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Kilimanjaro individuell im Sommer 2006 -
Vater und Sohn mit Zelt über Machame-Route zum höchsten Gipfel Afrikas - auf dem Whisky-Trail hoch und runter

Einstimmung - Historie

5.895 m hoch, Massiv ist 80 km lang und 60 km breit, völlig freistehender Vulkan mit den 3 Gipfeln Shira, Kibo und Mawenzi
liegt vollständig in Tansania ca. 340 km südlich des Äquators, am westlichen Rand des ostafrikanischen Grabens
Kilima Njaro = Weißer Berg bzw. Schneeberg
um 100 n. Chr. berichtet griechischer Astronom und Geograf Ptolemäus von einem hohen, mit Schnee bedecktem Berg mitten in Afrika
etwa 1000 Jahre später berichteten chinesische Handelsreisende von einem solchen Schneeberg
am 11.05.1848 erblickte der deutsche Missionar Johannes Rebmann die Schneekuppe und berichtete 1849 davon in Europa, das öffentliche Interesse war geweckt
1861 und 1862 scheiterte der deutsche Entdecker Karl Klaus von der Decken zweimal an der Bergbesteigung
1885-1918 war das Bergmassiv das höchste Gebirge Deutschlands
06.10.1889 Erstbesteigung durch den Leipziger Geografen, Forscher und Verleger Hans Meyer mit dem östereichischen Alpinisten und Bergführer Ludwig Purtscheller nach zwei vorherigen fehlgeschlagenen Versuchen - Meyer benennt Gipfel nach Kaiser Wilhelm und Gletscher nach seinem Lehrer Ratzel
1912 waren Walther Furtwängler und Siegfried König die ersten, die per Ski vom Kibo hinab fuhren
17.07.1927 R. Reusch ersteigt den nach ihm benannten Krater
Gipfelspitze von 1889 - 1918 Kaiser-Wilhelm-Spitze, ab 09.12.1962 anlässlich Unabhängigkeit Tanganyikas Uhuru Peak (Freiheitspitze)
wegen der Historie auch heute noch aktuell zahlreiche deutsche Bezeichnungen wie Hans Meyer Peak (höchste Gipfelspitze des Mawenzi), Reusch Crater, Hans Meyer Cave, Rebmann Glacier, Furtwangler Point, Furtwangler Glacier, Bismark Tower, Johannes Notch, Lörtsher Notch, Oehler Ridge, Kersten Glacier, Decken Glacier, Ratzel Glacier, Heim Glacier
Kilimanjaro Nationalpark 1973 gegründet, 1977 eröffnet, 1987 Weltnaturerbe UNESCO

Preludio - dem Ziel entgegen

Von Chemnitz-Siegmar nacheinander in 3 Zügen mit 3 Verspätungen zum Flughafen Frankfurt. Mit der alten Armee-Regel „Immer einen Zug eher!“ haben wir aber den Flieger erreicht.
Von dort pünktlich, freundlich und sauber mit Ethiopian Airlines nach Addis Abeba. Der Rotwein trug verschiedene Prädikate von Auszeichnungen der DDR und der Sowjetunion. Wegen der Höhenlage der Hauptstadt über 2.500 m kein Ohrendruck beim Landen - der Kabinendruck entsprach 2.200 Höhenmetern. 2
Der nächste Flieger Richtung Dar es Salam war nach Äquatorüberflug beim Zwischen-Landeanflug zum Kilimanjaro-Airport auf 6.000 m direkt neben dem wolkenverhüllten Ziel der Träume. Außentemperatur im Sonnenschein auf dieser Höhe um 12.10 Uhr sind - 9 °C. Beim geplanten Gipfelsturm in der Nacht vor Sonnenaufgang wird es also noch deutlich ungemütlicher werden. Winterbergstiefel und Carinthia-Schlafsack mit Komfortbereich bis - 27 °C sind im Handgepäck über den Sitzen, normale Bergstiefel und wetterfeste Kleidung sowieso schon direkt am Mann bzw. unter dem Sitz - die Erfahrung eines Lufthansafluges im Frühjahr nach Rom mit Gepäckverlust beider Passagiere hat vorsichtig gemacht!

Die Flughafenprozedur auf dem Kilimanjaro-Airport ist angenehm friendly, kurz und schmerzlos. Die Passagiere laufen vom Flugzeug in die Schalterhalle. Bei den wenigen aussteigenden Passagieren und dem wenigen Gepäck fällt mir gleich auf, dass der Seesack von Sohnmann Marcus nicht auf dem Gepäckhänger landet. Das sofortige Ansprechen einer freundlichen Flughafenmitarbeiterin und deren kurzer Fußweg zum Flugzeug sichern uns auch den zweiten Seesack.
Für Vater und Sohn zweimal 50,- US-Dollar Visa-Gebühren, Stempel in die Pässe und los geht’s mit zwei polnischen Bergfreunden aus Kielce im schon bereit stehenden Kleinbus von Zara-Tours zum Hotel nach Moshi.
Über die ca. 800 m hoch gelegene Ebene sausen an mehreren Stellen schlauchförmige Windhosen bis mehrere hundert Meter hoch.
Plötzlich wird die Kuppe des Berges der Berge frei - über 5.000 m hoch direkt aus der Ebene bis auf 5.895 m ragend. „Matka boska!“ (Mutter Gottes) bei den beiden Polen, „Oh Gott, verdammt - was tun wir uns da an?!“ bei den beiden Germanen.

Die Springland Lodge am Rande von Moshi liegt hinter hohen Mauern, bewacht von traditionell gewandten Wächtern mit Lanze und Machete. Die Einfahrt ohne jedes Schild, das überhaupt auf ein Hotel hindeuten könnte - die Öffnung des schweren Tores erfolgte erst nach Wächterblick durch wirklich kleines Türfenster und Erkennen des Fahrers als Befugtem. Im Inneren angenehmes Grün, bekieste Wege, freundliche Angestellte, Willkommenstrunk und 4-Bett-Zimmer für 2. Der Pool lud zwar zum Bade ein, genutzt wurde die heiße Dusche. Seit Abfahrt in Chemnitz waren über 24 Stunden vergangen.

Abends Kurzeinweisung einer international bunt gewürfelten Truppe mit Canadiern, US-Amerikanern, Österreichern, Belgiern, Polen und Dänen. Zusammengefaßt: „Drinking Water and pole, pole“. Also immer viel Wasser trinken und schön langsam. Am Gipfeltag sollte keine Malarone gegen Malaria genommen werden, da Kreislauf und Magen zu sehr belastend.

Danach Treff mit Guide Dawson und Assistant Guide Joseph. Diese beiden vom Volk der Chagga mit Koch und 4 Trägern sollen nun eine Woche lang im wahrsten Sinne des Wortes Begleiter für unsere Tour sein - eben Kilimanjaro individuell.
Ob wir dicke Handschuhe, warmen Schlafsack, kältegeeignete Bergschuhe, wasserfeste Kleidung, Stirnlampe mit Ersatzbatterien, Schokolade, Energieriegel haben? Die offenbar aus Erfahrung aufgestellte Checkliste können wir jeweils bejahen. Wir haben alles. 3
Dawson weist ruhig darauf hin, daß es die nächsten 7 Tage nichts zu kaufen geben wird. Unsere Verpflegung und Wasser wären natürlich gesichert.
Die nächste Frage, ob wir auch Bergwandern können, deutet offenbar aus vergangener Erfahrung des Guides Probleme anderer Art an. Wir hoffen, mit Oetztaler Runde zwei Wochen vor Tourbeginn und Marmolada-Besteigung 2 Tage vor Tourbeginn jeweils mit Schlafstellen oberhalb 2.500 bzw. 3.000 m und langen Touren deutlich oberhalb 3.000 m genügend und zur rechten Zeit vorbereitet zu sein.

Beide sind froh, daß wir die Machame-Route nehmen, dabei die 7-Tage-Tour vorhaben und den Abschnitt zwischen Barranco Camp und Barafu Camp in 2 Tagesetappen mit Übernachtung im Karanga Camp teilen wollen. 6 Tage Machame wären sehr hart.
Insgesamt sollen 7 Einheimische für uns Beide tätig werden, worüber wir uns wundern, weil die Agentur selbst nur 6 angegeben hatte.
Kurze Abstimmung zum Gepäck für die Träger. Zur Messung steht im Hotelinnenhof ein Dreibein mit Waage und Haken. Die weniger als 8 Kilo im Seesack von Sohn Marcus und die 13 Kilo im Seesack von Vater Reiner sind jeweils deutlich unter der zugelassenen 15-Kilo-Grenze für jeden Bergfreund. Auch hier noch mal die Ermahnung „viel trinken und pole, pole - schön langsam“.
Treff soll am nächsten Morgen 8.00 Uhr der Innenhof und alles schön wasserdicht in Plastebeuteln auch im Rucksack verpackt sein - der Regenwald wartet schon.

Bergtag 1 - Machame Gate 1800 m bis Machame Huts 3000 m11.20 - 15.27 Uhr (offiziell 5 - 7 h)

Der Kleinbus ist wieder pünktlich. Neben Mirek und Janusz aus Kielce sind nun auch Anne-Marie und Maxime aus Montreal mit dabei. Lunchpaket erhalten, Säcke und Rücksäcke aufs Dach - vorwärts geht’s.

Nach einer Stunde auf geteerter Hauptstraße mit zahlreichen Schwellern zum Zwangs-Langsamfahren fährt`s dann an Bananen- und Kaffeplantagen vorbei immer höher über unbefestigte Wege. Statt gemauerter Häuser in der Ebene beherrschen nun Bambus- und Lehmhütten das Bild. An klapprigen Verkaufständen hängen Fleischkeulen und Hühnerkörper frei in der Hitze, Fliegen krabbeln darauf herum. Bei uns aufkommende Fragen nach dem Woher und Zustand der eigenen Verpflegung für die nächsten 7 Tage werden verdrängt.

Plötzlich Trubel am Wegesrand - dutzende Einheimische bieten Rucksackhüllen, Hüte und Lanzen (?!) an. Machame Gate auf 1800 m und damit die Grenze des Kilimanjaro-Nationalparkes sind erreicht.
Das Gate selbst ist fest mit Stahlrohrzaun umwehrt. Ein Ranger mit chinesischer Kalaschnikow sichert die Einfahrt.
Gepäck fassen, der freundlichen Begleiterin von Zara-Tours hinterher, Guide Dawson sehen und warten.







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Einer nach dem anderen muß sich fein säuberlich in das Registrierungsbuch der Nationalparkverwaltung eintragen. Name, Vorname, Paß-Nummer, Nationalität, welche Tour, wieviel Tage, welche Agentur, Guide-Name, Permit-Nummer, Unterschrift.

Das dauert wirklich. Mit den beiden Polen frotzeln wir, ob sie auch dem Namen der Route entsprechend Whisky für den Gipfeltrunk einstecken haben.

Eine Holztafel gibt die Entfernungen der verschiedenen Etappen der Route über die Machame-Route hoch bis zum Uhuru Peak und runter über die Mweka-Route in Stunden an - dieses geeignete Objekt wird als Startfoto zuerst von uns und dann anderen Touris auserkoren. Das auf dem Gelände befindliche WC wird vorsorglich genutzt - es ist für die nächsten 7 Tage das letzte.

Zwischendurch fragen wir bei anderen Weißhäutigen an, warum sie mit Gamaschen, Pullover, Weste und dicker Jacke bereit stehen - es fehlen wirklich nur noch die Steigeisen, dann wären sie für die Besteigung der Wildspitze in Eis und Schnee bereit. Es sind Belgier und es würde ja heute schon in die gewaltige Höhe von 3.000 m gehen. Mein Hinweis auf die zu erwartende nasse Schwüle eben im Regenwald und die selbst getragenen Shorts mit kurzärmligem T-Shirt sorgt zumindest für Nachdenklichkeit.
Endlich erscheint Dawson, teilt uns den Träger Muhammed als heutigen Begleiter zu und meint, er müsse nun noch Träger aussuchen und beauftragen, Lebensmittel fassen. Wir sollten schon mal losziehen.

Nun ja - für uns geht`s 11.20 Uhr mit leichtem Tagesrucksack (Biwak-Sack, regendichte Oberkleidung, Essen und Trinken, Fotoapparat, Notfallpaket) los.
Der Weg ist die erste halbe Stunde ca. 3 m breit und offenbar von 4x4 Allrad der Ranger befahren. Feucht, teilweise schmierig, aber nicht schlammig. Das ändert sich. Aus dem Weg wird ein bis 1 m schmaler Pfad. Wurzeln und nun doch Schlammlöcher sind zu übersteigen oder zu umgehen. Schon in der ersten Stunde lernen wir den Gruß der Einheimischen „Jambo“ als Begegnungsritual kennen.
Obwohl wir wirklich pole, pole gehen, überholen wir laufend andere Bleichgesichter, die sich mit hochroten Köpfen nach und nach ihrer vielen Sachen entledigen und völlig durchgeschwitzt sind. Allerdings werden auch wir laufend überholt - schwarze Träger (Porter) sausen mit allem möglichem Gepäck vom erkennbaren Zeltgestänge über Klapptische und -hocker bis hin zum im Plastesack gesicherten Seesäcken oder Rucksäcken an uns vorbei. Regelmäßig in Kopf-Arbeit, Gepäck als Haarschmuck. Anerkennend und scherzhaft gemeint dabei der Spruch „Die Schwarzarbeit blüht“.
Nach zwei Stunden mäßig ansteigendem Weg dann bei ca. 2.300 m Höhe Pause an einer kleinen schmalen Lichtung. Wahrlich ein hölzernes Toilettenhäuschen am Rand. Einfachste Bergausführung: Dach, 3 ½ Wände, 2 Holz-Tritte, Rechteck-Loch mit Holzstempel-“Verschluß“. Diese Zierden der Zivilisation steht von nun an bei jedem Camp in wirklich genügender Zahl herum. Einige Touris müssen aber wohl auch nach mehreren Tagen noch zielen lernen.
Das Lunch-Paket jedenfalls ist wieder eine positive Überraschung. Die Hühnchenschenkel, Minibanane, Soft-Drink, Ei, semmelähnliches Gebäck, Schokolade. Mehr als ausreichend und schmackhaft.

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Der Pfad wird nun steiler und noch schmaler, die Wurzeln mehr, die Schlammlöcher ausgedehnter, die Kleidung klamm - doch im Regenwald kommt keiner der gefürchteten Güsse von oben. Im Juli/August ist eben die große Trockenzeit, die Regenwahrscheinlichkeit nur bei 50:50.

Nach insgesamt 4 Stunden im neblig-wolkig-trübem Regenwald wird es lichter und heller, Erika-Bäume mit Fädenvorhängen wie im Geisterschloß tauchen auf und plötzlich sind wir an zwei grünen runden Blechhütten mit Funkantenne, grinsendem Ranger mit Buch in der Hand. In Stein gehauene und gesetzte messingfarbene Lettern verkünden „Machame Hut 3.000 m AMSL“.

Wieder registrieren. Vor uns stehen bei den Tageseinträgen nur vier andere Sachsen - der erste und der letzte Kontakt überhaupt, weil weder vorher noch hinterher gesehen oder von ihnen in den Büchern der anderen Camps gelesen. Die Guides und Porter tragen sich in ein Extrabuch ein. Interessanterweise wird das Gepäck der Porter auch hier gewogen, das Ganze soll vor Überfrachtung schützen und gleichzeitig zu einer Art Leistungslohn führen.
Die beiden Canadier kommen nach uns. Maxime versucht sich wieder vergeblich an seinem GPS - it doesnt work. Ich schieb`s auf die dick-trüben Wolken, die immer noch 5 bis 6 m hohen Bäume, den erkennbar ansteigenden Berghang und vertröste ihn auf freie Sicht oberhalb des Regenwaldes und oberhalb der Wolken am morgigen Tag.
Müde weiße Wandergesellen tauchen schlammbespritzt bis zum Knie und andere mit Schlamm nur am Fußsohlenrand auf - wegen der Anstrengung stapften einige offenbar zwecks Vermeidung von Umwegen durch Schlammlöcher und nicht drum herum.

Nach einigem Warten und Suche durch Muhammed finden wir auch das uns zugedachte 2-Mann-Zelt direkt neben dem Pfad an einer offenbar gerodeten kleinen Fläche. Marcus holt sofort seine Deutschlandflagge heraus und befestigt sie in einer Öse des Zeltes.
Das daneben stehende Zelt wird nun auch durch den Schmuck mit der Ahornflagge als Unterkunft der Canadier erkennbar. Salzburger Bergspechte schmücken ihr Zelt mit der Flagge der Alpenrepublik.
Guide, Assistant Guide, Koch und Porter nutzen die Zelte gegenüber auf der anderen Pfad-Seite.

Zu unserer Überraschung wird ein weiteres Zelt aufgebaut, Klapptisch reingeschoben und Klapphocker hineingestellt. Unser Speisezelt - kurze Zeit später von Tee-, Popcorn-, Suppen- und Reisgerüchen gefüllt. Muhammed grüßt nun mit „Karibu“, was „Willkommen“ heißt und hier als Einladung zum Essen zu verstehen ist - die Wortgleichheit mit nordamerikanischen Rentieren ist Zufall. Der Koch arbeitet offenbar auch für die beiden Canadier, die Träger teilen die Lasten beider Zweier-Gruppen unter sich auf.
Wegen den Zweier-Zelten für die Touristen und den Mehrpersonen-Zelten für die Guides and Porters auf dem schmalen Bergrücken zieht sich das Zelt-Camp mehrere hundert Meter links und rechts entlang des Pfades.
Die vier Salzburger machen zwecks besserer Höhenanpassung noch einen Trip ohne Gepäck nach oben.

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Wir schauen inzwischen im Registrierungsbuch nach - an diesem Tag sind mit unseren eigenen insgesamt 22 Touristeneintragungen zu zählen. Ende Juli auf der Machame-Route als einer Alternativroute sind das viel - im Juli 2002 waren insgesamt auf allen sechs Routen 944, also pro Tag 28 Touristen unterwegs.
Im Hauptmonat August 2002 dann aber insgesamt 5.180, was 167 pro Tag entspricht. Über das gesamte Jahr 2002 hinweg besuchten 14.843 Touristen den Kilimanjaro-Nationalpark, davon 1.604 aus Deutschland.
Die meisten steigen nach wie vor über die Marangu-Route (Coca-Cola-Route) mit Hüttenübernachtungen auf - wegen der Hüttenkapazität ist die Touristenzahl auf 50 pro Tag limitiert.

Wir amüsieren uns mit Dawson, dass uns sein Vorname bisher als Name einer Goldgräberstadt am nordamerikanischen Yukon und ein Karibu als nordamerikanisches Rentier bekannt waren - man lernt immer noch dazu.
Den ganzen Tag über hatten wir maximal 100 m Sicht. Gegen 18.00 Uhr wird es nachtdunkel.
In der Nacht wird uns trotz Zeltschlafstelle in der Höhenlage oberhalb der Zugspitze in den für tiefere Temperaturen ausgelegten Schlafsäcken warm. Am Ende liege ich nur noch mit Slip und T-Shirt im Schlafsack.
Das Palaver der Guides and Porters geht fast die ganze Nacht hindurch.

Bergtag 2 - Machame Huts 3000 m bis Shira Camp 3.840 m08.16 - 12.50 Uhr (offiziell 4 - 7 h)
Am nächsten Morgen laufen offenbar schon einige los, als wir gerade gegen 6.30 Uhr aufstehen. Das ganze Gelände ist feucht und klamm. Heute müssen wir wirklich zumindest leichte Bergkleidung anziehen.
Muhdi, wie Muhammed von seinen Kollegen gerufen wird, bringt warmes Wasser zum Zähne putzen und Hände waschen.
Frühstück im Zelt mit Rührei, offenbar über Gas-Kocher geröstetem Weißbrot, kleinen Würstchen, Margarine aus dem großen Topf, Papayas, Minibananen, Tee und allerlei Energie-Pülverchen fürs Einrühren ins heiße Wasser.

Der Pfad geht sofort steil hoch, zum Teil unter und dann neben gespenstischen Erika-Bäumen mit meterlangen Pflanzenfäden. Der Untergrund wird felsig fest.
Anstelle der Erika-Bäume treten heidekrautartige Büsche, Flachgewächse und dann nur noch Gräser, Moose und Flechten. Zum ersten Mal müssen an einer Felsrippe die Hände zur Fortbewegung als Sicherungsmittel eingesetzt werden. Nach 3 ¼ Stunde auf 3.687 m Pause auf und in einer Felsengruppe. Dawson fragt uns mal wieder, ob es uns gut geht. Ja. Der Koch soll bei uns aber auf das salzige Popcorn verzichten und lieber das Rührei salzen und würzen.
Hier begegnen uns zum ersten Mal sehr große schwarze Vögel mit weißer Halskrause. Die nächsten zwei Tage künden diese von einer Raststelle bzw. dem Camp. Die Viehcher schlucken sogar vom Wind fortgerissene Plastik der Lunch-Verpackung.





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Obwohl wegen Gehens in den Wolken laufend nur 20 bis 100 m Sicht sind, ist die selbsttönende Brille von Marcus fast schwarz - die UV-Strahlung also der Höhe entsprechend stark, von den Wolken nur minimal geschluckt. Also selber Sonnenbrille und Buschhut auf, vorsorglich Lippen, Nase, Ohren mit Sun-Blocker-Stift eingefettet.
Nach der Pause werden die Wolken heller, mittags sind wir dann durch und drüber.
Lobelien und Senecien tauchen auf.

Wir sehen nun zum ersten Mal rechter Hand den Kibo in der gesamten Süd-Ausdehnung von den Haifischzähnen über die Oehler Ridge, den Arrow Gletscher und den Uhuru Peak bis zum Heim-Gletscher. Und sind trotz Eigenhöhe von 3.900 m immer noch 2.000 m unter dem ersehnten Gipfel.

Links ragt in über 60 km Entfernung der Mount Meru mit dem Socialist Peak (4.566 m) aus den Wolken - Gipfelbezeichnung und Rangerbewaffnung sind noch aus Zeiten der Freundschaft zwischen dem ehemaligen tansanischen Präsidenten Nyerere und dem ehemaligen großen Führer Mao Tse Tung stammend, als Tansania Land sozialistischer Orientierung mit chinesischer Hilfeleistung war.

Fast in Gehrichtung links voraus tauchen die Zacken der Shira-Gipfel auf. Das war bis zu einer Vulkanexplosion vor ca. 500.000 Jahren der höchste der drei Kilimanjaro-Gipfel Shira, Kibo und Mawenzi. Der Mawenzi ist für uns heute noch nicht zu sehen.
Der Weg führt kurz bergab. Im Shira Camp sind die Zelte über eine flach absenkende Fläche mit leichten Felsabstürzen und zelt-bis hausgroßen Felsen weit verteilt. Dawson hat diesmal wunschgemäß die Trägerzelte weiter weg aufstellen lassen, damit uns das nächtliche Palaver nicht stört.
Marcus schreibt sein Tagebuch, für mich lädt das herrliche Wetter nach ausgiebigem Eincremen zum Sonnenbad auf der Iso-Matte ein. Einige der Guides und Porters telefonieren mit ihren Handy`s - unsere beiden haben ebenfalls das einheimische Netz, aber offenbar kein Rooming-Abkommen mit Vodafon und E-plus. Die Telefoniererei der Einheimischen war übrigens fast dem gesamten Trail über festzustellen, außer Barafu und Gipfel selbst.
Dawson erzählt, daß er mit seinen 46 Lenzen 14 als Guide arbeitet. Vorher war er Porter und dann Assistant Guide - er hat sich also im wahrsten Sinne des Wortes laufend nach oben gearbeitet.

Abends sehen wir über der tief unten liegenden Ebene Gewitter, die Blitze sind zum Glück unter uns.
Nachts wird es nicht nur stockdunkel, sondern plötzlich hochziehende Wolken mit Eiskristallen und Frost führen dazu, daß die Sichtweite unter 1 m beträgt und ich für den Gang vom Häuschen zurück zum Zelt über 30 m trotz Stirnlampe mehr als 5 Minuten brauche.











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Bergtag 3 - Shira Camp 3.840 m über Lava Tower 4.560 m bis Barranco Camp 3.960 m08.32 - 14.30 Uhr (offiziell 5 - 7 h)
Heute geht`s bis zur Mittagspause ständig bergauf, zwischen schwarzen Lavasteinen hindurch. Der Wind pfeift heftig. Ödnis pur. Viele ziehen Handschuhe an.
Die Farbflecken der Porter und der Touris sind weit zu sehen - dadurch ist der Wegverlauf deutlich erkennbar, obwohl Wolken die ganz weite Sicht versperren. Unter Hinweis auf die wieder fast schwarze Selbsttönungsbrille von Marcus und die 4.560 m laut Höhenmesser raten wir den Polen, lieber doch Mütze und Sonnenbrille aufzusetzen. Das Risiko von Kopfschmerzen wegen der Überanstrengung der Augen bei gleichzeitig gegen den kalten Wind und die Strahlung ungeschütztem Kopf leuchtet ein.
Mit Maxime tauschen wir die Werte unserer Höhenmesser und seines GPS aus. Er kannte bisher die Mißweisung von ca. 150 Höhenmetern bei zivilen GPS nicht, die die Amis angeben, damit ihr Militärsystem nur für sie selbst genau funktioniert. Modernste handelsübliche GPS gleichen diese Mißweisung geräteintern aus.

Der Tag läßt heute bei einigen Bergfreunden Symptome der Höhenkrankheit deutlich werden. Zur Mittagspause am Abzweig Lava Tower auf 4.500 m kommt plötzlich ein Guide mit einem Rucksack vorn und einem Rucksack hinten zwischen den Felsen hervor. Sein Tourist ist offensichtlich erschöpft. Unser Guide hat allerdings auch glänzende Augen und verschwindet mehrfach hinter Felsen. Ich gebe ihm vorsorglich Aspirin zum Schlucken. Marcus wird plötzlich rotgesichtig und wankt.
Die Mittagspause wird lieber etwas länger gehalten. Guide Dawson erklärt, daß der kürzere Weg über den Arrow-Gletscher und Western Breach seit 2 Jahren gesperrt ist, nachdem dort zwei US-Amerikaner an den Kletterstellen im Schwierigkeitsgrad III tödlich abgestürzt sind.
Nach dem Abzweig Lava Tower geht`s noch ein Stück bergan, der Lava Tower selbst bleibt in der nun sonnenüberströmten Hochfläche links liegen.

Der Weg geht dann steil bergab. Marcusmann wird etwas übermütig und fängt an zu springen. Das Ergebnis dieser Aktion über ca. 200 Höhenmeter nach unten ist die Notwendigkeit einer nächsten Pause auf 4.300 m. Mit übermäßigen Anstrengungen in dieser Höhe ist eben nicht zu spaßen - der Lava Tower liegt höher als das Matterhorn mit seinen 4.476 m.
Weiter geht`s über eine kilometerlange leicht wellige Hochebene zwischen 4.200 und 4.000 m. Der Kibo mit dem Uhuru Peak rücken links immer näher. Am Rand der Hochebene dann der tiefe Einschnitt in das Barranco-Tal. Entlang des Bachtales und auch neben dem vielfach geschlungenen Pfad nach unten sind riesige Ansammlungen von Senecien (bis 5 m hohe Kreuzblütergewächse) zu sehen, die uns einzeln oder in Gruppen dann bis zum Barranco Camp begleiten.

Das Barranco Camp selbst ist wieder weitflächig und beginnt deutlich, bevor man die viel weiter unten rechts stehenden zwei Blechhütten der Ranger sieht. Die letzten Zelte talwärts stehen immer noch deutlich oberhalb und links neben den Blechhütten.
Die Zelte sind praktisch alle zwischen größeren Steinen eingebaut.

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Weiter in Gehrichtung des morgigen Tages ist eine fast senkrecht aufragende schwarze Wand mehr zu ahnen als in dem milchigem Wolken-Sonnen-Gemisch zu sehen - im Trägerjargon „breakfast“ genannt, weil die erste Aufgabe des nächsten Tages sofort nach Abmarsch auf diese ca. 200 m hohe östliche Schulter des Barranco valleys führt.
Wieder Sonnenbaden, Karte studieren bzw. Tagebuch schreiben. Mit dem Guide und den Portern wird über die Schwierigkeit der Breakfast-Wand gesprochen. Man soll zwar die Hände brauchen, aber ca. 1 ½ bis 2 Stunden nach Abmarsch soll diese Stufe geschafft sein. Dann würde es nur noch im leichten Auf und Ab ca. 3 Stunden bis ins Karanga Camp sein.

Im Barranco Camp treffen wir erstmals eine neue Gruppe von 8 Männlein und Weiblein - Schotten mit Highland-Erfahrung. Die Berge dort sind zwar bis 3.000 hoch, aber nur in Fuß gemessen.
Sie haben auf dem von ihnen benutzten Umbwe Trail vom Beginn bis hierher nur zwei Tage statt unserer drei gebraucht - ihr erkennbares Betrübnis war dadurch bedingt, weil sie diese zwei Tage im Dauerregen hoch gehen mußten.

Mit Österreichern, Engländern und den beiden Polen disputieren wir noch über den weiteren Weg, weil diese morgen nicht nur bis zum Karanga Camp, sondern weiter bis zum Barafu Camp gehen wollen. Wir meinen, daß die offiziell dann 7 bis 12 Stunden für diese Tour zu einem Tourentag bis in die Dunkelheit nach 18.00 Uhr unter Anstrengungen führen.
In der gleichen Nacht wäre dann wahrscheinlich 23.00 Uhr spätestes Wecken und 24.00 Uhr Abmarsch für die mehr als 12 bis 15 Stunden des Gipfeltages. Praktisch sind dann unter Abzug von Abendessen also wahrscheinlich nur 2 bis 3 Stunden Ruhephase vor dem anstrengendsten Gipfeltag. Sie sollen also morgen lieber ganz zeitig losgehen und es locker angehen lassen.

Einmal unterwegs, läßt sich die Tour wegen Zeit- und Lebensmittel-Organisation nicht mehr verlängern.

Bergtag 4 - Barranco Camp 3.960 m bis Karanga Camp 4.005 m09.32 - 13.15 Uhr (offiziell 3 - 6 h)
Morgens stehen wir wieder einmal ziemlich spät auf. Ganze Zeltgruppen sind schon abgebaut, die österreichischen Bergspechte also schon unterwegs.
Zwecks Anpassung der Füße und auch der Schuhe ziehen wir ab heute die Winterbergstiefel mit herausnehmbarem Innenschuh an, die normalen Bergstiefel wandern in den Seesack.

Wir gehen offenbar als letzte Bleichgesichter los. Nach 5 Minuten über die Campfläche markieren eine Höhle und ein zu überquerender Bach den Beginn des Breakfast-Walls. Hier heißt es nun wirklich aufgepaßt und rangeklotzt. Die Hände sind fast im Dauereinsatz. Das Ganze ist aber ohne technische Schwierigkeiten, bis wir um 10.50 Uhr nach knapp 1 ½ Stunden ab Zelt auf dem Wall oben in 4.184 m Höhe stehen und inmitten von Belgiern, kalifornischen Japanern und Schotten sowie dichten Wolken Pause machen. 10

Danach geht`s im ständigen Auf und Ab weiter, wobei immer wieder kleine, zum Teil trockene Bäche überquert werden.

Plötzlich ist rechts wieder ein tiefer Taleinschnitt zu sehen - das Karanga Valley.
Wir müssen das Tal steil runter und drüben noch steiler wieder hoch - das Camp ist durch bunte Zelte schon hinter und über der Bruchkante des Tales zu sehen.
Kurz vor dem Bach beobachten wir seltsame Rutschmanöver sowohl von Trägern als auch Bleichgesichtern, die sich tatsächlich auf dem Allerwertesten über steile und wasserdurchflutete Felsflächen rutschend mehrere Meter nach unten bewegen und dann gerade so von Guides und anderen Gruppenmitgliedern mehr oder weniger aufgefangen werden. Wir gehen es hier ruhig an, machen Pause, bis diese seltsamen Akrobaten der Berge über den Bach hinweg sind und steigen dann kurz und schmerzlos mit Händen und Füßen, Gesicht zur Wand über die Felsrippen ab.
Man merkt an solchen Stellen wie vorher am Breakfast deutlich, daß hier in der Masse reine Bergwanderer ohne Klettererfahrung unterwegs sind. Positiv ist, daß diese Stellen eben auch für normale Bergwanderer machbar sind - ein leichtes kurzes Seil als Sicherungsmittel wäre für einige allerdings besser und vor allen Dingen sicherer.

Ab Bach steigt der Pfad ganz steil um ca. 200 Höhenmeter an. Ein Germane mit Frau, der schon an den Felsrippen vor dem Karanga-Bach „vor uns fliehen wollte“, treibt seinen Führer wieder an, nachdem wir auf halber Höhe der steilen Wand wieder herangekommen sind.
Die Dreiergruppe wird etwas schneller. Wir machen lieber wieder kurze Pause, um keine Bedrängnis auszulösen. 50 Höhenmeter nach der Pause sind wir allerdings wieder ran und das Bleichgesicht treibt wieder seinen Führer an. Das Ganze ist uns völlig unverständlich.
Auf der Talkante oben direkt an der Markierung des Karanga Camp sehen wir dann das Ergebnis dieser Hetzerei. Der Deutschgermane sitzt auf dem Felsen gegenüber der Markierung und erbrach mehrfach im hohen Bogen strahlförmig seine Eingeweide leer. Übermut tut auch hier selten gut.

Wir kommen also quietschvergnügt auf der weiten, sich deutlich nach oben hinziehenden und gleichzeitig nach rechts geneigten Felsfläche des Camps an. Kurz hinter der Markierung sitzt still und not amused ein Engländer, mit dem wir gestern noch über die Härte einer langen Tour heute nicht nur bis zum Karanga Camp, sondern aufs Barafu Camp in 4.600 m gesprochen haben. Für uns ist die heutige Tour zu Ende - der arme Kerl muß sich offenbar schon halb erschöpft noch über offiziell weitere 3 bis 6 Stunden bis ins Barafu Camp quälen und dann „fit“ für den spätestens Mitternacht beginnenden Gipfeltag über weitere 12 bis 15 Stunden sein.

Nun ja. Ich kann wirklich nur jedem auch vorher echt höhenangepaßten Tourengeher raten, den Weg zwischen Barranco Camp und Barafu Camp nicht in einer Tagesetappe, sondern in zwei Etappen mit Nacht eben im Karanga Camp zu teilen. Die Gipfelambitionen dürften sonst schon einen Tag vor dem Gipfeltag ausgeträumt sein. Das Ganze läuft darauf hinaus, die Machame Route in 7 Tagesetappen statt der Mindestzahl von 6 Tagesetappen zu gehen.11
Einen sogenannten Akklimatisierungstag im Shira Camp oder im Barranco Camp mit zwei Nächten an gleicher Stelle kann meinerseits wegen der sonst wieder bestehenden überlangen Tagestour direkt vor dem Gipfeltag als Variante nicht empfohlen werden.
Vom Karanga Camp aus sind abends über den Wolken im Abendrot wieder die Shira Gipfel und Mount Meru zu sehen.

Bergtag 5 - Karanga Camp 4.005 m bis Barafu Camp 4.600 m09.20 - 12.05 Uhr (offiziell 3 - 6 h)
Die heutige Tour soll nach Angabe von Guide Dawson nur ca. 3 Stunden dauern, weil wir wegen der vorangegangenen Tagestour nur bis zum Karanga Camp ausgeruht und seiner Meinung nach auch trainiert sind. Wir werden ja sehen.

Los geht`s im hellen Wolkennebel. Die sich lang hinziehende Perlenschnur mit Trägern, Guides und Bergtouristen ist auf der schwarzfelsigen Hochfläche gegen die helle Wolkenschicht deutlich im Widerlicht zu sehen.

Nur 2 - 3 Minuten nach Abmarsch ziehen die Wolken auf. Der Kibo ist mit deutlich sichtbarem Neuschnee überzogen und glänzt in der Morgensonne. Wir fürchten nun dezimeterhohe Schneefelder morgen oben auf dem Gipfel. Dawson meint, das könne ja sein, genau so gut könne der Schnee aber auch durch die Sonne morgen schon wieder weggetaut sein.

In seiner Portertätigkeit und auch noch in seiner Zeit zu Beginn als Assistant Guide wäre der Kibo oben das ganze Jahr über in Schnee und Eis gewesen. Das wäre jetzt nur noch zeitweise der Fall, wobei bis zum Uhuru Peak direkt auf dem Weg überhaupt kein Gletscher mehr zu queren wäre.

Der Weg führt zwischen kleinen Felsstücken andauernd und ziemlich steil nach oben.
Ein fast senkrechter Wall von ca. 150 Höhenmeter taucht vor uns auf, an dessen Fuß wir eine 10-Minuten-Kurzpause machen. Oben auf dem Wall soll nämlich schon das Barafu Camp sein.

Tatsächlich haben wir dann nach 2 ¾ Stunden insgesamt an Tagestour schon das Barafu Camp erreicht. Der Mawenzi (5.148 m) schimmert gegenüber mit seinen wilden Zacken.

Das Camp ist die reine Wildnis zwischen hohen Felsen ohne jedes Wasser, aber mit Neuschnee auf 4.600 m Höhe. Die Ranger-Blechhütten stehen zwar schon auf 4.550 m direkt am Beginn des Camps - die Zelte ziehen sich jedoch erst ab dieser Stelle im Felsgewirr nach oben.
Plötzlich tauchen die beiden Polen von oben auf. Sie sind augenscheinlich erschöpft und geknickt. Oben wäre es sehr kalt und noch mehr windig. Sie hätten wirklich sehr stark gefroren. Die armen Kerle haben nach einer Pause noch den steilen und weiten Abstieg ins Mweka Camp auf 3.100 m vor sich.



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Es fängt auch noch an zu hageln. Die Zelte werden mit einer Eisschicht überzogen.
Das Toilettenhäuschen nicht nur am, sondern über dem ca. 150 m hohen Abgrund erfordert bei Benutzung höllische Aufmerksamkeit, da man sonst beim leichten Ausrutscher über die eisüberzogenen Felsstücke nach unten sausen würde.

Es wird also ernst.
Sämtliche Leutchen im Camp ziehen ihre dicken Sachen an und wirken nun wie plumpe Felskrabben.
Aus der Ranger-Hütte kommt die Funknachricht, daß an der einen Tagesmarsch entfernten, benachbarten Kibo-Hütte auf der Marangu-Coca-Cola-Route gerade ein Tourist gestorben ist. Das trägt auch nicht zur Hebung der Stimmung bei.
Dawson gibt noch kund, daß auch ihm schon mehrfach Touristen gestorben sind. Darunter ein Japaner direkt auf dem Uhuru Peak (Dawson: „They can not surrender“) und einer im Barafu Camp, in dem wir gerade hocken. Dieses Jahr wären ihm schon drei Träger gestorben. Motivation pur.
Wir fragen, was die Guides machen, wenn die Bleichgesichter nicht mehr können. Dawson erklärt in aller Seelenruhe, daß er Guide und damit Begleiter, also kein Führer wie bei uns in den Alpen wäre. Die Touristen müssen selber wissen, was und ob sie noch können. Das Ganze würde aber praktisch geregelt - wer nicht mehr kann, steigt eben ab. Problemfälle müssen eben irgendwie nach unten „geschafft“ werden. In den von uns schon bezahlten Kosten der Reise wäre in den Nationalparkgebühren auch eine Rettungsgebühr enthalten.
Wenn 8 Touristen üblicherweise einen Guide und zwei weitere Assistant Guides haben, steigt der erste Assistant Guide mit dem ersten Touristen ab, der nicht mehr kann. Wenn der zweite Tourist nicht mehr kann, geht der zweite Assistant Guide mit nach unten. Falls dann von den verbleibenden 6 Touristen ein weiterer Probleme bekommt, müssen dann alle 6 mit dem einen noch vorhandenen Guide absteigen. Glück auf, Schippe drauf.
Wir sind froh, daß wir dieses Risiko der Gruppen am Gipfeltag nicht teilen müssen, weil wir für uns beide eben einen Guide und einen Assistant Guide haben.

Nach Abendbrot und Abforderung zweier Batterien für die Stirnlampe des Guides durch diesen selbst bei Sohnemann Marcus („Meine sind erschöpft“) nochmals Besprechung für den Gipfeltag.
23.00 Uhr wecken, kleiner Tee und wenig Kekse. Packen und 24.00 Uhr Abmarsch . Meine Frage, warum für Aufstehen, Anziehen, Teetrinken und Kekse knabbern eine Stunde benötigt wird und ob wir nicht lieber erst 24.00 Uhr aufstehen sollten, wird mit der eben benötigten einen Stunde beantwortet.
Koch und Träger bleiben im Barafu Camp auf 4.600 m und warten auf unsere Rückkehr vom Gipfel, die für den späten Vormittag oder den Mittag, wie gerade bei den beiden Polen erlebt, angesagt wird. Wir könnten uns dann 1 ½ oder 2 Stunden im Camp erholen, Schlafpause einlegen und Suppe essen. Erst danach sollen dann das Zelt abgebaut und unsere Sachen gepackt werden.

Wir legen uns ins überfrorene Zelt auf dem eisigen Felsboden und sind auch noch froh, daß wir über der Iso-Matte die dicken Carinthia-Schlafsäcke und zusätzlich noch die Franzosen-Biwak-Säcke nutzen können.





13
Bergtag 6 - Gipfeltag - Barafu Camp 4.600 m - Uhuru Peak 5.895 m - Mweka Camp 3.100 m00.07 - 12.45 Uhr (offiziell 12 ½ bis 15 h reine Gehzeit, Pause abwärts im Barafu Camp mit 0,75 - 2 h ist hinzuzurechnen)

23.00 Uhr stehen wir selber auf. Das Kondenswasser der Atemluft war am Innenzelt gefroren und dann beim Herumdrehen im Schlafsack abgebröckelt. Vom Innenzelt herabgefallene Eisstücke wurden durch unsere Körperwärme wieder zu Wasser - die Iso-Matten sind von unten nass.

Plötzlich stehen die Schotten neben unserem Zelt, lassen ihren markigen Schlachtruf ertönen und ziehen unter Gesang im Schein ihrer Stirnlampen Richtung Gipfel. Wir wundern uns, da bei so zeitigem Aufbruch die Gefahr der Gipfelankunft deutlich vor Sonnenaufgang besteht.

Als dann nach 15 min auch noch die Belgier losziehen und wir immer noch keinen Tee haben, wird nachgeforscht. Koch und Führer haben über ihrem Palaver offenbar die Eiseskälte vergessen - das Wasser ist in den Behältern zu Eisblöcken durchgefroren. Nach einiger Zeit wurde Wasser von anderen Teams besorgt. Das nächste Malheur bestand dann darin, dass auch noch der Kocher zugefroren war. Ich werde langsam ungemütlich, schimpfe deutlich und lege mich wieder gefrustet in den Schlafsack. Eine halbe Stunde frierend in der Kälte herumstehen ist wenig sinnvoll und zudem der Kondition abträglich.
Mitternacht ist dann auch der Tee fertig. Drei Kekse geknabbert.

00.07 Uhr gehts dann tatsächlich los.
Heute soll Assistent Guide Joseph vorangehen und Dawson den Abschluss bilden.
Das erweist sich schon nach kurzer Zeit als ungünstig, da Joseph unseren Gehrythmus nicht kennt und viel zu schnell losstiefelt. Ich muss ihn kurz hintereinander mehrfach bremsen.

Nach 20 min gehts auf allen Vieren einen Felsbruch hoch. Hier gibt es Drängelei, weil einige Bergfreunde offenbar eine Art Schnelligkeitswahn haben. Die Verausgabung von Kräften schon an dieser Stelle in einer Höhe von über 4700 m bei noch 1.200 Höhenmetern bis zum Gipfel ist gefährlich. Wir halten uns zurück und lassen die Anderen losziehen.
Wegen den Warnungen der beiden Polen zu eisiger Kälte und starken Wind haben wir offenbar eine Berghose zu viel angezogen. Eine halbe Stunde nach Start ziehen wir über die dicken Winterbergstiefel eine von zwei Hosen aus - lange Fleeceunterhose und normale Goretex-Berghose reichen.
In der stockdunklen Nacht hat nun jeder mit sich selbst zu kämpfen. Der Steilhang zum Kraterrand verlangt härteste Steigarbeit. Lieber langsam durchgehen (besser: tappen) als schnell gehen und immer wieder Pause machen.
Wir erreichen laufend Gipfelaspiranten, die schon deutlich eher losgestiefelt sind.

14
An einer längeren Serpentine fällt der Blick plötzlich tief nach unten - Moshi liegt mit hunderten Lichtern wie eine schwebende Untertasse im Weltraum unter uns.
Gleichzeitig über uns sichtbare Sternschnuppen geben ein Gefühl des Schwebens im Raum. Die harte Realität verlangt aber immer mehr Überwindung und Eigenmotivation.
Die eigenen Anstrengungen werden auf die zwei Meter Weg konzentriert, die von der Stirnlampe aus der Dunkelheit herausgerissen werden.

Das Ganze wird hart und immer härter.
Plötzlich sehe ich im Lichtkegel hinter einem Felsen einen bleichen Touri, der erschreckend würgt.
Gegen 01.30 Uhr kommen wiederholt einzelne Bergfreunde jeweils mit Assistant Guide herunter - die Kräfte reichen nicht mehr.
Danach sitzt bei ungefähr 5.200 Meter eine Frau Mitte 30 auf einem Felsbrocken. Die klappert an allen Gliedern und mit dem Gebiss und heult wie ein Schloßhund. Ich nehme meinen Rucksack runter und will ihr Cola und Tabletten geben, da sie offenbar völlig unterzuckert ist. Guide Dawson wehrt jedoch energisch ab und meint „Sie muss sowieso runter, ihr Guide macht das schon“. Weiter gehts.
Einige Serpentinen höher diskutiert eine Gruppe äußerst heftig mit ihrem Guide. Auf-lösungserscheinungen der Gruppe machen offenbar die Gipfelambitionen auch der Konditionsstarken zunichte.
Weiter oben trottet die Nächste seltsamerweise vor ihrem Guide. Nach einer Serpentine dreht sie sich plötzlich wortlos um und geht nach unten. Der verblüffte Guide schaut ihr zunächst hinterher und steigt dann ebenfalls ab.
Das steile Trotten will kein Ende nehmen. Über und unter uns sind noch andere Stirnlampen-Lichter zu sehen. Nun werden häufiger auch bei uns Kurzpausen in Einminutenlänge nötig.
Ein Ende der Quälerei ist nicht abzusehen. 04.00 Uhr früh ist es weiter stockdunkel.

Kurz nach 05.00 Uhr werden über uns von rechts kommende Lichter sichtbar - es sind Besteiger auf der Marangu-Route, die von der Kibo-Hütte Richtung Gillmans Point gehen.
Gegen halb sechs werden die Sterne blasser, am Himmel vor und über uns wird der Kraterrand ahnbar. Links liegen schemenhaft erkennbare Gletscher.
05.40 Uhr sind wir auf Stella Point mit 5.745 m . Hier ist der Kraterrand und damit der Gipfel bereits erreicht. Der Krater selbst ist in der Dunkelheit nicht zu sehen. Für ein Foto findet sich außer schneebedecktem Boden und dunklen Felsen des Kraterrandes zunächst nichts. Zweimal um die Ecke geschaut, bringt auch nur das Vorhandensein zweier Reste vergammelter Holzbretter zum Vorschein, bei denen nur noch Teile von Buchstaben mehr ahnbar als lesbar vorhanden sind. Dafür wird das Einfrieren der Kamera in eisiger Kälte mit starkem Wind nicht riskiert. Eine Lampengruppe ist in einiger Entfernung halb rechts voraus zu sehen - dort soll der Uhuru sein.
Die frische Motivation geht in die müden Beine.







15
Weiter gehts deutlich schneller in nur noch gemächlicher Steigung Richtung Uhuru am Rebmann Gletscher, Decken Gletscher und Kersten Gletscher vorbei. Die Morgen-dämmerung setzt ein. Eine letzte kurze deutliche Steigung über den Hans Meyer Point und es geht durch ein Büßer-Eisfeld zum ersehnten Uhuru. Ganz Afrika liegt unter uns.

06.15 Uhr ist die Sonne am Aufgehen, das Ganze ist aber noch zu dunkel für Gipfelfoto und weite Sicht. Auf dem Uhuru erwarten schon 10 Männlein und Weiblein frierend die Sonnenstrahlen. Die Gipfel-Bretterwand wird mehrfach umrundet, damit man warm bleibt. Andere umarmen sich heftig, gleichzeitig kälte- und emotionengeschüttelt. Endlich kann der Fotoapparat aus der dreifachen Verpackung im Rucksack herausgepuhlt werden, um das ersehnte Gipfelfoto in die Linse zu kriegen. Die ersten Aufnahmen sind immer noch dunkel. Dann steigt die Sonne empor. Nun klicken um 06.28 Uhr wirklich sämtliche Fotoapparate der inzwischen auf ungefähr 20 Personen angewachsenen Gruppe. Bergfreund Tobias, Mitglied einer 3er-Gruppe mit dem trefflichen Namen „Auf und davon-Fulda“, drückt auch für uns meine Kamera ab.
Nun werden auch der Krater und der Kraterrand bis hinter zum Gillmans Point sichtbar. Der Mawenzi wird von der Morgensonne angestrahlt. Herrlich. Erhebend.
Weiter herumstehen will bei - 16 ° C und starkem Wind niemand. Also Kraterrand abwärts wieder Richtung Stella Point - durch die gehobene Stimmung und die Gipfelpause fast im Sturmschritt.

Am Stella Point ist dann wegen der inzwischen weiter aufgegangenen Sonne deutlich die Kibo-Hochebene mit den beiden Kibo-Hütten 1000 Höhenmeter tiefer sichtbar.
Der Abstieg von Stella Point Richtung Barafu-Camp geht deutlich schneller als aufwärts. Hier begegnen uns dann immer noch Touristen, die sich mühsam aufwärts schleppen.
An der Felsgruppe kurz vor dem Barafu-Camp wundern wir uns, wie wir nachts dort hochgekommen sind - der Abstieg erfordert völlige Konzentration.

Im Barafu-Camp gibt es 9.30 Uhr Tee und Suppe. Die Canadier legen sich zur Erholung ins Zelt. Die Sachen werden aus unserem Zelt in die Seesäcke gepackt - für schlafen ist es mir zu gefährlich, da dann die Anspannung nachlässt. Das Zelt wird abgebaut und wandert sofort auf dem Kopf eines Trägers talwärts. Die Winterbergstiefel wandern in den Seesack, die normalen Bergstiefel werden für den Abstieg fest geschnürt.

10.15 Uhr geht es ab in Richtung Mweka-Camp. Der Weg geht zunächst sehr steil geradeaus nach unten - die vorderen Schienenbeinmuskeln schmerzen deutlich. Ab ca. 4.100 m wird es flacher. Das Millenium-Camp auf 3.900 m mit dort beginnender Baumgrenze wird erreicht und für eine Kurzpause genutzt.
Der Weg zieht sich dann schmal und immer wieder von 1- 2 m hohen Abbrüchen unterbrochen langanhaltend durch den beginnenden Regenwald nach unten. Das Ganze verlangt Ausdauer, Ausdauer, Ausdauer.
Wiederholte Erwartungen, dass hinter der nächsten abwärtigen Bergkuppe endlich das Mweka-Camp erreicht ist, werden enttäuscht.
12.45 Uhr ist es endlich soweit. Unser Zelt steht schon im Mweka Camp auf 3.100 m.
Nach der Beschreibung von ROTTER sollen die Ranger hier für 1 US-Dollar pro Flasche (Gipfel-) Bier verkaufen.

16
Ich sepple also zu den Blechhütten und bestelle 9 Bier - 7 für Guide, Assistant Guide, Koch und Träger, 2 für uns. 27 Dollar. Auf meine Nachfrage wird nochmals bestätigt - ja, pro Flasche 3 US-Dollar. Was solls. Solches Bier gibts nie wieder.

Bei der Einladung zum Gipfelbier gibt es auch noch Disput mit Dawson, weil der 9 Bier für sich uns seine Leute verlangt. Ich sage ihm, dass wir 7 Einheimische und 2 Bergtouristen auf insgesamt 9 noch addieren können, obwohl wir gipfelgeschlaucht sind. Er meint, es wären insgesamt 9 mit Guide, Assistant Guide, Koch und Trägern.
Ich weise freundlich, aber bestimmt darauf hin, dass er selbst zu unserer Überraschung bei der Einweisung insgesamt 7 Einheimische für unsere Gruppe benannt hat und mehr auch tatsächlich zu keiner Zeit zählbar waren. Eher war es so, dass wegen der Tätigkeit des Kochs auch für die andere Zweiergruppe der Kanadier und die Trägertätigkeit für beide Zweiergruppen diese Zahl zu hoch war, zumal die ihn beauftragende Agentur vorher selbst nur 6 Einheimische insgesamt für unsere Gruppe angegeben hatte und seine Träger die letzten zwei Nächte im Speisezelt geschlafen haben, weil sie offenbar schon mindestens ein Zelt und einen Träger ab Karanga Camp ins Tal geschickt hatten.
Mehr Bier gibts also nicht.
Beim Umtrunk stellt sich dann als eigentlicher Hintergrund heraus, dass es um das Trinkgeld geht. Wir verblüffen Dawson mit unserer detaillierten Kenntnis des Problems - die Zahlen stammen von der einheimischen Agentur. Am Ende ist er hoch zufrieden, als wir ihm sagen, dass wir unabhängig von seiner Teamgröße insgesamt 400 US Dollar als Tip geben werden. Allerdings nicht einen Teil schon heute für angeblich 2 sich verabschiedende Träger an diese, sondern ebenfalls nach der Empfehlung der einheimischen Agentur insgesamt an ihn und zwar morgen zum Abschluss der Tour im Tal. Die Aufteilung soll er selber vornehmen, da wir die Leistungen der einzelnen sowieso nicht einschätzen können.
Nach dem das geklärt ist, gibt es für Dawson und Joseph auch noch ein zweites Bier.

Beim dritten Bier tauchen dann über zwei Stunden nach uns auch noch die Schotten auf. Woher die kommen, wissen wir nun wirklich nicht. Deutlich vor dem Kraterrand haben wir sie mitten in der Nacht überholt und dann hinterher bis zum Gipfel und vom Gipfel herunter bis zum Barafu-Camp und später gar nicht mehr gesehen. Da es auf dieser Route nur einen Pfad mit am Gipfeltag kilometerweiter Sicht gibt, müssen sie also vor dem Kraterrand umgekehrt sein und dann irgendwo im Heidegebiet oder Regenwald eine Pause neben dem Weg gemacht haben.

Da unser Zelt direkt neben dem Pfad am Beginn des Camps liegt, bekommen wir mit, dass sich die Ankunft von Bergfreunden einzeln und in Gruppen bis abends und in die Dunkelheit nach 18.00 Uhr hinzieht. Viele krauchen mehr, als dass sie gehen.
Unsere feucht-fröhliche Begrüßung mit Bier in der Hand muntert einige zwar auf - weil das Bier bei den Rangern aber zwischenzeitlich alle geworden ist, müssen sie sich leider nur mit Tee begnügen.









17

Bergtag 7 - Mweka Camp 3.100 m bis Mweka Gate 1.800 m, Mweka Dorf 1.700 m07.31 - 09.27 Uhr (offiziell 3 - 4 h)
06.30 Uhr zeitiges Aufstehen im Morgengrauen und frühes Frühstück soll die Langwierigkeit der Prozedur am Exit Gate dann in Mweka auf 1.800 m zeitlich verkürzen, in dem man mit als Erster ankommt.

Der Weg durch den Regenwald nach unten wird breiter und schlammiger. Kurz nach Abmarsch gehen zunächst die beiden Kanadier und Marcus und hinterher auch ich in Dauerlauf über. Dadurch überholen wir nun auch kleine Gruppen, die offenbar noch zeitiger aufgestanden und losgegangen sind. Die Prozedur ist immer die gleiche - kurz „Jambo“ rufen und die Gruppen machen in Erwartung beladener Träger Platz.
Plötzlich Bewegung und Gekreische in den Baumwipfeln. Die seltenen schwarz-weißen Flugaffen mit langem weißen Schwanz sind sogar kamerabereit.

Nach zwei Stunden Dauerlauf ist Mweka Exit Gate auf 1.800 m erreicht.

Die Prozedur der nunmehr vorzunehmenden Gipfelbucheintragungen zwecks Urkundenausstellung geht deutlich schneller als bei Tourbeginn die Ersteintragung, obwohl wir über 40 min auf unseren Guide warten mussten, der die Permits in der Tasche hatte. Ich fotografiere inzwischen das Gipfelbuch mit den Eintragungen vom Vortage und von heute.
Dawson erhält die Urkunden für uns. Wir müssen noch ungefähr einen Kilometer talwärts ins Dorf, da der miserable Weg um die Autos fürchten lässt.

Abwärts gehts wieder an Bananen-, Kaffee- und Erdknollen-Plantagen vorbei ins Tal direkt nach Moshi hinein und zum Hotel.
Hier bekommen wir nun ein Zimmer auf der Pool-Seite, duschen uns als erste Körperwäsche nach 7 Tagen, hängen Schlafsäcke und Iso-Matten sowie Socken über die Geländer zum Trocknen und Lüften und rücken zum Abschlusstrunk mit Urkundenüberreichung und Tip-Übergabe in die Garden Bar mit Dawson und Joseph ein.
Der Schwatz mit beiden bringt wieder neue Erkenntnisse. Sie halten die Deutschen für familien- und kinderfreundlich, was bei ihnen nicht so wäre. Hinsichtlich Erfahrungen mit den verschiedenen Nationalitäten hätten sie immer wieder Probleme mit Italienern gehabt, da diese laufend herummäkeln und wenig Tip herübergeben würden.
US-Amerikaner wollen offenbar mehr Komfort, obwohl der Charakter einer Trekking-Tour vorher bekannt wäre.
Wir danken den Beiden und lassen den Tip freundlich hinüberwachsen.
Die Bergtour ist zu Ende.









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Einige Empfehlungen:

1. Tourdurchführung im Juli oder August mit in dieser Zeit in den Alpen möglichen Höhenanpassung.
Grundregel: Mehrere Tage oberhalb 2.500 m schlafen und lange Touren jeweils deutlich über 3.000 m und zwar das ganze innerhalb von 14 Tagen vor Reisebeginn zum Kili. Sonst ist der Effekt wieder weg.
Eine Höhenanpassung in der Nähe des Kili in einer einheitlichen Reise ist risikoreich - bei der Feststellung von Anpassungsproblemen erst am Mount Meru ist man schon in Afrika, hat die Reise angetreten und muss sie auch voll bezahlen, wenn man merkt, dass der Kili nicht zu schaffen ist. Beim Bemerken von Anpassungsproblemen in den Alpen ist man eben auch ärztlich bescheinigt (höhen-)krank und kann die Reiserücktrittsversicherung nutzen.
Für eine Kili-Tour im Januar/Februar kann man sich in den Alpen nicht höhenanpassen.
Wer in den einheimischen Mittelgebirgen nicht mindestens 30 km am Tag wandern kann, soll es lieber sein lassen. Das gleiche gilt, wer nicht unmittelbar vor der Tour in den Alpen mehrere höhere 3000er besteigt.

2. Ethiopian Airlines buchen. Preiswert, pünktlich, freundlich und im Flugpreis ist auch noch Rail & Fly einschließlich ICE deutschlandweit enthalten.
Bei deutscher Reiseagentur wie schulz-aktiv-reisen Tour und Flug mit allen Nebenleistungen wie Transfer Flughafen-Hotel, Safari buchen. Das drastische Risiko bei mehreren einzelnen Direktbuchungen vor Ort mit massiven bürokratischen Hemmnissen und ohne Reiseleistungssicherungsschein entfällt dadurch.

3. Anflug zum Kilimanjaro Airport direkt - also nicht nach Mombasa oder Nairobi. Sonst kommt man vom relativ kühlen Mitteleuropa erst in die subtropische Region von Mombasa oder Nairobi mit entsprechenden körperlichen Umstellungsproblemen und geht danach wieder auf den kühlen bis sehr kalten Kili mit nochmaligen körperlichen Umstellungsproblemen. Probleme mit dem Magen und Darm sind dann vorprogrammiert.
Deshalb auch keinerlei Safari vor dem Kili - danach ist Tansania oder Kenia offen.

4. Eigene kleine Gruppe bilden oder nur mit wenigen bekannten Bergfreunden losziehen. Dadurch wird das Risiko starker Leistungsschwankungen mit dem beschriebenen Risiko des Abgangs ganzer Gruppen zumindest deutlich gemildert.

5. Machame-Route ist wegen der landschaftlichen Verschiedenheit und 3 Tagen zwischen 4.000 und 4.600 m vor dem Gipfeltag zu empfehlen. Dabei sind 7 Tage Tourdauer sinnvoll - keine Übernachtung zweimal im gleichen Camp, besser mit Übernachtung im Karanga Camp bei Teilung der sonst zu langen Tour vom Barranco Camp zum Barafu Camp unmittelbar vor dem Gipfeltag.
Beachten, dass das eine Zelttour ist - wirklich warmer Schlafsack und Biwak-Sack sind zu empfehlen. Eigenes Zelt zwar machbar, aber nicht sinnvoll - es muss dann täglich selbst auf- und abgebaut werden.
Winter-Bergstiefel sind unbedingt notwendig.



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6. Rechtzeitig vorher Impfungen Gelbfieber, Tetanus/Diphterie, Typhus, Hebatitis A+B, Malaria. Wir haben auch am Gipfeltag die Malaria-Tabletten genommen, allerdings erst nach der Ankunft im Mweka Camp.
Die Impfungen sind kein Spaß - trotz hoher Kosten und Nichtkontrolle Impfausweis am Flughafen aber eben nötig.

7. Als Literaturhinweise:
Peter Rotter, Kilimanjaro Tansania, Brigitte Rotter Eigenverlag, 10. Auflage 2006 mit Karte - www.peter-rotter.de
Reinhard Dippelreither, Tansania: Kilimanjaro; Conrad-Stein-Verlag, 5. Auflage 2005, www.conrad-stein-verlag.de
Reinhard Dippelreither, Kilimanjaro Lesebuch, Conrad-Stein-Verlag, 2. Auflage

Reiner Brumme
0371/808 11 88
info@ra-brumme.de
www.ra-brumme.de


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