt ein Fahndungsplakat mit gesuchten Personen. Rund 500 Passfotos machen ein unüberblickbares Wimmelbild daraus. Ob man damit jemals einen Gesuchten fassen kann? Einem Grenzübertritt ähnelten die Kontrollpunkte eingangs und ausgangs der Passstrecke ins Ferganatal. Beide Male musste ein bemitleidenswerter Beamter alle relevanten Einträge aus Pass und Visum handschriftlich in eine dicke gebundene Kladde eintragen. Ob jemals wieder jemand in eine dieser Kladden schauen wird? Und all die über und über bestempelten Zolldeklarationen, die die Ein- und Ausreise begleiten – wird die jemals irgendwer noch einmal abgleichen? Wird sich jemand die zahllosen Meldezettel anschauen, die sich im Laufe unserer Reise mit Post-its und Briefklammern im Pass sammelten? Über all dies hinaus sind wir uns sicher, auch mehrfach von wie von ungefähr auftauchenden Herren in Anzügen, mit Sonnenbrillen und Handys so unauffällig wie in einem Slapstick-Agentenfilm überwacht worden zu sein. Behelligt wurden wir indes nie.

Fernab allen Zugriffs haben wir uns im Nuratau-Gebirge gefühlt. Hier gibt es ja nicht einmal ein Mobilfunknetz. Der Aufenthalt in Rahimas Guesthouse war nach dem Trubel der Städte und den vielen Eindrücken prächtiger Bauwerke mit der guten klaren Luft, dem Rauschen des Wildbachs und dem Gesang der Vögel eine wunderbare Entspannung. Sogar eine Nachtigall sang für uns. Mehrere Terrassen bilden den Hof von Rahima, ihrem Mann, den zwei heranwachsenden Töchtern, einem Vierjährigen und einer anderthalbjährigen Nachzüglerin. Das Gästehaus hat 2007 bescheiden mit einem Anbau mit nur einem Doppelzimmer angefangen, Inzwischen konnten sie einen neuen Trakt eröffnen, in dem es vier Zimmer, links eine Toilette und rechts eine Dusche gibt. Ein Röhrenkollektor erzeugt solar erwärmtes Wasser für die Dusche. Unser kleines Zimmer bot zwei ausrollbare, mit Schafwolle gestopfte Matratzen. Rahimas Familie wohnt eine Terrasse höher in einem kleinen separaten Haus. Getrennt davon steht die offene Küche, bestehend aus einem Tandyr-Ofen zum Brotbacken und einer gemauerten Feuerstelle, in die ein großer Kessel passt. Mit dieser Ausrüstung bekochte Rahima uns mit wohlschmeckenden Eintöpfen und Suppen. Dazu verwöhnte sie uns mit raffiniert gewürzten Salaten, selbstgebackenem frischem Brot und köstlichem Joghurt.


Sentop - Rahimas Guesthouse 
Sentop - Rahimas Guesthouse: Tandyr (traditioneller Backofen) 
Sentop - Rahimas Guesthouse: Küche  
Sentop - Feuerholz sägen 

Damit die Aktiv-Reise aktiv werden konnte, kam der Bergführer. Seine Füße überraschten mit Gummischlappen, jedoch griffen sie auf steilen Pfaden, besiegten große Disteln und halfen ihm flink und sicher über die Trittsteine in Furten. Es ging hoch hinauf, zwischen Hühnern, schreienden Eseln und neugierigen Zicklein, ab und an schnürte ein Hund um uns herum. Oberhalb des Flusstals liegen ältere Ortsteile in Ruinen. Am zweiten Tag schien es ernst zu werden, denn unser Bergführer trug geschlossene Slipper und einen dicken Rucksack. Wir wollten recht weit das Flusstal hinauf. Das Ziel waren hoch an einer senkrechten Felswand angebrachte Petroglyphen – angeblich noch nicht entschlüsselte alte persische Schrift. Der Weg war spannender als das Ziel, insgesamt zehn Mal mussten wir den Wildbach queren. Manche Furt ließ sich von Stein zu Stein springend meistern, bei den weitaus meisten hieß es Schuhe und Strümpfe ausziehen, Hosenbeine hochkrempeln und die willkommene Abkühlung genießen. Im Schatten großer Bäume machten wir eine Mittagsrast und aus dem Rucksack des Bergführers kamen Porzellanteller und Teeschalen, gefüllte Teigtaschen, Gemüse, Obst, Brot, gekochte Eier und Nussleckereien zum Vorschein. Auch eine Thermoskanne Tee hatte er dabei.


Sentop - Dorfansicht 
Sentop - Wanderung 
Sentop - Wanderung 

Tags drauf hatten wir die besondere Ehre, eine der beiden Schulen im Dorf besuchen zu dürfen. Das gesamte Kollegium ist männlich, in der Schule werden alle Kinder gemeinsam sieben Jahre unterrichtet. Danach gibt es differenzierte Möglichkeiten für den weiteren Bildungsweg, allerdings nicht im Dorf. Wir wurden in eine Klasse gebeten. 15 Schüler und Schülerinnen saßen an Zweier-Pulten auf altersangemessen großen Stühlen. Über der Tafel hingen pythagoreische Lehrsätze auf A4 großem Karton, an der Wand gegenüber gezeichnete Konterfeis von Gelehrten. Die Schüler sagten für uns auswendig gelernte Gedichte und Sinnsprüche auf. Wir wurden gebeten, ein deutsches Lied oder Gedicht aufzuschreiben, das die Kinder dann diktiert bekamen. Auf wundersame Weise verwandelte sich so das Bergische Heimatlied in phonetisch treffende kyrillische Buchstabenfolgen.


Was haben wir sonst noch so erlebt?


Das faule Leben auf dem Tapchan – einer Art übergroßem Bettgestell mit Tisch auf kurzen Dackelbeinen in der Mitte. Der Tapchan dient zum Tagträumen, Pausemachen, Teetrinken und Essen. Man lagert auf Teppichen und Matratzen und stopft sich Kissen in den Rücken, bis es so richtig bequem ist


Die Magie des Feilschens. Nirgendwo auf der gesamten Reise haben wir derart viele Teppichläden gesehen wie in Buchara, teils mit Ramsch wie Kettfäden aus Polyester, aber genauso auch mit sehr hochwertigen, selbst antiken Stücken – obwohl man nichts aus Usbekistan exportieren darf, was älter als 50 Jahre ist. „No problem, I write you certificate, very young carpet!“ sagte der Händler dazu, als er unser Interesse bemerkte.


Die Wüste, die uns viel weniger zu schaffen machte als wieder einmal die Straße. Die A 380 durch die Kizilkum überbietet alles, was wir bis dahin an usbekischen Schlaglochpisten kennengelernt hatten. Einer Fata Morgana gleich, verkündete ein großes Bauschild, dass hier die deutsche Firma Papenburg eine Autobahn in die Wüste zaubert. 51 Kilometer waren bereits zur Hälfte fertig, was heißt, dass zwei Spuren im Gegenverkehr befahren werden durften. Allerdings, die Mörderstrecke aus Schlaglöchern ist durchgängig für 70 km/h freigegeben, das neue Schmuckstück ohne jeden Makel jedoch nur für 50 km/h. Die Polizei war eifrig, die Einhaltung mit Laserpistolen zu überwachen.


Pilgerinnen an der heiligen Quelle in Nurota. Im glasklaren Wasser tummeln sich Fische, die aber nicht gefangen werden dürfen. Ein großer Moscheekomplex rahmt das Bassin. Über dem Heiligtum erhebt sich steil ein antiker Burgberg. Alle, die die Quelle besuchen, machen auch den beschwerlichen Aufstieg. Oben sind an jedem Strauch und jedem Halm Stofffetzen angeknotet. Welche Wünsche durch dieses Ritual in Erfüllung gehen sollen, blieb uns verborgen.


Den unvermeidlichen Programmpunkt: Folklore-Modenschau in der Nadir-Divan-Begi-Medrese zu Buchara. Nahezu jeder Reiseveranstalter hat diesen Abend im Programm, kaum ein Tourist kann deshalb der hier gebotenen Darbietung entgehen. Wir hatten einen guten Platz im über und über mit Tischen und Bänken möblierten Innenhof. Mindestens sechs Busladungen Franzosen, Deutsche und Briten füllten die Bänke. Man kann aufrichtig die ambitionierte Choreographie mit zahllosen, blitzschnellen Kostümwechseln bewundern.


Usbekische Küche. Man wird satt in Usbekistan, aber eine kulinarische Offenbarung haben wir nicht gefunden. Die besten Momente lieferten die Hausmannskost in der Familie und bei Rahima. Die Allgegenwart von Plov, dem Nationalgericht aus Reis, Gemüse, Hammel und Baumwollöl in veränderlichen Anteilen wird durch regional andere Zusätze wie Rosinen oder Trockenfrüchte etwas belebt. Nur in Chiwa zeigte die Küche Mut und Raffinesse, es gab zum Beispiel mit Dill grün gefärbte Lagman. In Usbekistan wird auch guter Wein gemacht, Rotwein heißt „schwarzer Wein“ – aber man kann es dem glasweise gelieferten Gesöff leider nicht ansehen, ob es schwer und süß ist und damit zum Tapetenkleben taugt oder angenehm trocken einem ausgewogenen Sangiovese oder Tempranillo Konkurrenz macht.


Und weitere Märchen aus 1001 Nächten. Unser Dank dafür gilt unseren angenehmen Mitreisenden, unseren sicheren Fahrern, Dilshod, der „immer freundlich“ als Wahlspruch hatte und natürlich dem Team von schulz aktiv reisen, das die Reise veranstaltet hat.


Usbekistan – Juwele der Seidenstraße

Mit schulz aktiv reisen vom 27. April bis 11. Mai 2013 in Usbekistan
Reisebericht von Eicke Schüürmann

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