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Tourbeschreibung

Expedice Ski Krkonose

Ein Wochenende auf dem Riesengebirgskamm bei Schnee, Nebel, Wind und Wolken
27. und 28. November 2004


Dresden, Samstagmorgen 7 Uhr: regennasse Strassen bei 6 °C. Spindler Mühlen im Riesengebirge gegen 11 Uhr: wir schlüpfen im dichten Schneefall bei Temperaturen am Gefrierpunkt auf dem Parkplatz in unsere Skiklamotten und schultern die Rucksäcke. Doch wir kommen vorerst nur wenige Meter bis zur nächsten kleinen Einkehr, wo eine Suppe in den Magen wandert und mit Bier und Tee nachgespült wird. Dann schnallen wir die Ski unter. Die Pistenraupe hat den Aufstiegsweg grob planiert und wir stapfen mit jedem Schritt in die Höhe wachsend (der feuchte Schnee bildet Stollen auf dem Steigwachs) bergan. Von ca. 750 m. ü. M auf 1288 m; vorerst. Nach einem teils steilen Anstieg (das wird ja eine rasante Abfahrt am Sonntag) sind wir mehr oder weniger durchgeschwitzt an der Martinovka Bouda angelangt. Das Gepäck könnte man sich natürlich auch von der Pistenraupe hochbringen lassen. Der Wind pfeift kalt und die Sicht geht kaum weiter wie 100 Meter. Es ist tief winterlich und der Schnee liegt mindestens 80 Zentimeter hoch. Es ist noch früher Nachmittag; das Gähnen ist wohl nur vom Sauerstoffmangel in der Höhenluft!? Unsere dicken Freunde (Rucksäcke) liegen auf dem Zimmer und wir spuren unseren Weg zur Elbfallbaude durch lichten Fichtenwald und fast vollständig unterm Schnee begrabene Latschenkiefern. Die Schneewehen in der Abfahrt zur noch jungen Elbe sind im dichten Nebel kaum zu sehen und entsprechend oft gehen wir auf Grund. Die Markierungsstangen sind die einzigste Orientierung, abgesehen von den schemenhaften Umrissen des leer stehenden Berghotels. Die Stangen stehen in Abständen von 7 – 10 Metern. Sind 5 Stangen zu sehen, ist grandiose Fernsicht, bei 3 - 4 Stangen ist ziemlich herrliches Bergwetter, bei Sichtbarkeit von 2 Stangen ist Nebel, bei 1 Stange ist richtig dicke Suppe und man sollte im Grüppchen immer dicht beisammen bleiben; ist keine Stange mehr zu sehen, dann hat man sich verlaufen und ist ziemlich verloren und wird wohl vom Rübezahl geholt werden. Doch viel wahrscheinlicher ist es (welch ein Glück!), dass einfach mal eine oder zwei Stangen fehlen oder umgeknickt sind. Dann beim Erkennen der Nächsten sinkt auch schnell wieder der Puls und der Angstschweiß auf der Stirn ist eh schon gefroren. Die Quelle der Elbe liegt unterm Schnee. Auf dem freien Gelände ohne jede erkennbaren Konturen außer den schon erwähnten vorhandenen Stangen, geht es Richtung Grenzkamm. Der Wind treibt waagerecht den Hagel über die Hochfläche und die linke Gesichtshälfte bekommt eine Art Akkupunkturmassage. Die Kleidung ist mit einer dünnen Eisschicht überzogen. Am Kammweg fahren wir zurück zur Wetterstation und stechen dort wieder zu Tale. Die Sonne ist schon lange untergegangen und wir hatten sie ja wirklich nur mal kurz als blass-matte Scheibe gesehen, doch der Schnee ist so hell, das wir uns im Restlicht gut zur Baude zurückfinden. Die Gesichter sind wieder aufgetaut und wir können über all das Schöne reden und planen nach dem Essen über die Karte gebeugt schon wieder den nächsten Tag. Und träumen von blauem Himmel und einer Sicht in weit entfernte Galaxien!
Ganz werden wir am nächsten Tag nicht enttäuscht. Zumindest lässt die Wolkendecke mal die Sicht ins Tal zu, wenn sich auch die Schneekoppe nicht zeigt. An der Spindelbaude wollen wir wenden und der freundliche Grenzer fragt nach unseren Pässen. Das Nichtmitführen des Paßportes wird mir mit einer symbolischen Strafe von 100,- Kronen belegt und da bin ich noch gut weggekommen. Nach Mittagsrast an der Petrovka geht es durch den tief verschneiten Märchenwald wieder zur Martinsbaude und mit dem dicken Freund auf dem Rücken steil und rasant und mit ziemlich guten B-Noten zu Tale.
Waren wir nun nur ein Wochenende oder doch eine Woche unterwegs, fragen wir uns auf der Rückfahrt?

Olaf Schau

















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