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Tibet – Über das Dach der Welt und rund um den Kailash

Reisezeitraum: September 2019
Ein Reisebericht von Runhild und Steffen Dörfel

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Schon lange hatten wir den Wunsch, Tibet zu besuchen, um Menschen und Natur kennen zu lernen. Nachdem wir die Reise, die eine Wanderung – „Kora“ auf tibetisch genannt – rund um den heiligen Berg Kailash beinhaltete, bei den „Schulz aktiv“-Reisetagen kennengelernt hatten, wurde dieser Wunsch immer dringlicher und sollte nun im September 2019 endlich in Erfüllung gehen. Vorab nur eines: Wir hatten alles richtig gemacht: 1) Wir hatten mit Doro eine großartige Begleiterin, die jeden Wunsch hörte, manchmal sogar erahnte und dann sogar auch möglich machte. 2) Wir hatten eine tolle Gruppe, die sich prima verstand, gemeinsam alle Hürden meisterte, die so eine Reise auf „durchschnittlicher Meereshöhe von 4000m“ mit sich bringt, die gemeinsam spaßte, sang und die vielen Septembergeburtstage feierte. Und 3) wir hatten 25 Tage stabiles schönes Wetter mit ganz viel Sonnenschein, was in Tibet absolut ungewöhnlich ist. Aber was sagt schließlich das Sprichwort? „Wenn Engel reisen…“

Die Anreise war lang und ziemlich anstrengend: vom Dresdner Elbtal auf 3600 m Meereshöhe nach Lhasa - das steckt man nicht so einfach weg. Aber das Programm ermöglichte eine gute Akklimatisation und als wir die erste anstrengende Nacht überstanden hatten und dann wussten, wie man im Hotel die Fenster öffnet, wir also auch nachts frische Luft bekamen und gut schlafen konnten, da waren wir in unserem Tatendrang kaum noch zu bremsen. Es gab aber auch so viel zu sehen! Natürlich bestaunten wir die phantastischen Sehenswürdigkeiten wie den Potala-Palast, Norbulinka oder den Jokhang-Tempel, aber besonders bewegten uns die Menschen, die uns freundlich zurückhaltend, aber doch sehr interessiert begegneten bzw. mit denen wir gemeinsam Runde um Runde die Kora auf dem Barkhor liefen. Hier entdeckten wir bei jeder neuen Runde wieder eine andere Kleinigkeit, eine Nebenstraße, die uns bisher entgangen war und die doch ein hübsches Café oder ein interessantes Geschäft, einen kleinen Tempel oder nur die Begegnung mit einem alten Mann oder einem daumenlutschenden Mädchen barg. So wurden wir gut eingestimmt auf die Weiterreise ins Land.


Erhaben thront der Potala-Palast, ehemals Regierungssitz des Dalai Lama, über den Dächern von Lhasa 

Schnell und sicher steuerte Norbu unseren Kleinbus über die Straßen und sein fröhliches „Achtung!“ (mit Betonung der letzten Silbe) vor jeder größeren Bodenwelle war für die in der letzten Reihe Sitzenden der Hinweis, dass jetzt gleich ein Luftsprung fällig würde. Immer wieder prüfte Döndrup, der sich aber lieber mit seinem selbstgewählten englischen Namen Jack ansprechen ließ, unseren Puls und damit unseren Belastungszustand bzw. unsere Kondition und wies auf reichliches Trinken und gutes Essen hin. Das war aber gar nicht nötig, denn Pudchung bekochte uns mit ganz leckeren Gerichten. Seinem Einsatz mit Stirnlampe im Morgendunkel oder bis in den späten Abend war es zu verdanken, dass das Thema „Abnehmen“ eben kein Thema wurde. Ich selbst bin ja ohnehin experimentierfreudig und habe gern alles ausprobiert, einschließlich Tsampa, auch wenn die Namen der Gerichte manchmal recht exotisch klangen. Es hat mir immer gut geschmeckt. Ich mag auch den Buttertee und war deshalb nicht böse, als ich die Thermoskanne ganz allein leeren sollte, weil sich der Rest der Gruppe lieber an Ingwer-Honig-Lemon-Tee labte oder süßen Milchtee bevorzugte.


Traumhafte Zeltplätze 

Wir wohnten immer gut, nur am Manasarovar-See hätten wir lieber die Zelte aufgebaut als die dortige Unterkunft bezogen. Wir waren durchaus auf einfache Lodges eingerichtet und in der Regel haben die Gastgeber mit viel Liebe zum Detail versucht, diese möglichst wohnlich zu gestalten. Die Toiletten blieben allerdings bis zum Ende der Reise ein immer wieder spannendes Erlebnis, die Fotos hiervon werden wir nicht veröffentlichen. Lieber zeigen wir die typisch tibetischen Baustile der Häuser oder die liebevoll gepflegten Blumen im Hof. Uns gefielen besonders die Plätze, an denen wir unsere Zelte aufbauten: am Peiku Tso auf 4600 m Meereshöhe mit Blick auf den einzigen Achttausender, der komplett auf tibetischem Gebiet liegt, den Shishapangma; eine weite Wiese, die wundervoll nach würzigen Kräutern duftete und Heimat der scheuen Schwarzhalskraniche war; ein flacher Hang am Fluss Sutlej, der einen phantastischen Blick auf das Königreich von Shangshung bot und wo wir in warmen Quellen relaxen konnten (dass wir danach alle leicht nach Schwefel rochen, tat dem Genuss keinen Abbruch).


Wenn man den Mount Everest direkt vor sich sieht ist es absolut einmalig 

Wir fuhren quer durchs Land und hatten unterwegs mehrfach Ausblick auf die berühmten Achttausender, die sich Nepal und Tibet teilen. Und natürlich waren wir begeistert und tief bewegt, als sich am späten Abend und frühen Morgen der Mt. Everest im besten Licht und in seiner ganzen Schönheit zeigte – niemand dachte ans Abendessen oder spürte morgens noch die Probleme, die die beachtliche Höhe dem einen oder anderen in der Nacht bereitet hatten. Ehrfurchtsvoll standen wir etwas abseits des Touristentrubels, ließen zwar auch unsere Kameras klicken, genossen aber hauptsächlich das Bild und den dankbaren Gedanken, hier sein und dies sehen zu können.


Der heilige Manasarovar-See lädt zum Wandern und Verweilen ein 
Einige Pilger brauchen zwei bis drei Wochen um den Kailash, indem sie die Kora mit Niederwerfungen bestreiten 
Der Berg Kailash, das Schneejuwel, gilt als der heiligste Berg der Welt und wird von Millionen von Menschen verehrt 
Drei Tage im Strom der Pilger über den 5660 Meter hohen Pass Dölma La 

Teils etwas weniger ehrfurchtsvoll, aber mit Sicherheit (zumindest abends) auch sehr dankbar, bewältigten wir die Kailash-Kora. Ein wenig genossen wir sie auch, wenn auch der zweite Tag, der mit einer Überraschung – nämlich einer geschlossenen Schneedecke – begann, ziemlich anstrengend war. Wir haben die Umrundung alle geschafft, manch einer voranstürmend, manch einer schnaufend wie eine Dampflok, aber niemand musste gezogen oder mit „Sauerstoff aus der Dose“ gedopt werden. Am Pass wurden wir mit einer deftigen deutschen Knackwurst belohnt – eine tolle, energiespendende Idee von Doro – und einem Stück Schokolade unseres Schweizer Reisefreunds. Der frische Schnee verzauberte die Landschaft zusätzlich, die aber ohnehin schon wundervoll ist. Besonders den letzten Tag, die leichte Wanderung durch einen wunderschönen Canyon haben wir genießen können. Auch hier bei der Kailash-Kora bewegten uns besonders die Begegnungen mit den Menschen, die so viel Mühe auf sich nahmen, um ihre Religion zu leben: der alte Mann, die gehbehinderten Kinder und ihre Mütter, die Familie, die die Katze mit sich trug oder das junge Paar mit dem nur wenige Wochen alten Baby – allen war es wichtig, hier zu sein und die Kailash-Kora zu laufen, manche betend, manche sogar singend. Besonders berührten uns die Menschen, die diese Umrundung mittels Niederwerfungen bewältigten. Staub, Steine, Schnee, Pfützen oder schlammiger Matsch – nichts brachte sie dazu, zu schummeln und eine Niederwerfung auszulassen – eine bewundernswerte Kraftanstrengung. So viel Ernsthaftigkeit in ihrem Tun auch lag, für uns hatten sie dennoch ein Lächeln übrig, wenn wir langsam und dennoch pustend vorbeiliefen.


Ein Zimmer voller Schriften vom Boden bis zur Decke gestapelt, hier im Sakya-Kloster 
Umgeben von grandioser Natur – die Schluchten des beeindruckenden Sutlej-Canyons 
Festungsruine in Tsapareng 

Wir haben wunderbare Kunst- und Kulturschätze gesehen in den Klöstern und Tempeln. Wir haben uralte Wandmalereien und Skulpturen bewundert, sind zu einsamen Klöstern aufgestiegen und haben dem Gebet der Mönche gelauscht. Doro hat uns sehr gut und viel zu den zahlreichen Buddhas und der Geschichte der jeweiligen Kulturstätte erklärt. Überall sieht man jedoch auch die Folgen der gewaltsamen Kulturrevolution und den vordergründigen, also demonstrativen Jubel über das neue China, wobei sich die roten Staatsflaggen gut in den bunten tibetischen Gebetsfahnen „verstecken“ lassen. So haben wir an den Abenden mit unseren Begleitern auch über unsere Fragen zum Leben im früheren und heutigen Tibet gesprochen, die sich oft aus den Erlebnissen des Tages ergaben, die für uns häufig bedrückend waren. Es ist für uns nur schwer auszuhalten, wenn die Menschen ihr ganzes Leben lang (und in diesen drei Wochen auch wir), ständig überwacht und kontrolliert werden: Straßenkontrollen, das Vorzeigen der Pässe, die Überprüfung, ob wir die vorgegebene Reiseroute auch einhalten, Personenkontrollen wie am Flughafen, die Allgegenwart von schwer bewaffneter Polizei und von Videokameras, enge Neubausiedlungen, die die Nomaden dazu bewegen sollen, ihr unstetes Leben aufzugeben, die gar als Errungenschaft angepriesen werden, aber die Menschen, die ein freies Leben in und mit der Natur gewohnt sind, eher einengen - und überall große Jubellosungen, aufgrund des nahen Jahrestags der Staatsgründung natürlich besonders groß, besonders schrill, besonders zahlreich. Das war ein Wermutstropfen, der aber zu dieser rundum wunderschönen Reise auch gehört und uns erst Recht dazu bewog zu sagen: wir waren in Tibet (nicht in China), wir haben Land und Leute sehr genossen und uns in unserer Liebe zum Himalaja und seinen Menschen bestätigt gefühlt. So war diese Reise nicht unsere erste in diese Ecke unserer schönen Erde, aber ganz sicher auch nicht unsere letzte.


Gebetsmühlen werden im Uhrzeigersinn gedreht oder geschwungen. In ihrem Innern enthalten sie Gebete oder Mantras. Meist handelt es sich um das heilige und älteste Mantra 
Der Barkhor, ein Pilgerweg, der rund um das Kloster Jokhang in Lhasa führt 

Reisezeitraum: September 2019
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