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Baikalsee, Insel Olchon und alte Baikalbahn
Reisezeit: 28.06. - 11.07.10
Reisebericht von Romy und Steffen Effenberger


Mann wollte – Frau auch. Letztere war verhalten optimistisch, da erster Langstreckenflug und Gruppenreise. Bisher verreisten wir allein und individuell. Nun also Buchung der Baikal-Reise vom 28. Juni bis 11. Juli 2010. Kurz vor Abreise noch ein Check, was man/frau in Sibirien denn im Sommer so benötigt – dann konnte das Abenteuer Baikal beginnen.

Unsere Gruppe setzte sich aus verschiedenen Jahrgängen zusammen. Die Jüngsten waren Mitte Dreißig und die Ältesten Ende Siebzig! Aber das spielte überhaupt keine Rolle! Wichtig war, dass die Chemie stimmte, und dass alle Spaß an den Unternehmungen hatten.



Unseren ersten Geroj – Helden – lernten wir bereits beim Flug Moskau - Irkutsk kennen. Es war der Pilot. Er schwebte mit uns durch wilde Turbulenzen und landete mit uns im Morgengrauen bei Nebel und Sichtweite 0 butterweich auf dem Irkutsker Flughafen. So müde wir waren, so nett wurden wir von Tamara empfangen. Sie und ihr Mann Andrej betreuten uns die nächsten 14 Tage abwechselnd, immer freundlich, immer lustig, immer verständnisvoll. Keine Frage blieb unbeantwortet - kein Wunsch unerfüllt! Später wurde uns noch Dima vorgestellt. Er bereicherte unseren tollen Aufenthalt, die waghalsigen Fahrten durch die Taiga, dem Genuss leckerer Mahlzeiten, dem Zubereiten von Tees usw. zudem mit seinem Gesang und Gitarrenspiel. Am Baikal sitzen und ihm lauschen - Romantik pur!


Tag 1 Irkutsk - unserer Sibirischen Zeitrechnung:

Die erste sibirische Nacht dauerte drei Stunden. Bei Galina in Irkutsk ruhten wir aus. Danach Jet-Lag ade und Stadtbesichtigung. Wir erfuhren Dank Tamara viel aus der Historie dieser Stadt. Wir besichtigten die fast vollständig restaurierte russisch-orthodoxe Kirche zu Christi Erscheinen, die am Zusammenfluss von Irkut und Angara steht - dem Gründungsort von Irkutsk. Wir lernten, dass beim großen Stadtbrand im Jahre 1979 sind die meisten der märchenhaften Holzhäuser verbrannten. Ein Dekret verbot den Wiederaufbau der Stadt in Form von Holz - Gebäude aus Stein sollten entstehen. Überall sind aber noch die typisch russischen Lärchenholz-Häuser zu finden. Schmuck sehen sie auch nach Hunderten von Jahren noch aus. Die russische Lärche ist ein stabiler Werkstoff, der sehr gut vor Kälte oder Hitze schützt.



Das Wappen der Stadt kennt eine lustige Begebenheit. Um 1690 genehmigte der Zar höchst persönlich das Wappen. Es zeigt einen sibirischen Tiger mit einem Zobel im Maul auf grünem Feld. 1878 wurde das Wappen erneut den Moskauern zur Überarbeitung vorgelegt. Die Angelegenheit geriet an einen Beamten, dem die (aus dem Mongolischen stammende) Bezeichnung babr für Tiger nicht geläufig war. Er „korrigierte“ den Schreibfehler. Seiner Meinung nach müsse es sich wohl um den Biber (russ: bobr) handeln. Der Wappen-Tiger erhielt einen Biberschwanz und hat ihn heute noch.

In Irkutsk wurden wir mehrfach in der Gaststätte RUS auf das Leckerste bewirtet. Und nicht nur hier, sondern während unserer gesamten Reise. Die Russische Küche ist ausgesprochen vielfältig und unübertroffen, was ihre Zutaten anbelangt. Vielfach werden die sehr aromatischen Kräuter und Beeren aus der Taiga verwendet, haus- und handgemachte Marmeladen oder Teige, Quark - frisch von der Kuh... Seit dem vermissen wir Blini, Pelmeni oder Borstsch, Kascha, Omul, Plov usw. wirklich sehr! Dank auch hier an Tamara, die uns die Pflanzenwelt der Taiga und ihre Verwendungsmöglichkeiten nahe brachte.



Schnappschüsse vom Irkutsker Mark. Lärchen-Harz. Es wird aufbereitet, in Form gebracht und kann wie Kaugummi gegessen werden. Vorteil: Das Harz hilft gegen Zahnfleischprobleme.

Tag 2 - Bolschoje Goloustnoje

In Bolschoje Goloustnoje fanden wir bei den Burjatenfamilie Faina, Mischa, Schenja und Pawlik Gastfreundschaft pur. Wir gehörten für kurze Zeit zur Familie, durften die Banja nutzen, die Kuh melken, bei der Quark-Herstellung zuschauen.



Ein Ausflug führten uns in die helle Taiga zum Trockenen See. Im Wald und auf Lichtungen bot sich uns eine nicht erahnte Blütenvielfalt: blaue Iris, gelbe und rote Lilien, Trollblumen, Butterblumen, Knabenkraut, Edelweiß und unzählige Schmetterlinge - weiß, blau bunt. Der Trockene See war zum Zeitpunkt unseres Besuches ausgetrocknet, An seiner Stelle blühte es. Später füllt sich diese Senke mit Wasser - wohl aus unterirdischen Quellen gespeist - und die unzähligen Butterblumen liegen unter seinem Wasserspiegel wie unter Glas.



Tag 3 - Bolschoje Goloustnoje

Wir liefen zum und kraxelten auf den Schamanen-Felsen des Ortes. Der Blick vom Fels auf den Baikal war unverstellt und frei.



Ein Ausflug führten uns in die helle Taiga zum Trockenen See. Im Wald und auf Lichtungen bot sich uns eine nicht erahnte Blütenvielfalt: blaue Iris, gelbe und rote Lilien, Trollblumen, Butterblumen, Knabenkraut, Edelweiß und unzählige Schmetterlinge - weiß, blau bunt. Der Trockene See war zum Zeitpunkt unseres Besuches ausgetrocknet, An seiner Stelle blühte es. Später füllt sich diese Senke mit Wasser - wohl aus unterirdischen Quellen gespeist - und die unzähligen Butterblumen liegen unter seinem Wasserspiegel wie unter Glas.



Tag 4 Listvjanka

Abschied-Nehmen. Wir wären gerne länger geblieben.
Bei einer vierstündigen Fahrt auf dem See ließ uns Vater Baikal vor Kälte erzittern. Tee und für naseweise, unvorteilhaft bekleidete Touristen bereitgehaltene Daunenjacken ließen den kalten Atem des Sees vergessen und die Schönheit der felsigen Ufer wieder in den Vordergrund rücken. Der Baikal sorgt auch im Hochsommer immer für eine frische Brise In seiner Nähe. Das Wasser hat Temperaturen zwischen 7°C und 10°C. Wir haben das ausprobiert.



Ankunft in Listvjanka. Besuch des Baikal-Museums. Ein Muss, um über den Baikal im Bilde zu sein.
Der Baikal hat ab ca. 200 m Tiefe eine konstante Wasser-Temperatur von 4 °C. Dort siedeln Krebse, die das Wasser rein halten und filtern. Darum die permanente Trinkwasser-Qualität. Es gab Versuche, den Krebs auch weltweit in anderen Gewässern anzusiedeln. Das funktionierte nicht. Der Krebs braucht diese gleichbleibend niedrige Temperatur. Die Evolution der Wasserorganismen führte zur Entstehung einer einzigartigen endemischen Flora und Fauna. Endemisch bedeutet, dass die Pflanzen oder Tiere nur hier vorkommen. Der Omul, eine Lachsart und der Golomyanka, ein Fettfisch gehören dazu. Den Omul haben wir geräuchert, mariniert, frittiert, gebraten als Salat angerichtet...genießen dürfen. Lecker! Der Golomyanka ist ein Fettfisch. Er besteht bis zu 44% aus Fett, was ihn fast durchsichtig macht. Der Fisch ist die Hauptnahrungsquelle der Baikalrobben.

Unterkunft fanden wir bei Nikolai. Auch er sehr gastfreundlich. Sein Haus bot großzügig eingerichtete Zimmer.



Der Markt von Listvjanka bietet typisch regionale Produkte feil, Bonbons, Baikal-Tee, Omul, Matrjoschkas, Tscharoit. Tscharoit: aus diesem hübsch violett oder violett-weißem Schmuckstein gefertigte Ketten, Ohrringe, Broschen, Ringe sind ein gern gekauftes Souvenir. Diesen Stein, der nach seinem Fundort. dem Fluss Tschara benannt ist, gibt es nur in der Irkutsker Region - also auch er: endemisch!


Tag 5 - Talzy - Krestowaja

Auf dem Weg zum nächsten Ort Besuch des Museum-Dorfes Talzy. Die Gebäude wurden beim Bau des Angara Staudammes in Ilimsk vor der Überflutung gerettet. 36 alte Bauten wurden hier wiedererrichtet: Bauernhäuser, Kirchen und ein Teil einer von den russischen Sibirien-Eroberern Ostrog genannte Holzfestung. Zu den markantesten Gebäuden gehört eine um 1679 errichtete Holzkirche aus. Sie ist mit Zedernholz gedeckt. Das arme Dörfchen, aus dem sie stammt, konnte sich keine vergoldete oder versilberte Kirchenkuppel leisten. So kamen findige Köpfe auf die Idee, Zedernholz für die Dachschindeln zu verwenden. Dieses Holz leuchtet und glänzt von weitem wie Silber. Interessant ist auch die alte Dorfschule.



Weiterfahrt nach Krestowaja. Andrej ließ uns ein auf einem unbeschreiblich schönen Plateau unserer nächsten Unterkunft entgegen laufen. Was für eine schöne Landschaft! Einige kleine Salzseen (!) bildeten blaue Farbtupfer inmitten der blühenden Taiga! Immer den Baikal vor uns liefen wir in ein Tal, in dem viele Erdhörnchen neugierig aus ihren Löchern schauten. Kamen wir ihnen zu nah, verschwanden sie blitzschnell, aber nicht ohne vorher die anderen mit ihren eigenartigen Geräuschen zu warnen.



Was für ein abgelegene Farm! Und so nah am Baikal! Diese Stille! Wunderbare Gastgeber, köstliche Gerichte! Ein Paradies auf Erden! Wohl nur für uns Touristen. Denn der harte Winter hat der Gastgeber-Familie ca. 150 ihrer Rinder gekostet. Auch trockene Sommer machen der Familie bzw. ihren Herden zu schaffen. Trinkwasser hat der Baikal genug, aber die Weiden sind momentan zu trocken, um alle Tiere zu ernähren. Uns liefen diese prächtigen Pferde vor die Kamera.



Tag 6 - Krestowaja

Wanderung zur Bucht und zum weißen Marmor-Felsen von Sagan-Zaba. Die geschützte Buch lud ein zum Bad. Nichts für Warmduscher! Wanja - unser junger, neunjähriger Ataman, Steffen und Rolf wagten sich ins kalte Wasser!



Im Fels von Zagan Saba sind Zeichnungen aus der Bronzezeit vor ca. 2000 v. u. Z zu sehen. Gut zu erkennen sind Jäger und verschiedene Tiere. Bergauf, an den Klippen entlang wandernd, bot sich immer wieder ein schöner Ausblick auf den tiefblauen See. Oben angekommen erwartete uns ein köstliches Picknick.



Immer wieder Dank an unsere Betreuer Andrej, Tamara, Dima, Wanja. Wanja führte uns zurück zur Farm. Für die, die unter plötzlicher „Materialermüdung“ litten, stand in Reichweite immer ein Bus bereit, um einen sorglosen Rücktransport zu gewährleisten. Ein weiser Spruch von Andrej: Wenn man denkt, alles falsch gemacht zu haben, aber dann doch ankommt - dann hat man alles richtig gemacht!


Tag 7 - MRS

Abschied von Krestowaja. Schade. Aber auf dem Weg nach M.R.S. - der Ort heißt tatsächlich so - wurde uns das Abschied-Nehmen erleichtert. Wir fuhren quer durch die weite Tascheran-Steppe, wanderten eine Zeit lang durch sie, um dann wieder bequem im Bus sitzend, uns einer neuen Superlative zu nähern - dem atemberaubenden Blick vom Schebete-Berg auf das Delta der Anga, dem Baikal und der in der Ferne liegenden Insel Olchon. Andrej erklärte uns, wie die Besiedlung dieses Gebietes durch die Ewenken, Burjaten und Russen erfolgte.



Er wies auf die Reste der alten Burg aus Kurikan-Zeiten (6. - 11. Jh. v. u. Z.) hin, deren Mauern kaum noch zu erkennen waren. Abstieg zum Picknick und Weiterfahrt zum heiligen Berg Eche-Jort (Mutter Erde), Schauplatz alter schamanistischer Rituale. 700 Mann umringen ihn zu bestimmten Anlässen.
Weiterfahrt zum Berg Sachuerte und seinen Felszeichnungen. Besonders beeindruckend ist die Darstellung eines Hundes. Wieder ein beeindruckender Blick über die weite Ebene zum Baikal.



Noch nicht genug gesehen: Fahrt durch das Tal der Steingeister. Mit einiger Phantasie lassen sich in den auf die Taiga verteilten kleineren Felsen versteinerte Krieger und Pferde erkennen. Einst lebten zwei Brüder, die vom Gott Burchan zur Erde gesandt wurden, um den Menschen zu helfen. Die Brüder hingegen wetteiferten ständig nur, wer der Schnellste, der Mutigste, der Stärkste ist und brachten somit Unheil über die Menschen. Aus Zorn darüber wurden sie und ihr Heer vom Gott Burchan zu Stein verwandelt. Erst wenn es keine Kriege mehr auf Erden geben wird, werden sie wieder zu Leben erweckt. Wir hoffen bald!
Immer noch nicht genug gesehen: leichterer Aufstieg zum 998 m hohen Berg Tan Chan. Wieder ein grandioser Ausblick - langsam gehen die Adjektive aus, um den Beschreibungen der Ausblicke ins weite Sibirien und zum Baikal genügen zu können. Vor uns lag M.R.S.
Rolf hatte Geburtstag und es sollte noch eine Überraschung für ihn stattfinden. Dem Mann mit der Harmonika wurde eigens ein Lied getextet und vorgetragen. Andrej und Dima spendierten Champanskoje und reich verzierte Torte. Und dann Dawei, Dawei - die Feierlichkeit fand open-air mit Blick auf den See ihre Fortsetzung. Die Kühle des Sees zwang uns dann irgendwann in der endlos langen Dämmerung in unsere komfortablen Holzhäuser.



Tag 8 - Olchon

Morgens am Baikal. Die Olchon vorgelagerten Inseln und Halbinseln ähneln träge im See liegenden Krokodilen. Dima bezeichnete sie auch so. Nach dem Frühstück mit der Autofähre Übersetzen zur Insel Olchon. Olchon ist mit einer Fläche von 730 km2 bei einer Länge von 72 km und einer durchschnittlichen Breite von 10 km die größte Insel des Baikalsees.
Wanderung durch ein Tal zu einer lauschigen Bucht. Die Geolog - ein Forschungsschiff - lag am Ufer. Wanja sammelte wilden Rhabarber, der abends geschält und zu Kompott für alle zubereitet wurde.
Es gibt zwei größere Ortschaften auf der Insel: Chuschir und Charanzy. In Chuschir blieben wir 3 Nächte im Camp von Nikita.



Sonnenuntergang - im Hintergrund der Schamanen-Felsen. Er befindet sich nördlich von Chuschir und liegt am Kap Burchan (burj. Gott). Er ist eine Kultstätte, denn er gilt als Ruhestätte des höchsten Burchanen. In seiner Nähe stehen Holzpfosten, die an besonders religiösen Plätzen zu finden sind. Die Holzstelen sind mit drei Einkerbungen versehen, damit die Götter des Himmels (obere Kerbe), die Menschen (mittlere Kerbe) und die Erdgötter (untere Kerbe) daran ihre Pferde anbinden können, um gemeinsam in Ruhe meditieren zu können.


Tag 9 - Olchon

Fahrt zum nördlichen Teil der Insel Olchon. Besichtigung der Überreste eines Gulag aus den 1950ziger Jahren. Auf den hölzernen Schienen, deren Reste noch in der Landschaft am Ufer des Baikal liegen, schoben Zwangsarbeiter einst mit Fisch beladene Loren zur Fischfabrik. Von der Fabrik und dem Ort ist kaum noch etwas zu sehen, weil er später bis auf ein paar Häuser von einer Wanderdüne zugeweht wurde. Die Natur hatte das Leid unter sich begraben. Die Siedlung musste aufgegeben werden.
Wanderung und Picknick auf einem Felsen. Tee am offenen Feuer. Abenteuerliche Fahrt quer über die Insel. Die Generalstraße macht ihrem Namen keine Ehre. Besser ist es, neben ihr zu fahren :-) Uns machen diese Touren abseits ausgebauter Straßen besonders Spaß. Wir vertrauen ganz auf Andrej und Dima, die unsere Kleinbusse sicher zu fahren wussten.



Tag 10 - Olchon

Freier Tag. Jeder verbringt ihn anders. Die Einen gehen wander, andere nehmen sich ein Mountain-Bike. Wir möchten mit Conny zum Schamanen-Felsen. In der Nähe ist eine kleine Bucht, in der wir baden möchten. Unser Wagemut, in den kalten Baikal zu stürzen, wird von russischen Strandgästen mit Applaus belohnt. Wir sind stolz darauf.
Eine Jurte auf einer Anhöhe erregt unsere Aufmerksamkeit. Slava lädt uns ein, diese Jurte zu besichtigen. Morgen wird sie als Restaurant eröffnet, in dem burjatische Gerichte gereicht werden. Schade, dass wir morgen nicht mehr in Chuschir sein werden.
Nochmals Bummel durch Chuschir. Hier gibt es kein Moskauer Eis, aber das Irkutsker Eis steht ihm geschmacklich in nichts nach.


Tag 11 - Irkutsk

Abreise. Zurück nach Irkutsk. Die Reise dauert etwas länger als erwartet. Aber was zählt das schon - wir sind hier zeitlos glücklich! Es bleibt nach unserer Ankunft noch Zeit für einen erneuten Bummel über den Irkutsker Markt und für ein gemeinsames Abendessen im RUS. Tamara ist wieder an unserer Seite. Andrej bereitet sich auf seine nächste Trekking-Tour vor. Nichts für Warmduscher! Diesmal führt er eine Vierergruppe mit dem Kajak gen Norden.


Tag 12 - Baikalbahn

Fahrt vom Irkutsker Bahnhof nach Sljutvjanka. Derselbe Zug, der uns dorthin brachte, wird jetzt zum Baikal-Express. Die 84 km lange Traditionsstrecke wird mit Tempo 20 km/h befahren. Wir freuen uns auf die Strecke mit vielen Stopps. Dann wird ausgestiegen und die technischen Bauwerke wie Tunnel und Brücken können näher betrachtet werden. Leider verwehrt uns Vater Baikal am letzten Tag unsere Blicke zu ihm. Dichter Nebel liegt über dem See. Es ist kaum etwas zu erkennen. Was soll‘s - die Fahrt an sich ist interessant genug. Die Einheimischen kaufen bei jedem Halt die von den Händlern angebotenen Waren wie geräucherten Omul, Pinienkerne und Erdbeeren und verzehrten sie dann genüsslich im Zug. Tamara überzeugt uns mit ihren Kostproben, dass diese Erdbeeren noch wie richtige Erdbeeren schmecken.



Wir wagen es bei einem Stopp mit Tamara, einen 750 m langen Tunnel ohne Taschenlampe zu durchwandern, um ungestört in einer Bucht unseren Abschieds-Champanskoje zu trinken. Der Zug wartet garantiert auf uns, wurde uns versichert. Und so war es auch. Er pfiff und seine Passagiere kamen herbei, aber nicht geeilt. Der Zug hielt auch für Angler oder andere Anhalter, um sie an seiner Fahrt teilhaben zu lassen.



Jelzina. Der Ort, an dem Helmut Kohl mit Boris Jelzin gemeinsam in der Banja schwitzte.
Der Nebel lichtet sich. Bald sind wir in Listvjanka - dem Ort, an dem sich die Angara aus dem Baikal schleicht. Schleicht stimmt nicht, denn es ist ein gewaltiger Strom, der sich hier bildet. Die Sage geht so:

Der alte Baikal liebte seine einzige Tochter Angara über alles. Deshalb wollte er sie gern mit dem etwas älteren, aber reichen Irkut vermählen. Der Irkut führte Gold. Der Jenissei hingegen war zwar jünger, aber arm. Als sie die Angara eines Tages zu ihrem Geliebten Jenissei flüchtete, warf der Vater aus Zorn einen großen Stein nach ihr. Dieser kleine Fels ist auch heute noch zu sehen und ragt eben bei Listvjanka aus dem Wasser und ist die Grenze zwischen Baikal und Angara. Die Angara wird auch heute als einzige Tochter des Baikal bezeichnet, weil sie dessen einziger Abfluss ist. Söhne (Zuflüsse) hat der Baikal hingegen mehr als 300.
Der Linienbus fuhr unsere Gruppe zurück nach Irkutsk. Müde, aber glücklich fielen wir bei Galina in unsere Betten. 4:00 Uhr morgens sollten wir uns auf dem Weg nach Hause machen. Dem richtigen Zuhause. Dabei haben wir uns während unserer Reise auch überall wie zu Hause gefühlt.


Tag 13 - Abreise

Abflug von Irkutsk. Abschied von Tamara, Andrej, Dima, Wanja, Nastja... Schnell erreichten wir Moskau. Steffen und ich checkten aus und checkten versehentlich wieder im Inland-Terminal ein. Wollten wir wieder zurück nach Sibirien? Keiner der Offiziellen hatte es bemerkt und unsere Flug-Tickets bereits mit einem Stempel versehen. Nur das wir unseren Flug nicht auf der Anzeige-Tafel fanden und auch ein Gate 21 nicht zur Verfügung stand, machte uns etwas unsicher. Eine nette Deschurnaja geleitete uns dann sicher in die richtige Abflug-Halle. Dort wartete schon unsere Gruppe mit Rolf, Helga, Katrin, Conny, Mara, Meinhard, Fritz, Helmut und Ursula. Nun gab‘s kein Zurück mehr - jedenfalls nicht in diesem Jahr!


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Reisezeit: 28.06. - 11.07.10
Reisebericht von Romy und Steffen Effenberger


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