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Tourbeschreibung

Jambo! Tanzania „Aktivist“ – ein kurzer Bericht von Bergen und Safaris

Die Anfahrt in den Arusha Park näherte sich dem Ende und du konntest nicht mehr verträumt in der Savanne die Blicke zwischen Viehherden und den Massai in ihren farbenfrohen roten Tüchern und den aufregenden und inspirierenden Konturen des Mt. Meru schweifen lassen. Die üble Piste würde übler und was vorher am Bus leise klapperte, wurde jetzt fühlbar und jeder hoffte, dass er durchhält. Der Fahrer lächelt und man glaubt ihm wortlos. Staub zieht fein durch den Innenraum. Eine Elefantenfamilie labt sich an den Sträuchern und Warzenschweine rennen mit steil aufgestelltem Schwanz davon. Affen toben durchs Astwerk. Dann dieser lange samtig getüpfelte Hals, nein, ist das wahr? Wirklich eine Giraffe?! Ach nein, vielleicht hat sie doch einen Knopf im Ohr, ruft jemand. Sie quert ganz dicht vor uns mit grazilen Schritten die Piste und wieder schaut nur der Hals aus dem Strauchwerk. Wir freuen uns wie Kinder. Die weißen Hüttchen der Momella Lodge stehen mitten in diesem wenig besuchten Tierparadies mit tausenden Flamingos in den Momella Seen; Affen, Pavianen, Dik-Diks, Wasserböcken, Kaffernbüffel, Hippos und vielen Vögeln u. a. dem Sekretär und Pelikanen. Und schlich da abends wirkliche eine junge Löwin durchs Gras? Jedenfalls wurde sie beim Abendessen nach dem Bier nicht kleiner. Das Kreuz des Südens strahlte überm Horizont in der Milchstrasse.

Der Aufstieg auf den Mt. Meru ist im unteren Teil ein Fest für Hobbybotaniker und wenn man mit welchen unterwegs ist, wird man vielleicht einer. Giraffen steigen auch noch bis weit über 2000 Meter auf, Elefanten sogar bis 3000 Meter. Der Stamm einer riesigen Würgefeige ist zu einer Durchfahrt geöffnet wurden und überspannt die Piste. Trotzdem nehmen die Elefanten lieber die Abkürzung durch den Wald. Der wird weiter oben zu einer Art Bergregenwald mit knorrigen „African Rosewood“ von denen lange grünliche Flechten herabhängen und Nebel und Regen lassen die Phantasie spielen und ich kann mir förmlich vorstellen, dass ich hier in der Dämmerung auch Gänsehaut bekommen würde. Zu sehen ist bei dem Wetter nichts, aber man steigt höher und hofft, dass einem die Wolken nicht an den Fersen hängen. Im folgenden Erikawald lichteten sich die Nebel und an der Saddle Hut saßen wir frohgemut in der Sonne und machten uns alsbald zum Gipfel des Kleinen Mt. Meru auf. Der komplette morgige Aufstieg über den Kraterrand auf den Mt. Meru war von hier einzusehen und auch der Kilimanjaro war in der Abendsonne zu sehen. Nun fühlten wir uns alle doppelt gut und waren optimistisch für den morgigen Gipfelaufstieg. Nun am Abend stieg Nebel auf und hüllte alles in verschwiegenes Weiß, ja so sah es zumindest im Schein der Stirnlampe aus. Das Teewasser war an diesem Abend nicht so richtig lecker und so stiegen wir zwecks ausreichender Hydration auf Bier um. Ist zwar bischen umstritten, aber schmeckt. Und so sparten wir das Wasser filtern.
Um zwei Uhr waren wir schon ziemlich wach, weil die Gruppe vor uns doch einen, relativ milde gesagt, geräuschvollen Aufbruch hatte, drehten uns aber noch mal um. Eine Frischluftprobe unterm sternenklaren Himmel steigerte die Motivation ungemein und um kurz nach vier Uhr stiefelten wir los. Am Rhino Point zeigte sich schon zartes Licht am Osthimmel und der Kili war zu erahnen. Der weitere Aufstieg schwang sich am Kraterrand entlang, teils auch über leichte Felspassagen. Die schönsten Minuten waren die vor Sonnenaufgang und auch die Kältesten – der Himmel war orange-gelb und die Finger ziemlich klamm, es war doch gut die Handschuhe dabei zu haben. Nach 4,5 h überwanden wir die letzten Gipfelfelsen und standen oben am Socialist Peak auf 4562,13 m unter der tanzanischen Flagge. Zeit für Gipfelschnapps und dann wackelfreies Gipfelfoto. Und nun hatten wir ihn für uns allein, weil die anderen schon abstiegen und trugen uns nach dem „Berg Heil“ sogar in ein Gipfelbuch ein. Fast direkt unter uns der ebenmäßige Sekundärkrater des so genannten Aschekegels. Der letzte Ausbruch war Anfangs des letzten Jahrhunderts, seitdem gilt er im Gegensatz zum Kibo als erloschen. Der Abstieg war eine staubige Angelegenheit, wie das nun mal eben so ist, wenn man in Asche herumläuft. Zumindest keine so dünne Luft.
Den Geisterwald ohne Gänsehaut durchquert und fast wieder ganz unten am Ausgangspunkt angelangt, stehen doch wenige Schritte nur entfernt 3 Giraffenmännchen und tragen gerade einen kleinen Disput aus, indem sie sich gegenseitig mit ihren Hälsen schlagen. Die langsamen geschmeidigen Bewegungen sehen regelrecht elegant aus. Wir sind alle ziemlich breit, doch nach zwei Stunden Aufenthalt mit Dusche und Lunch in der kolonialen (das Adjektiv soll hier absolut positiv sein) Momella Lodge, sind wir frisch für die Safari um die Momella Seen und fahren weiter in die tiefrote Kugel der untergehenden Sonne zum Tarangire National Park. Das Camp liegt weitab unter Palmen und es singen wirklich nur die Vögel.
Die Baobabs, auch Affenbrotbäume genannt, obwohl ich dort nie einen Affen sah, sind zunächst der Hauptblickfang im Park, so unproportional wirkt der massige Stamm zu den dünnen Ästchen. Herden von Gnus, Zebras und kleinere Gruppen Impalas und flink und gut getarnt dazwischen die kleinen Dik-Diks (die kleinste Antilopenart). Der eine oder andere Strauß stolziert durch die Hügel des Parks und am Fluß dann doch endlich viele Elefanten. In den Ästen der Akazien, wie Wohnparks, oft ganz viele Nester der Webervögel und von einer Palme beobachtet ein Geier das Leben das Geschehen. Hier drinnen im Park, obwohl es natürlich keinen Zaun gibt, sind die Tiere am sichersten; draußen können sie Beute der Menschen sein, erzählt unser Guide. Wer im Jeep unter Hochdach steht, sieht mehr; das gilt dann auch an den anderen Safaritagen im Lake Manyara NP und dem Ngorongorokrater, und ist ja auch wirklich so. Das Auge sucht die Umgebung ab und wird im Gegensatz zum Pilze suchen (ich weiß, kein guter Vergleich) hier mit „Tiere finden“ reichlich belohnt. Nashornvogel, Marabus, Kronenkranich, Löwen, Geparden, Hyänen, Schakale ja und so viele mehr und die ganzen schon genannten. Es war und ist einfach grandios und da war ich, ehrlich gesagt, vorher eher ein Skeptiker dieser Art von Tierbeobachtung. Im Ngorongorokrater leben die Wildtiere wie in einer riesigen Pfanne von 19 Kilometer Durchmesser. Die Massai ziehen mit ihren Rinderherden an die Wasserstellen im Krater und es soll kaum Raubtierangriffe geben. Da hatten es die Habichte am Rastplatz schon gezielter auf unsere Snacks abgesehen und schlugen trotz Vorsicht zweimal präzise zu.
Der Campingplatz am Kraterrand ist noch eine Erwähnung wert, das Gefühl von „Draussen sein“ war unterm weiten Sternenhimmel schon groß und des nachts stapfte dann auch noch ein Elefant an den Zelten vorbei, von den Büffeln ganz zu schweigen.
Wir sind am nächsten Berg, dem eigentlichen Hauptziel der Reise, doch der Gipfel, den wir am Ende alle erreichen, ist nur die übergroße Sahneportion auf der ganzen Tour. Nach dem zweiten Tag des Aufstiegs ist der Blick von 3800 m über das Shiraplateau mit seinen vielen gezackten Gipfeln was fürs letzte Bild im Fotoalbum und auf Kehrtwendung scheint rötlich der Gipfelaufbau des Kilimanjaro und das Bild sollte gleich auf die gegenüberliegende Seite. Der nächtliche Gang auf die Freitoilette wird von Sternschnuppen erleuchtet und das wilde Tier mit den spitzen Zähnen aus meinem letzten Traum treibt sich zum Glück nicht draussen herum; ich hatte sicherheitshalber die Stirnlampe dabei.
Den Anstieg durch die Steinfelder zum Lavatower legen wir in Wolken und Nebel zurück und sehen den spitzen Zacken auf 4600 m nur für ein paar Sekunden. Die Rast ist mir zu kalt und da ich nichts mehr zum Anziehen jetzt dabei habe, umrunde ich den Fels und spüre die dünne Luft, welche mich nun auch in den folgenden Nächten nicht tief schlafen lässt, aber so bin ich wenigstens vor dem wilden Tier aus meinen Träumen sicher. Im Barranco Camp (wo jetzt ein Stück oberhalb am Bach ein großer Steinmann von uns errichtet wurde) räumen wir das Esszelt für unsere Begleitmannschaft zum Schlafen und hocken uns gemeinsam zu acht ins größte 2er (!) Bergzelt, weil es zum schlafen einfach noch zu früh ist. Wir lesen uns Geschichten vom Berg vor. Die Machame Route welche wir gehen, führt ja zu einem großen Teil um den Berg herum, ist sozusagen eine Bergtour mit langem Vorspiel, was sicher einer guten Akklimatisation zuträglich ist und man sieht das Ziel seiner Tagträume mit den Gletscherzungen einfach aus vielen Blickwinkeln.
Der Gipfeltag am Barafu Camp auf 4600 m beginnt eigentlich noch am selben Tag, als wir zu Bett gingen. Um 23 Uhr ist Wecken, wir packen flink unsere Sachen, welche dann hier deponiert werden und nehmen einen Mitternachtssnack ein. Schwarzer Tee (wie eigentlich nur am Berg) und dann haben wir uns Ugali, das tanzanische Nationalgericht, ein süßer Maisbrei, gewünscht. Reine Power vom Löffel. Wir laufen um Mitternacht mit der Höhe angepasstem Tempo so bei minus 2 Grad Celsius los. Es ist Freitag der 13. August 2004. Mit zunehmender Höhe wird die Kette von Lampen hinter uns sichtbar und auch die Kälte spürbarer. Drei Stunden, dann vier Stunden sind wir schon unterwegs. Ein irrer Sternhimmel und wie Raketen schiessen die Sternschnuppen durch den Nachthimmel. Eine verschwindet hinterm Kili und taucht auf der Westseite wieder auf! Wir quälen uns das Wasser rein, wir wissen, dass wir die Flüssigkeit brauchen werden. Und die Temperatur scheint immer weiter zu fallen. Meine Finger fühlen sich taub an und ich lasse die Stöcke schleifen und greife sie wieder warm. Dann krabbelt die Kälte auch noch durch die Bergschuhe und zwei paar Socken. Die Mütze sitzt eh schon fast auf der Nase auf und verdeckt die Ohren komplett. Nun kriecht die Kälte auch noch in die Jacke. Bald reicht es, denke ich mir, sonst ist bei mir Schluss, nicht wegen der Höhe, nein ich werde so zittern, dass es mich umschmeißt. Die anderen aus der Gruppe frieren auch. Wie weit noch? „A piece of cake!“ Kein Kuchen, aber nur noch ein kleines Stück. Wirklich, da sehen wir Stirnlampen am Grat von einer Gruppe von der Marangu Route. Der Stella Point (5745 m) ist um 5 Uhr erreicht, wir fallen uns um den Hals; Mensch das ist eigentlich der Gipfel! Denn auf der anderen Seite geht es ja gleich wieder runter in den Krater. Die Kälte ist für Momente vergessen und mich schütteln die Emotionen. Nun können wir uns Zeit lassen, denn bis zum Sonnenaufgang sind es mindestens noch 90 Minuten. Neunzig lange Minuten bis die gelbe Scheibe endlich Hoffnung auf Wärme aufkommen lässt. Die Stunde vor Sonnenaufgang ist bekanntlich die Kälteste. Wir hocken uns hinter einen Felsen, nun klappern die Zähne und auch der Schluck Whisky hilft nicht. Wir gehen langsam weiter und ich schlafe beim Gehen fast ein und mein Kopf sinkt auf den Rucksack des Vordermannes, wenn ich im Sekundenschlaf auflaufe. Dann sind wir oben! Der höchste Punkt ist mit Tafeln markiert, sonst würde man wahrscheinlich einfach zu weit laufen. Jetzt ist die Zeit für „Berg Heil“ den Gruß unter Bergsteigern wie Bergwanderern. Und Zeit für einen zweiten wärmenden Schluck vom Gipfelgetränk, was einen auf keinen Fall zielstrebiger macht. Nicht mich. Leider ist wenig Gipfelromantik hier. Klar möchte jeder „sein“ Gipfelfoto für die erste Seite im Familienalbum, doch die Drängelei ist des Platzes nicht ganz würdig. Und so steigt die wärmende Sonne (der reine Anblick wärmt ja schon) fast unbemerkt über den Horizont. Doch Romantik hin und her, es ist immer noch saukalt und wir wollen runter. Die Freude über das gemeinsam vollbrachte sitzt tief und wir erreichen dann auch alle gesund und unverletzt wieder den Fuß des höchsten afrikanischen Berges.

Der Staub ist wieder aus den Sachen gewaschen, der Schlafsack ist gelüftet, Erlebnisse sind ausgetauscht worden und Freunden erzählt, der Berg steht mit in meinem Gipfelbuch, doch ich drücke mich noch drum meine Bergschuhe richtig zu putzen – bisschen Erinnerung an den großen Berg in unseren Kleinen Bergen und Felsen hier soll schon noch bleiben.

Olaf Schau


Der Schneedom von Moshi


Würgefeige mit Durchfahrt im Arusha Park


Sonnenaufgang über Kili und Mawenzi vom Mt. Meru


Am Gipfel vom Mt. Meru 4562,13 m


Ganz oben ist man wirklich nie - Absteig Mt. Meru


Abstieg im Lavasand


Hütten der Momella Wildlife Lodge


Mt Meru von Arusha


Schild am Tarangire Nationalpark


Auf Safari - Kolonial, aber sicher


Sie stecken fast überall ihren Kopf raus


Impalabock vor Baobab Bäumen im Tarangire NP


Massai Jungen


Gnus im Ngorongoro Krater


Hippos bei aktivem Posieren


Der Kilimanjaro vom Shira Camp


Sonnenuntergang über den Shira Gipfeln


Senecien im Barranco Tal


Aufstieg am Kilimanjaro


Letztes Camp vorm Gipfel 4600 m


Wenn ich da oben bin, will ich runtergucken können


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