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Uganda – Aktiv durch das ostafrikanische Rift Valley
Eine Reise mit schulz aktiv reisen vom 25.12.16 bis 09.01.2017
Reisebericht von Susanne Albinger

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Muzungu!



Während ich mich bemühe, auf der steilen, abschüssigen Piste beim Bremsen nicht über meinen Lenker abzusteigen und zwischen den Schlaglöchern noch eine Hand zum Winken frei zu bekommen, suche ich in meinem Hirn fieberhaft nach dem Wort für Hallo in Ruanda. "Komera!" schallt es von rechts. Ach ja, das war's. Ich hebe kurz meine Hand, um den kleinen Jungen, der begeistert neben mir herläuft, auch mit einem "Komera!" zu begrüßen - das zugegebenermaßen etwas zerquetscht klingt, da ich einem tiefen Schlagloch ausweichen muss und gerade noch das Vorderrad wieder in den Griff bekomme - dankbar für die dicken Reifen und die gute Federung.

Schon gestern, auf der Fahrt zu unserem Startpunkt, haben die glänzenden Mountain Bikes auf dem Autodach alle Blicke auf sich gezogen. Die Menschen am Straßenrand blieben stehen und ihr Blick wanderte nach oben - wie magisch angezogen von dem blitzenden Metall und den wuchtigen Reifen. Einige Kinder standen mit großen Augen und offenem Mund fast wie versteinert, um dann dem Bus hinterher zu rennen sobald er vorbei war.



Zu Mittag stoppten wir und begannen mit dem Abladen der Räder. Sofort bildete sich ein kleines Grüppchen, das uns schweigsam beobachtete: ein paar Jungen mit selbstgebastelten Fahrrädern aus Holz, eine Frau mit zwei Ziegen am Seil, zwei Mädchen mit Wasserkanistern auf dem Kopf und ein paar ältere Herren. Schon etwas gewöhnungsbedürftig, so viele Zuschauer bei unserem Lunch aus Sandwiches mit Käse und Avocado zu haben.



Seit heute Morgen sind wir nun wieder mit unseren Rädern durch die grünen Hügel auf der holprigen Straße unterwegs. Der feine, rotbraune Staub klebt mittlerweile an Armen, Beinen und im Gesicht. Überall erregen wir Aufsehen: in den Dörfern heben die Frauen vor den kleinen Steinhütten den Kopf von ihrer Arbeit und winken uns zu. Die Kinder kommen zwischen den Häusern angerannt: "Muzungu! Muzungu!" - das Wort für weißer Mensch oder auch Reisender - und hüpfen vor lauter Begeisterung auf und ab. Zwei trauen sich weiter vor und recken uns ihre kleinen Hände entgegen, damit wir einschlagen. Ein riesiges Heubüschel, aus dem zwei kurze Beine ragen, dreht sich zu mir und eine kleine Hand winkt daraus hervor: "Komera!".

Die jungen Burschen schlendern die Straße entlang, ganz cool, heben nur lässig die Hand und nicken. Ich fahre langsamer, näher an ein paar Vier- bis Fünfjährige, die aufgeregt auf und abspringen und "Muzungu, Muzungu!" im Chor singen. Als ich ihnen die Hand entgegenstrecke, reichen sie mir vorsichtig ihre und verstecken sich dann gleich wieder in der schützenden Gruppe.

Links über mir höre ich Gelächter: am Hang sitzt eine kleine Menschenmenge, deutet auf uns, gestikuliert wild und unterhält sich angeregt. Einer zückt sogar sein Handy und macht Fotos von uns. "Do they think we are crazy?", frage ich unseren Guide. "They are getting used to it." ist die diplomatische Antwort.



Ich trete den nächsten Hang hinauf, zwei Buben laufen neben mir her und schieben mich von hinten an - großer Spaß für sie. Ein anderer betastet vorsichtig meine breiten Reifen. Abwärts geht es wieder über Stock und Stein, von links kommt ein klappriges Fahrrad beladen mit einer schweren Bananenstaude und überholt mich.

Selbst durch die Felder tönt es alle paar Meter zwischen den Bäumen und Sträuchern "Muzungu!" oder auch ein "Good morning!", hier wohl die englische Begrüßung für den ganzen Tag. Ich merke, wie ich die ganze Zeit schon ein Lächeln auf den Lippen habe, so ansteckend ist die Begeisterung. Ein junges Mädchen steht am Straßenrand, ein Bündel Brennholz auf dem Kopf, schaut mich ernst an, ganz gebannt. Mein "Komera" zaubert ein schüchternes Lachen in ihr Gesicht und sie hebt die Hand und strahlt mich an.


Silberrücken



Mein Porter lässt meine Hand gar nicht mehr los. Seit gut einer Stunde kämpfen wir uns in 2500 Meter Höhe händchenhaltend durch den dichten Dschungel. Ursprünglich angeheuert, um meinen Rucksack zu tragen - was nicht wirklich nötig ist, da eh nur mit meinem Vorrat an Wasser und Müsliriegeln gepackt, sondern eher als Unterstützung für die lokale Community und indirekt so auch für die Gorillas - erweist sich nun die helfende Hand auf dem steilen Hang als willkommene Unterstützung. Meine Versuche, mich auf den kurzen, geraden Stücken durch ein "I am ok." von der fürsorglichen Führung zu befreien, sind nur von kurzem Erfolg gekrönt. Mein Begleiter sieht es als seine persönliche Mission, mich wohlbehalten zu den Berggorillas zu bringen.

Apropos Gorillas: vor uns hören wir lautes Rufen. Anscheinend sind wir nun auf die Tracker getroffen, die unsere Gorilla Familie jeden Tag begleiten und den Guide auf die richtige Spur führen. Drei Männer in Tarnkleidung tauchen vor uns aus dem dichten Gestrüpp auf. Sie deuten auf den gegenüberliegenden Hang, wo sich die Äste einiger Bäume schwungvoll bewegen. Nun kann es nicht mehr weit sein.

Nach 15 Minuten müssen unsere Porter und Rucksäcke zurückbleiben, nur wir und unsere Kameras dürfen dem Guide weiter folgen. Auch die Wanderstöcke müssen an die Porter abgegeben werden, weil sie bedrohlich wirken könnten. Und dann taucht kurz darauf plötzlich ein breiter, behaarter Rücken vor uns auf einer Lichtung auf. Ich halte die Luft an vor lauter Aufregung, es sind keine fünf Meter mehr bis zu dem Silberrücken. (Hatte der Guide nicht von 7 Metern Minimalabstand gesprochen?).

Unser Guide winkt uns näher und deutet uns, den mächtigen Rücken zu umrunden. Vorsichtig folge ich meinen Vordermännern bis ich schließlich dem Gorilla gegenüberstehe. Der scheint von unserem Besuch gänzlich unbeeindruckt, reißt gemächlich Gräser und Blätter ab und lässt sie sich schmecken - während unsere Fotoapparate klicken. Lucky heißt er und ist der Chef der Hirwa Familie.



Aus dem Gebüsch kommt nun eine Dame stolziert und Lucky ergreift die Gelegenheit, um uns in den Genuss einer kleinen Darbietung seiner Manneskraft kommen zu lassen. "Jiggi, Jiggi", wie es die Einheimischen nennen. Kaum einen Meter neben mir. Ich bin so überrascht, dass ich ganz vergesse, Fotos zu machen.

Anschließend setzt er sich gemütlich in die Sonne, döst ein bisschen oder schaut versonnen in die Ferne. Eigenartig, in das Gesicht eines so nahen Verwandten zu blicken. Ob er sich wohl auch überlegt, was wir gerade denken?



Die beiden Zwillinge der Familie, ein knappes Jahr alt, tauchen auf und klettern spielend die dünnen Bambusstämme hoch. Unser Guide deutet uns, weiter in seine Richtung zu kommen, damit wir nicht zwischen Lucky und seinem Nachwuchs stehen. Das könnte er als Bedrohung auffassen. Als ich an dem Bambus vorbeigehe, kann ich mit dem Kopf gerade noch der Hand einem der Zwillinge ausweichen, der schon übermütig ausgeholt hat.

Mir stockt der Atem als sich der Silberrücken erhebt und in unsere Richtung kommt. Er berührt fast einen aus unserer Gruppe während er an ihm vorbeimarschiert und sich weiter unten bei einem Baum niederlässt. Den Rücken uns zugewandt, als wollte er uns zu verstehen geben, dass er nun genug von dem menschlichen Besuch hat.



Ganz anders sein Nachwuchs: mittlerweile tollen vier flauschige Bündel zu unseren Füßen herum, räkeln sich in der Sonne, balgen als Knäuel von schwarzen Füßen und Händen durch das hohe Gras. Etwas weiter hinten ist das ernste Gesicht der Mama durch die Zweige zu sehen. Sie kaut zwar gemächlich die grünen Blätter, lässt uns aber nicht aus den Augen.



Nach einem Blick auf sein Handy meint der Guide, dass unsere Stunde nun um ist. Wir müssen die Familie wieder alleine lassen. Die Zeit ist zu schnell vergangen. Während mich mein Porter wieder den steilen und rutschigen Hang durchs Gestrüpp hochzieht, habe ich immer noch das nachdenkliche Gesicht von dem Silberrücken vor Augen, das so viele menschliche Züge hatte.



Joseph



Ich biege in die staubige Straße ein, die durch den kleinen Ort am Rande des Bwindi Nationalparks führt. Rechts und links sind kleine Bretterbuden aufgereiht. Bei einigen ist die Tür geöffnet und es sind ein paar geflochtene Körbe und Holztiere aufgestellt. Vor einer der Hütten sitzen ein paar Jugendliche, heben die Hand zum Gruß. Ein Moped braust an mir vorbei und hüllt mich in eine rötliche Staubwolke. Kleine Kinder schauen neugierig, einige trauen sich und rufen winkend "Good morning! How are you?". "Fine. How are you?" Freudiges Lachen. "I'm fine."

Es ist der 31.12., der letzte Tag des Jahres. Auf meinem Spaziergang der staubigen Piste entlang sind mir schon einige der Bewohner entgegengekommen, herausgeputzt für den Gang zur Kirche. Ein Lastwagen mit dichtgedrängter menschlicher Fracht auf der Ladefläche, lachend und winkend, poltert ebenfalls Richtung Tal an mir vorbei.



Ein kleiner Junge geht plötzlich neben mir. Kurze Hose, sauberer Pulli, die kleinen Füße in grünen Plastikschlapfen. "Good afternoon!" Zur Abwechslung mal eine Begrüßung passend zur Tageszeit. "Good afternoon!" "How are you?" "I'm fine. How are you?" "Fine. Thank you."

Wie ich denn heiße? Sein Name sei Joseph. Und wo ich den herkomme? Wie lange ich in ihrem Ort bleibe und wo ich den hingehe? Zu meiner Lodge, antworte ich. Wo ich denn wohne? Im "Gorilla Mist Camp" am Ende des Dorfes.

Wir gehen eine Zeit lang schweigend nebeneinander her. Was ich denn heute Abend mache? Wahrscheinlich mit meinen Mitreisenden in der Lodge verbringen. Ob ich Lust habe, mir eine Tanzvorführung in der Schule anzuschauen? Ich hätte keine Zeit und würde in der Lodge erwartet, ist meine ausweichende Antwort.

Wir gehen weiter durch das kleine Dorf. Woher er denn so gut Englisch kann, frage ich ihn. Sein Englisch ist wirklich perfekt. Hat er in der Schule gelernt. Sie haben einen Direktor, der sehr darauf schaut, dass sie gut Englisch lernen. Wie viele Kinder denn in seine Schule gehen? So um die 40. Ob ich mir die Schule anschauen möchte? Wieder antworte ich ausweichend.

Wie alt er denn sei? 11 Jahre. Die Antwort überrascht mich etwas, denn aufgrund seiner Größe hätte ich ihn viel jünger geschätzt. Wie alt ich denn sei? Sehr alt, sage ich, 50 Jahre. Das ist wirklich sehr alt, meint er. Er hätte mich auf 60 Jahre geschätzt. Ich schmunzle und denke mir, dass er noch ein bisschen im Umgang mit Frauen lernen muss.

Ob ich nicht doch noch mit in ihre Schule kommen möchte? Sie flechten dort auch Körbe und basteln andere kleine Souvenirs. Nachdem er gar so ernsthaft ist, lasse ich mich schlussendlich doch erweichen und willige ein. Wir biegen rechts ab und stehen kurz darauf vor einem Gebäude mit einem Holzzaun aus krummen Ästen um den Hof und einer kleinen Hütte links daneben. Ich werde durch die schmale Tür in die Hütte geführt, wo schon die Bierflaschen auf dem niedrigen Tischchen stehen und laute Musik spielt. Sogleich springt einer der Anwesenden auf und dreht die Musik leiser. Hinter der kleinen Theke werden ein paar kleine, geflochtene Körbchen hervorgekramt und die obligatorischen geschnitzten Gorillas. Schließlich erstehe ich eines von den geflochtenen Körbchen. "Thank you for supporting us!" wird mir noch nachgerufen, bevor die Musik wieder lauter wird.



Joseph geht immer noch neben mir, als ich wieder in die staubige Hauptstraße einbiege. Er würde mich noch bis zur Lodge begleiten.

Wie lange er denn noch in die Schule gehen muss? Noch drei Jahre. Aber wenn er gut lernt und fleißig ist, dann könne er länger gehen. Er möchte gerne Arzt oder Guide werden. Seine Eltern sind bei einem Unfall ums Leben gekommen, als er erst drei Jahre alt war, erzählt er mit ruhiger Stimme. Seitdem wohnt er in der Schule, die auch ein Waisenhaus ist.

Wir sind am Eingangstor der Lodge angekommen. Joseph bleibt stehen und erklärt, dass er sich nun verabschiedet. Wir geben uns die Hand und ich bedanke mich für seine Begleitung. Der Blick in sein ernsthaftes, ein bisschen trauriges Gesicht berührt mich tief und lässt mich sehr nachdenklich zurück.



Unter Löwen



Die Beine unseres Guides ragen unter der Kühlerhaube hervor. Der vierte oder fünfte Versuch, das Getriebe des Mercedes-Buses doch noch zu einer Bewegung zu überreden. Vor und hinter uns sind Geländewagen mit Touristen aufgereiht. Bis vor 10 Minuten war auf einem weit entfernten Baum mit dem Fernglas noch ein Löwe zu erkennen, der müde in den Ästen hing. Beim Zurücksetzen unseres Autos auf der holprigen Piste, für einen besseren Blick auf den dösenden Löwen, hat unsere Gangschaltung wohl etwas in den falschen Hals bekommen. Auf jeden Fall weigert sie sich seit gut 45 Minuten, einen Gang einzulegen. Nach dem hoffnungsvollen Starten des Motors ist nur das Geräusch einer kreischenden Kupplung zu vernehmen. Mittlerweile ist jeder der übrigen Guides mindestens auch einmal unter den Wagen gekrochen. Dann haben sie alle vor der geöffneten Motorhaube debattiert und diskutiert. Bislang ohne erkennbare Veränderung der Situation.



Wir, sieben Passagiere, sitzen immer noch im Bus - immerhin sind wir im Nationalpark, wo vom Verlassen des Autos abgeraten wird. Löwen, Büffel, Elefanten und so...

Eine Viertelstunde später sind alle übrigen Wagen verschwunden. Unser Bus steht immer noch einsam auf der staubigen Straße durch die endlose Savanne. Wir haben die hintere Schiebetür geöffnet, um etwas frische Luft hereinzulassen. Nun ohne Zuschauer, nutze ich den Moment für eine Pinkelpause neben der hinteren Stoßstange. So wie es aussieht, werden wir noch ein paar Stunden hier festsitzen bis ein Ersatzwagen eintrifft.

Immerhin haben wir unser Mittagessen dabei, so schnell verhungern werden wir also nicht. Mein Vordermann döst vor sich hin, der daneben ist in sein Buch vertieft. Moritz klettert durchs Fenster auf das Autodach. Rundherum nur hohes, gelbes Gras, hie und da eine Akazie, auf der sich eigentlich die Löwen räkeln sollten. Es tut sich nichts, kein Windhauch, nicht mal eine einsame Gazelle in der Ferne. Ein paar Wolken ziehen über uns. Immerhin knallt die Sonne nicht auf den Wagen und die Temperatur ist noch einigermaßen erträglich.



Die Schiebetür ist immer noch offen und ich wage mich nun doch wieder raus, um meine Beine ein bisschen auszustrecken. Direkt neben dem Bus ist die Luft etwas frischer und kühler. Mein Blick schweift über das hohe Gestrüpp neben der Straße, das die Sicht auf die offene Fläche dahinter verhindert. Alles ruhig. Doch dann raschelt es irgendwo vor mir. Der Wind? Vielleicht sollte ich doch wieder zurück ins Auto, sicher ist sicher. Durch die immer noch offene Tür sehe ich plötzlich eine Löwin neben dem Baum auftauchen, keine zehn Meter vor uns. Nun wäre es vielleicht doch an der Zeit, die Autotür wieder zu schließen.



Meine Mitreisenden und ich beobachten, nun doch mit etwas Herzklopfen, wie die Löwin gemächlich auf einen ausladenden Ast direkt vor uns klettert und sich dann gemütlich darauf legt, alle vier Pfoten hängen lässt, den Kopf auf den Ast legt und die Augen schließt. Das Klicken der Fotoapparate und unser aufgeregtes Flüstern scheint sie nicht im Geringsten zu stören. Auch unser Guide hat sich mittlerweile wieder hinter schützendes Blech begeben. Markus deutet hinter uns: noch eine Löwin trottet gemütlich über die Straße. Zwischen den hohen Grasbüscheln ist der Kopf einer weiteren gelben Katze zu erkennen.
Während wir dem Treiben vor unserem Auto zuschauen, werden wir irgendwie das Gefühl nicht los, dass wir schon die ganze Zeit beobachtet wurden und nur das Glück hatten, dass die Damen wohl zu faul und träge waren, um Jagd auf uns zu machen.



Lake Victoria



Eine Schwalbe saust im Tiefflug haarscharf an meinem Kopf vorbei. Im Sand zwischen meinen Sandalen kämpfen gerade Riesen- und Mini-Ameisen um einen toten Käfer (sieht so aus, als würden die Mini-Ameisen gewinnen). Die Wellen schlagen sanft ans Ufer. Vor mir ragt ein Baum mit niedrigen Ästen und Wurzeln aus dem Wasser, auf dem die Kormorane ihr Gefieder trocknen. Dazwischen sitzt ein weißer Reiher in der Baumspitze, und tut so, als ob er dazu gehören würde.



Wieder fegt eine Schwalbe knapp über der glatten Wasseroberfläche an mir vorbei. Ihr braunroter Bauch leuchtet im Licht der tief stehenden Sonne. Weiter den Strand aufwärts liegen ein paar bunte Holzboote im Sand, davor stolziert ein Grüppchen von weißen Reihern durch das flache Uferwasser. Ich sitze ganz still und beobachte die gefiederten Anwohner des Victoria Sees. Einer der Reiher kommt langsam näher, elegant bewegt er sich durch das Wasser, hebt einen Fuß, beugt den Hals Richtung Wasser und taucht dann das gelbe Bein mit den langen Zehen wieder ein. Schaut verstohlen in meine Richtung, bevor er den nächsten Schritt wagt. Schnappt sich eine unvorsichtige Libelle. Noch ein Schritt, kurzer Blick in meine Richtung. Nun trennt uns nur noch ein halber Meter. Ein gewagter Schwenk auf das Ufer, um im Sand einen Käfer zu erhaschen. Dann sofort wieder zurück in das schützende Nass. Drei schnelle Schritte, und schon ist er an mir vorbei.



Vom Strand vor dem Hotel kommt plötzlich ein lautes Plantschen. Eine Gruppe von jungen Touristen stürmt ins Wasser - sie kümmern sich wohl nicht um das Bilharziose Risiko im See... Auf jeden Fall sind die Reiher nun alle verschwunden.

Die Fähre nach Entebbe zieht am anderen Ufer der Bucht vorbei. Davor kommt eines der bunten Boote zurück, beladen mit ein paar Familien.



Die Badenden haben sich ausgetobt und es wird wieder ruhiger. Über mir tummeln sich kleine, bunte Bienenfresser in den Ästen. Zu klein und zu flink für meine Kamera. Dafür stolzieren nun zwei braune Ibisse über den Strand auf mich zu. Mit ihren gebogenen Schnäbeln stochern sie immer wieder im körnigen Sand des Ufers. Die türkis-grünen Federn über den Flügeln glänzen in der Abendsonne.



Im Gebüsch hinter mir raschelt es und gleich darauf erscheint ein Junge mit einem Wasserkanister. "Good afternoon! How are you?" "I am fine. How are you?" "Fine, thank you." Dann geht er weiter Richtung Wasser, wo er sich wäscht und dann den Kanister auffüllt. Kurz darauf ist er wieder in den Büschen verschwunden.

Ein schwarz-weißer Kingfisher steht waagrecht in der Luft, den spitzen Schnabel Richtung Wasser gestreckt. Und dann lässt er sich mit einem Platsch ins Wasser fallen. Taucht gleich darauf mit leerem Schnabel wieder auf. Pech gehabt. Aber schon steht er wieder lauernd in der Luft, fällt erneut wie ein Stein ins Wasser. Und dieses Mal war er erfolgreich und hat einen Fisch im Schnabel, den er auf einem Zweig sitzend hinunterwürgt.



Die Sonne steht nun tief am Horizont und taucht alles in ein goldenes Licht. Mein Bier ist leer, der Akku der Kamera auch und im Hotel wartet bald das Abendessen auf mich. Etwas wehmütig stehe ich auf, klopfe mir den Sand von der Hose und trenne mich von dem friedlichen Treiben hier am Wasser.



Uganda – Aktiv durch das ostafrikanische Rift Valley
Eine Reise mit schulz aktiv reisen vom 25.12.16 bis 09.01.2017
Reisebericht von Susanne Albinger

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