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Baikalsee, Insel Olchon und alte Baikalbahn
16.6.2009-29.6.2009
Reisebericht von Gertrud Rößler, Dresden


(1) Roter Platz  (2) Das Brautpaar 

16.6.09, Di: FLUG MOSKAU-IRKUTSK (2 h 40 min; 5 h 20 min.)
Der Papa von Emma fuhr uns nach Schönefeld. 7.45 Uhr waren wir da, super. So konnten wir uns in aller Ruhe informieren und einchecken. Bis auf Michael, unserem einzigen Mann, outeten wir uns bald alle (Wanderschuhe!). Urta flog von Hamburg und stieß somit später zu uns. Wir werden bestimmt alle zusammen viel Spaß haben.
Flug und Verpflegung waren okay, die Stewardessen gaben sich allerdings sehr reserviert. Das sonst gewohnte Lächeln fehlte völlig. Jörg, unser Moskau-Reiseleiter, holte uns ab, es klappte prima. Zuerst gaben wir für 70 Rubel das Gepäck auf und fuhren gleich mit dem Bus zum Retschnie wokzal, dann weiter mit der Metro bis Theaterplatz. Wir tauschten Geld, etwa 1:43 und hatten plötzlich jede Menge Scheine in der Hand.
Wir bummelten anschließend gemütlich am Bolschoitheater vorbei, an diversen Hotels, die allesamt nicht zu unserer Preisklasse passten, durchs GUM (wo ich mir erst einmal ein Eis für 30 Rubel leistete -lecker wie gewohnt) zum Roten Platz (1), der ewigen Flamme (dort stand 14 Tage später auch OBAMA), zur Moskwa, der Christ-Erlöser-Kathedrale (1931 gesprengt, Wiederaufbau 1995-2000) und über die danebenliegende Brücke. Ein Brautpaar hatte eben am Geländer ein Schloss angebracht, als Symbol für ewige Liebe (2). Wir hatten genügend Zeit und nahmen den Vorschlag an, eine einstündige Schifffahrt auf der Moskwa zu unternehmen. Vorbei ging es am Denkmal Peter I, dem Vergnügungspark, zwei Hochhäusern mit einer gewaltigen Solaranlage zur Eigenversorgung (3), im Hintergrund erblickten wir die Lomonossowuniversität, dann das gewaltige Stadion, am Ufer viele Grünanlagen mit Spaziergängern, nett.
Am Kiewer Bahnhof stiegen wir aus und sausten mit der Metro in das Stadtzentrum. Beim Umsteigen war natürlich Metrowatching angesagt. So schön wie damals vor fast 20 Jahren sehen die Stationen immer noch aus (4).
Dann fuhren wir wieder so zurück, wie wir gekommen waren.
Auf dem Flughafen klappte der Transfer zum nationalen Terminal reibungslos (wir hatten vom Reisebüro dafür ja ein ganzes Blatt voll Instruktionen erhalten). Dort mussten wir ein Weilchen auf den Check-in warten und alle kosteten das russische Bier, es bestand die erste Probe.
Nachdem unser Flug angezeigt war, schob uns Jörg noch in die richtige Schlange und konnte endlich verschwinden.


(3) Hochhaus mit Eigenversorgung  (4) In der Metro 

17.7.09, Mi: IRKUTSK

Das Abholen klappte wieder prima. Tamara ist 30-35, ihre herzliche, offene Art gefiel allen sofort. Bereits während der Fahrt verteilte sie uns auf die Privatquartiere mit Hilfe einer Stadtteilkopie. Marion und ich übernachteten, wie auch dann beim Rückflug, in Tamaras und Andrejs Eigentumswohnung, nett eingerichtet. Kurze Zeit später wurden alle zum Mittagessen (Krautsuppe und Plow) und dem anschließenden Stadtrundgang eingesammelt. Zu unserer Überraschung sahen wir bei unserem Spaziergang zum Angaraufer noch viele bewohnte Holzhäuser (5,6,7). Wir liefen zum ersten Besiedlungsort, altehrwürdigen Kirchen, dem wiedererrichteten Denkmal Zar Alexander des III, Behördengebäuden, der Straße der russ.-jap. Freundschaft ... In der Nähe der Unterkünfte war ein kleiner Supermarkt. Wir holten paar Kleinigkeiten, das Angebot war wie bei uns.


(5, 6, 7) Bewohnte Holzhäuser 

18.6.09, Do: IRKUTSK-BAIKALDORF BOLSCHOE GOLOJSTNOE

Tamara brachte uns ein reichhaltiges Frühstück und als eine Besonderheit sauer eingelegte junge Farnspitzen. Bei trübem Wetter starteten wir die Fahrt mit einem Kleinbus über anfangs recht gute Straßen zum Baikalufer. Unterwegs Wiesen mit vielen Blumen, an einer Trollblumenwiese war Fotostopp (8). In der Nähe befand sich auch ein Ritualplatz der Bujaren, geschmückt mit bunten Bändern und auf der Erde lagen Münzen als Opfergaben. Um den Unmut der Geister nicht zu wecken, darf man von dort nichts mitnehmen! Ab und zu kamen wir durch Dörfer mit den typischen Holzhäusern, die uns immer wieder bezauberten. Bald kam leider der Regen. Bis zum Zieldorf wurde die Straße immer Natur belassener, letztlich fehlte der Asphalt völlig. Unsere Gastgeber bereiteten uns einen herzlichen Empfang, sie sind Freunde von den Reiseleitern: Mutter Feja, Vater Mischa, Sohn Scheja (9). Der Vater Mischa kochte für uns, sehr gut! Die Mutter arbeitet als Musiklehrerin an der Schule im Ort. Als Kind lebte sie noch in einer Erdhütte, welche Entwicklung! Der reichlich 20-jährige Sohn arbeitet ab und zu für Tamara und Andrej.


(8) Fotostopp  (9) Scheja, Feja und Mischa  

Es war ein typisches Holzhaus mit hohem Zaun zur Straße. Es gab gleich Mittagessen, schmackhafte Pelmeni und Gebäcknachtisch. Danach liefen wir durchs Dorf zur Kirche am Baikal-Ufer. Besichtigen konnten wir sie nicht. Der Boden war gestrichen und musste noch drei Tage trocknen. Wir stiegen dann den Hang hoch und genossen trotz Regen unseren ersten weiten Blick über den Baikalsee (10). Zurück liefen wir über Blumenwiesen mit Vergissmeinnicht und Edelweiß (11)! Der große gemauerte Ofen wärmte uns schnell auf und trocknete die Schuhe. Für das Geschäftchen mussten wir quer über den Pfützenhof zu dem erst eine Woche alten Häuschen, das noch nach frischem Holz roch. Absoluter Luxus: Plumpsklo mit Klobecken und gepolsterter Brille (12).
Abends servierte man uns gebackenen Omul, den es nur am Baikal gibt, und Kartoffelbrei. Anschließend sangen wir auf russisch, burjatisch und deutsch. Das von uns mitgebrachte Baikallied sangen wir mehrmals.
Die Waschgelegenheit war etwas spartanisch, aber morgen stand Banja auf dem Plan!


(10) Blick über den Baikalsee
(11) Vergissmeinnicht und Edelweiss
(12) Schönes neues Örtchen 

19.6.09, Fr: WANDERUNG ZUM SCHAMANENBERG; BANJABESUCH

Brr, immer noch Nieselregen, alle zogen zum Toilettengang die Gummilatschen des Hausherren an, Marion spendierte ihren Regenschirm, der im Vorhäuschen in einer Ecke für den nächsten Klogang wartete. Nach gemütlichem Frühstück auf zur Wanderung in Regensachen zum Aussichtspunkt auf dem Schamanenberg! Es war trübe Sicht, weiter oben stürmisch, etwas höher lag auch Schnee. Kurz vor dem Gipfel kehrten wir um, nur Nebel. Auf dem Rückweg wurden Birkenruten für die Banja geschnitten, drei Büschel (13).
Es wurde ein gemütliches Mittagessen. Den geplanten Ausflug zum See schenkten wir uns, da es schon etwas spät geworden war und der Weg sehr matschig sein sollte. Mit Marion und Michael bummelten wir zum Strand und sammelten paar Steine. Auf dem Rückweg kauften wir im Dorfmagazin sibirisches Bier. Anschließend ging es die Banja. Erst war es normales Saunieren, zum Schluss wurde dann mit den Birkenreisern die warme Luft von oben nach unten auf den Körper heruntergeschlagen und die Haut mit leichten Schlägen massiert. Durch die abgeschlagenen und an uns klebenden Blätter sahen wir wie Frösche aus. Tamara war da so richtig in ihrem Element. Abgekühlt wurde immer im Hof, das Wasser schöpften wir mit einem Eimer aus einem großen Fass mit Baikalwasser. Nun ergaben auch die hohen Zäune überall einen Sinn, weil die Familien beim Banjabesuch nackig im Hof herumspringen (14)!
Abends wieder Singen und paar Spielchen, wir hatten viel Spaß.


(13) Birkenruten für die Banja  (14) Hohe Zäune aus gutem Grund 

20.6.09, Sa: SCHIFFFAHRT NACH LISTWJANKA

Es nieselte immer noch. Das Charterboot für uns war gegen 9 Uhr gebucht. Der Gepäcktransport erfolgte durch Mischa. Nach dem üppigen Frühstück liefen wir zwischen Unmengen von Pfützen zur Anlegestelle. Das Boot war schon da (15). Es erwartete uns eine 4-std. Fahrt parallel zum Ufer, sehr abwechslungsreich, aber verhangen und kühl (16). Auf dem Schiff gab es Tee, Kekse und Michaels Geburtstagssekt. Im kleinen Kaffee am Hafen bekamen wir unser Mittagessen - Omul, hübsch dekoriert und wie ein Rollmops gerollt, zum Nachtisch Geburtstagstorte! Dann fuhren wir zu aller Überraschung ins Hotel "Baikal" oberhalb des Ufers. Wir bekamen hübsche Zimmer und im Bad floss heißes Wasser ohne Ende.
Bald trafen wir uns zum Besuch des Meeresmuseums. Es war eine sehr anschauliche Darstellung des Lebens am und im Baikal und interessant gestaltet. Im Untergeschoss war ein geräumiges Aquarium eingerichtet, sogar zwei Baikalrobben zeigten uns dort ihre Spielchen. Anschließend stiegen wir im Nebel und Nieselregen zum Aussichtspunkt, ebenfalls ein Ritualplatz mit vielen bunten Bändern. Aber alles war grau, kein Baikal zu sehen! Wir liefen zurück zum Markt, aber viele Stände waren bereits verlassen, nur jede Menge getrocknete Omule hingen noch auf der Leine (17). Es nieselte immer noch.
Nach dem Abendbrot probierte ich das sehr langsame Internet, aber meine E-Mails konnte ich abschicken.


(15) Alles an Bord
(16) Das Ufer bei Nieselwetter
(17) Omule auf der Leine 

21.6.09, So: BESUCH DES BAUERNMUSEUMS; FAHRT ÜBER IRKUTSK ZUR RANCH

Frühstück war im Restaurant im Untergeschoss, auch wie sonst Brei und Brot mit Marmelade, Ei. Mit unserem Kleinbus ging es in Richtung Irkutsk zum Bauernmuseum in Talzy. Die Häuser wurden vor der Flutung der Stauwerke Bratsk und Irkutsk umgesetzt. Wir besichtigten mehrere davon (18), die Kirche (19), eine Jurte und zum Schluss die Schamanenjurte mit Geistersymbolen (20). Wir tauchten also tief in die russische Seele ein.


(18) Bauernmuseum in Talzy ...
(19) ... mit Kirche und ...
(20) ... Schamanenjurte 

Wir wurden von Andrej und seinen zwei Kindern abgeholt und fuhren mit dem Privatbus unserer Reiseleiter (Steuer rechts und japanische Aufschrift). Die Straße nach Irkutsk führte durch dichten Wald: Lärchen, Kiefern, Birken. Zum Mittagessen bekamen wir Molkesuppe (Tarator) als typisches einheimisches Essen und Lasange.
Danach ging die Fahrt von Irkutsk über gute Straßen längere Zeit durch die Taiga, dann durch die Steppe. Auf einer Kuppe lagen noch Schneereste vom Kälteeinbruch vor 3 Tagen! Selbst alte Leute können sich an Schnee Mitte Juni nicht erinnern, Anfang Juni ja. Na toll, und das im Sommerurlaub! Trollblumen im Schnee, es muss ziemlich heftig gewesen sein! Nach dem Abbiegen von der Hauptstraße fuhren wir über einen breiten Fahrweg durch bunte Wiesen. Vor einer Kuppe stiegen wir aus. Den Hang hoch liefen wir durch würzig duftende Wiesen mit vielen Blumen, eine Augenweide. Auf der anderen Hügelseite stiegen wir wieder ins Auto und dann kam eine halsbrecherische Fahrt ins weite Tal zu einem Anwesen, wie eine Ranch (21,22). Hier lebte unsere nächste Gastfamilie in der weiten, hügligen Steppe mit 300 Rindern und paar Pferden.
Inzwischen hatten wir herrliches Wetter, aber windig, kein rechtes Badewetter. Im Areal standen mehrere Häuschen, zwei für Touristen, eines als "Speiseraum" und das Familienhaus, na, und das Holzhäuschen als Türkischtoilette.
Wir spazierten zum 10 min entfernten Strand und fassten mal den Baikal an. Ganz schön frisch!
Wir wurden mit Michael in ein 3-Bettzimmer ein quartiert, im recht neuen, geräumigen Holzhäuschen - zwei Schlafräume, ein Wohnraum. Die anderen schliefen paar Meter weiter im anderen Gästehaus. Nach dem Abendbrot setzten wir uns in unsere Suite. Bei Wein und paar Süßigkeiten, die manche auf den Tisch gelegt hatten, wurde es ein gemütlicher Abend.


(21,22) Ranch der nächsten Gastfamilie   

22.6.09, Mo: WANDERUNG MARMORSTRAND

Frühstück wieder im "Speisehaus" mit Brei, Quarkkäulchen, selbst gemachter Marmelade, Kaffee, Tee, reichlich Milch.
Mit dem Auto ging es anfangs zurück über den Hügel, dann aber nach rechts am See vorbei in den beginnenden Wald. Nach Anfrage stiegen wir aus und liefen bergab zum Strand. Viele Blumen und üppige Vegetation begeisterten uns, bald erreichten wir den weißen Marmorstrand der Sagan-Saba-Bucht mit rund geschliffenen Steinen, viele wie Vogeleier. Die Attraktion dort sind alte Wandmalereien (23), jemand ritzte noch paar moderne Gänse dazu.
Tamara, Urta und ich wagten ein Bad im Baikal, brr kalt, also nur kurzes untertauchen. Wir wärmten uns dann einige Zeit in der Sonne auf. Anschließend kraxelten wir den Hang hoch (24). Über weite Wiesen liefen wir zum Auto (25), dort gab es Picknick (26) und wieder führte der Weg den halsbrecherischen Abhang hinunter. Wir sollten aber diesmal zu Fuß gehen! Querfeldein ging es zurück zur Ranch. Urta, Michael und ich beschlossen, unsere verstaubten und verschwitzten Körper im Baikal waschen zu gehen, die anderen bevorzugten die vorgeheizte Banja. Am Ufer sahen wir die Krebse schwimmen, die nur bei 3-4° leben können (lt. Museum), daher brr-kalt - nichts für unsere verwöhnten mitteleuropäischer Körper.
Abends aßen wir 3x Omul: gebraten, als Bulette und sauer eingelegt, alles sehr appetitlich.
Nach unserem abendlichen Schwatzchen gingen wir bald schlafen.


(23) Alte Wandmalereien  (24) Hang am Baikal-Ufer 
(25) Weites Land  (26) Unser Picknick 

23.6.09, Di: FAHRT ZUR FÄHRE

Zum Frühstück gab es wieder die delikaten, frischen Quarkkäulchen und all die leckeren Sachen wie am Vortag. Die Fahrt ging weit zurück zur Straße und nach Osten über Forstwege durch die Tscheran-Steppe zu dem heiligen Berg Eche-Jord, den wir erwanderten. Die Aussicht war umwerfend (27)! Hier waren minimale Mauerreste einer alten Anlage zu erkennen (28). Verständlich, früher lebten hier Nomaden, die kaum Bauten errichteten. Ich pflückte etwas von den hier üppig wachsenden, lila blühenden Thymian (29), ein Mitbringsel für Auserwählte. Anschließend kamen wir am Kultplatz der Burjaten vorbei. Einmal im Jahr findet hier ein dreitägiges Festival statt. In mehreren Kreisen tanzen sie dann ihre alten Tänze, aber auch für Volksbelustigung soll gesorgt sein. Die Wiese war voller Pfützen und unsere Reiseleiter hatten den Platz noch nie so nass gesehen. Nach der nächsten Biegung sahen wir dann, dass der Bach über das Ufer getreten war, die Straße lag teilweise etwas unter Wasser, aber mit dem Auto war sie noch passierbar. Etwas später mussten alle aussteigen, um das Auto zu entlasten. Also Schuhe und Hosen aus und alle liefen barfuß durch das kalte Wasser, Vater Kneipp hätte seine Freude an uns gehabt(30).


(27) Aussicht auf den Baikal
(28) Mauerreste
(29) Blühender Thymian
(40) Barfuß durchs kalte Wasser! 
 

Die noch geplante Felsmalereibesichtigung fiel aus, da der Weg dorthin noch mehr überflutet sein sollte. Wir wurden auf die Rückreise vertröstet, da wir wieder hier vorbei kämen. Die Fahrt führte über Wiesen zum Fuße eines Berges mit schöner Aussicht. Wir liefen wieder über herrliche Wiesen und hörten die Sage von der Entstehung (Rivalenkampf zwischen 2 Brüdern) der nahe beieinander liegenden Berge.
Nun folgte eine flotte Fahrt nach dem Ort Sachjurta, wo die Fähre zur Insel Olchon ablegt. Im Ort kauften wir paar Getränke, dann fuhren wir zügig zum Quartier. Das Haus lag am Dorfausgang auf einer kleinen Anhöhe, gut wegen der Mücken. Es war ein hübsches Haus, neu, es roch noch nach frischem Holz (31).
Vor 10 Jahren war hier nur wenig los, nun entstehen viele neue Gebäude, der Ort wächst und wächst. Am Ufer sahen wir mehrere Baustellen von Touristenunterkünften, man arbeitete noch bis zum Dunkelwerden gegen 23 Uhr.
Zum Abendessen trafen wir uns im Nebenhaus, Tamara kochte Spaghetti, als Nachtisch eine Sahneeiskalorienbombe. Mit Michael und Bettina bummelten wir zum Strand, eine lange Treppe führte zum Ufer, aber im unteren Teil überfielen uns haufenweise Mücken, daher rasche Flucht nach oben und Spaziergang in den Ort. Die Holzhäuser begeisterten uns immer wieder (32).
Im Haus überraschte uns eine gepflegte Toilette und eine Dusche!


(31) Unterkunft: "frisches" Holzhaus  (32) Sehenswürdigkeit: altes Holzhaus  

24.6.09, Mi: ÜBERSETZEN NACH OLCHON; BUMMEL SCHAMANENFELSEN; KIRCHE; SOUVENIRLADEN

Heute war zeitiger Aufbruch angesagt, um eine lange Wartezeit an der Fähre zu vermeiden. Wieder Gepäcktransport, wir liefen 20min bis zum Hafen. .
Mit dem japanisch-russischem Bus fuhren wir längere Zeit durch steppenähnliche Landschaft nach Chuschir. Es ist der einzige größere Ort auf Olchon. Dort befindet sich eine Touristenstation. Sie ist äußerst bekannt, jeder bis nach Irkutsk würde sie kennen und den Inhaber Nikita auch.
Es ist eine recht geräumige Anlage, viele Holzhäuschen, ein Speiseraum (wo man immer Tee und am Vormittag auch Kaffee trinken kann) und überall Bilder aus Märchen oder neckische Figuren, alles recht verspielt (33).
Nach kurzem Einrichten zeigte uns Andrej den berühmten Schamanenfelsen (34). Angeblich konnten die Schamanen durch den Felsen gehen, dabei war dort ein Gang! Nur Schamanen durften die Halbinsel betreten. So konnten sie lange Zeit die Burjaten mit ihrer angeblichen Macht täuschen. Wie wird dem zumute gewesen sein, der als erster den Betrug erkannte? Auch heute dürfen Frauen und Kinder den Gang nicht begehen, sie würden die dortige Energie nicht aushalten. Danach bummelten wir zur Kirche, die einen etwas entfernt stehenden Glockenturm hatte, eigentlich nur ein Holzgestell. Die drei Glocken hatten alle ein Hanfseil, werden demzufolge von Hand geläutet. Weiter liefen wir zur Information, die ein überraschend großes Angebot hatte. Hier endlich gab es vernünftige Ansichtskarten. Ich lief schnell noch zur Post schräg gegenüber und schickte E-Mails nach Hause.


(33) Ort "Chuschir" auf Olchon  (34) Der Schamanenfelsen 

25.6.09, Do: FAHRT NORDKAP

Beim Ausflug zur Robbenkolonie liefen wir streckenweise wieder durch die mit Steppenblumen geschmückte Wiesen, sehr schön und alles wirkte recht unberührt. Die Robben hielten sich unterhalb einer Steilküste auf. Zum Glück hatte Michael ein Fernglas mit, sonst hätte man sie nur ahnen können. Ein Geweih und Knochen von einem Pferd lagen da so rum, beides recht ausgebleicht, urig. Anschließend fuhren wir längere Zeit durch üppigen Wald und auf abenteuerlichen Wegen zum Nordkap. Wir kamen durch einige winzige Ansiedlungen, auch durch einen ehemaligen Gulag (Reste vom Anlegesteg, Bahnschwellen, 1-2 Barackengrundrisse) Bei herrlichem Sommerwetter hatten wir von der Steilküste eine tolle Aussicht. Danach liefen wir wieder ein Stück: " Seht ihr dort den Baum in der Senke zwischen den Hügeln? Dorthin lauft ihr, ich warte auf der anderen Seite (35)." Wir hatten fast die ganze Zeit eine prächtige Aussicht auf den See. Nach dem Picknick liefen wir über sanfte Hügel zur Metrologenstation, die in einer weiten Bucht liegt (36). Kaffeepause! Es war ein angenehmer, entspannter Spaziergang. Dort stand dann Andrej mit dem Auto und damit fuhren wir zurück zum Dorf.
Nach dem Abendbrot gingen wir noch in das Kaffee, bei Bier und geräuchertem Omul (wird so gegessen wie bei uns Chips) wurde es spät.


(35) "Seht ihr dort den Baum...?"  (36) Meteorologenstation 

26.6.09, Fr: FREIZEIT BONBON KAUFEN, MUSEUM

Wir stöberten in der Verkaufsjurte und gingen in das Handarbeitsmuseum. Mit Marion und Michael sahen wir uns dann auf dem Rückweg zur Base den Hafen an. Die Fischerei und die kleine Fischfabrik waren schon längere Zeit nicht mehr im Betrieb, alles war zerfallen. Wir wollten noch einmal zur Kirche, vielleicht konnten wir sie heute besichtigen. Fast wären wir wieder umgekehrt, weil es abermals nach Gottesdienst klang. Doch dann entdeckte Marion den Lautsprecher neben der Tür! Ein hübsches, kleines Kirchlein mit typisch bunter Ausstattung (37). Zum Schluss besuchten wir noch das Museum. Es beherbergte viele Exponate des Lebens hier, aber auch Muscheln, Steine...,Nischen waren wie Jurten oder Wohnräume gestaltet und dadurch erhielten wir ein sehr anschauliches Bild von der Insel. Abends bummelten wir zum Strand, der sehr schön ist. Leider war kein Badewetter, so wurden wir eben Strandläufer. Wir erlebten einen malerischen Sonnenuntergang (38). Nach dem Abendbrot saßen wir wieder bei Bier und Omul in dem kleinen Kaffee.


(37) Kleine, bunte Kirche  (38) Malerischer Sonnenuntergang 

27.6.09, Sa: RÜCKFAHRT IRKUTSK

Zum Frühstück trafen wir uns zeitiger, weil wir rasch zur Fähre wollten. Die Überfahrt verlief wieder zügig und auf uns bereits bekanntem Weg fuhren wir Richtung Irkutsk. Unterwegs wollten wir uns die Felszeichnungen ansehen, die wir aufgrund der Überschwemmung auslassen mussten. Aber das Wasser stand immer noch zu hoch. In einer netten Gaststätte gab es Mittag, Soljanka und so eine Art Momo, ein typisch russisches Gericht. In Irkutsk erwartete uns schönes Wetter, also war Variante 2, Shopping (Variante 1 war Museum) angesagt. Jeder bezog wieder sein altes Quartier. Wir verabredeten uns für 20 Uhr zum Abschiedsessen in einem guten Restaurant auf unserer Straße. Dann liefen Marion und ich zum Markt und kauften paar Kleinigkeiten. Den guten alten Kwaswagen gibt es immer noch (39)! Alles war sehr sauber und geschmackvoll dekoriert, kein Unterschied zu uns (40).
In der Gaststätte waren wir fast allein. Wer es sich leisten kann, der fährt um diese Zeit in den Urlaub und das sind genau die Leute, die sich auch diese Gaststätte leisten können. Daher die Leere. Das Essen war gut und wir hatten einen vergnüglichen Abend.


(39) Kwas-Wagen  (40) Deko im Restaurant 

28.6.09, So: BAHNFAHRT MIT BAIKALBAHN

Tamara kam wieder mit dem Frühstück. Dann holten wir alle anderen ab und fuhren wieder nach Listwjanka. Die Überfahrt zum Bahnhof verlief noch im Regen, der glücklicherweise bald aufhörte. Der Zug stand schon da, aber wir hatten noch Zeit, schnell im Bahnhofsgebäude die Ausstellung zur Baikalbahn anzusehen. Die Eisenbahnlinie endete früher hier. Die Waggons mussten dann auf Fähren verladen werden, es ging über den See bis zur Anschlussstelle. Im Winter waren Eisbrecher nötig. Der Bau dieses Stückes brachte also eine enorme Effektivität.
Die zu fahrende Stecke beträgt 82 km, aber wir brauchen dafür 8-9 Stunden. Warum? An vielen technischen Details der Strecke gab es einen Stopp. Über Eisenleitern krabbelten alle auf den Bahndamm. Eine typisch russisch aussehende Madam, etwas korpulent, blondiert, stark geschminkt, gab über eine Flüstertüte die Erläuterungen. Wir bekamen diese natürlich in Deutsch von Tamara. Dann pfiff die Lok und alle kletterten wieder in ihren Waggon und es ging weiter (41). Wir lernten auch, wie Russen Zug fahren: Nachdem jeder sein Plätzchen gefunden hat, werden die Tische heruntergeklappt und es wird aufgetafelt: Gebratenes, Wurst, Obst, Salat, Gemüse, Fischdosen...Die ganze Fahrt über wird gemampft. Immer wieder fuhren wir an kleinen Zeltplätzen auf den Wiesen zwischen Baikal und Schienen vorbei, viele junge Leute. Gegen Mittag gab es Zeit für unser Bahndammpicknick. Tamara hatte ganz liebevoll Sandwichs vorbereitet, etwas Obst und Gemüse gab es auch. Gegen 19 Uhr waren wir dann am Zielbahnhof, in SLUDJANKA. Das Bahnhofsgebäude wurde völlig aus Marmor gebaut!
Dieser Teil der Strecke ist der Rest der Originalstrecke aus dem Baujahr 1905. Das 2. Gleis wurde zum Transport von Menschen und Gütern im Zuge des russisch-japanischen Krieges 1910 gebaut. Im Gegensatz zum 1. Gleis, bei dem für Brücken die altherkömmliche Stahlbauweise angewandt wurde, kam beim 2. Gleis der vor kurzem in Amerika entwickelte Beton zum Einsatz. Beim Anstauen der Angara für die Elektrizitätswerke bei Bratsk und Irkutsk verschwand ein Teil der Strecke unter Wasser, so in den Sechzigern. Man baute oberhalb des Baikal ein neues Verbindungsstück zwischen Irkutsk und Slidjanka, das aber bei weitem nicht so malerisch ist wie das am Baikalufer. Dort wurde jede Bucht mitgenommen, es wurden 39 Tunnel gebaut (42). Von dem verbrauchten Sprengstoff wurden allein auf diesen knapp 100km 1/7verbraucht, 6/7 auf den anderen 4000km. Bauleute waren besonders Albaner und Italiener. Sie wurden auch an einer Brücke verewigt. Der Bau kostete 300 000 Rubel, geplant war ein Zehntel. Eine Kuh kam damals 1 Rubel.
Auf dem Bahnsteig kaufte ich geräucherten Omul (warm geräuchert 2 Stück 50 Rb, kalt geräuchert 2 Stück 80Rb), ein wohl etwas eigenwilliges Mitbringsel.
Auf der Rückfahrt ging es noch ein Weilchen auf halber Höhe an See entlang, dann bog die Strecke ab. Wir wurden wieder "verteilt", packten schnell noch etwas zusammen und kurz vor Mitternacht ging es für paar Stunden ins Bett.


(41) Ende der Zwangspause  (42) Einer der 39 Tunnel 

29.6. Mo. RÜCKFLUG

Zeitiges Aufstehen war angesagt, kurz nach 5 Uhr. Wir tranken nur einen Kaffee und packten unser reichliches Lunchpaket von Tamara ein. Dann einsammeln der Übrigen und ab ging es zum Flughafen! Gleich am Eingang kam unser Gepäck auf das Band, ohne Ticket kommt man gar nicht in das Flughafengebäude hinein. Bei der Personenkontrolle hieß es für alle: Schuhe aus! In Moskau waren wir gut und pünktlich gelandet. Beim Flughafenwechsel hatten wir ziemlichen Stress. Unsere Russland erfahrene Urta nahm die Sache in die Hand und mit dem Transitbus waren wir bald auf Scheremetjewo 2. Hier erlebten wir erstmalig das viel diskutierte Röntgen: Auf die am Boden gemalten Punkte stellen, in Fliegerstellung an die Wand, das alles natürlich ohne Schuhe (wir bekamen wieder blaue Folienschuhe, wie im OP). Der Rückflug und der Bus nach Dresden, alles klappte wie am Schnürchen. Nach zwei Stunden Fahrt hießen uns dann die Türme Dresdens willkommen.

Es war ein Urlaub zum Genießen von Ruhe, Natur und Weite, einfach wunderschön!



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