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vom 15. Juli bis 05. August 2012 von Thomas Billig

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Sonntag, 15.07.12

Früh morgens machten sich zwölf motivierte Touristen von Deutschland aus auf den Weg nach Peru, um in den nächsten 20 Tagen dieses südamerikanische Land und dessen Kultur kennen zu lernen. Da noch niemand von uns dieses Land besucht hatte, waren wir alle neugierig auf das, was uns erwarten würde. Am Nachmittag desselben Tages gegen 17 Uhr, landeten wir ohne grosse Verspätung auf dem internationalen Flughafen von Lima. Da der Flug bei Tageslicht stattfand, konnten vor allem diejenigen, welche einen Fensterplatz ergattert hatten, den herrlichen Blick auf Amazonasbecken und die Anden geniessen. Da Lima am Meer liegt und auf der Südhalbkugel gerade Winter herrschte, war das Wetter trüb und es gab Sprühregen. Die Teilnehmer waren in zwei verschiedenen Gruppen via Amsterdam oder via Paris gereist. Die eine Gruppe erreichte Lima erst zwei Stunden später, aber da man dem Reiseleiter nur die Ankunftszeit der zweiten Gruppe mitgeteilt hatte, standen die Erstankömmlinge etwas verwaist beim Ausgang. Dank der freundlichen Unterstützung eines Mitarbeiters von „Inkaland“, welcher auf eine andere Touristengruppe wartete, erfuhr unser Guide, Aldo, dass die Hälfte seiner „Herde“ bereits da war, und so war er 20 Minuten später auch zur Stelle. Nach einiger Zeit war dann auch die zweite Maschine gelandet, und das Abenteuer konnte beginnen.


Montag, 16.07.12

Mit dem Bus ging es auf dem direkten Weg durch Lima zur Panamericana, auf der wir Richtung Süden nach Paracas fuhren. Wir waren tief beeindruckt von den günstigen Benzinpreisen. Der Preis wird per Gallone (3,785 Liter)angegeben. Gegen Mittag erreichten wir die Kleinstadt. Das Hotel befand sich keine fünf Minuten vom Hafen entfernt. Dort ergötzten uns Pelikane, welche von ihrem Dompteur durch füttern in fotogene Posen gelockt wurden. Fotografieren war erwünscht, der Sol hinterher natürlich ebenfalls. Begleitet von einem lokalen Führer, fuhren wir in das Naturreservat auf der anderen Seite der Halbinsel. In Ausstellungen im dazugehörigen Museum, wurden wir über die Geschichte und die biologischen Zusammenhänge des Reservates informiert. Bei der anschliessenden Exkursion durch das Gelände bekamen wir die ersten Flamingos zu Gesicht. Da der Tag noch jung war, unternahmen wir noch einen Abstecher an die Pazifikküste.


Hafen in Paracas 

Dienstag, 17.07.12

Das Pfeifen des Windes durch die undichten Fenster war nicht zu überhören und verhiess nichts Gutes. Beim Frühstück verkündete Aldo dann die schlechte Nachricht: „Wegen zu hohen Wellengangs wird das Ausfahren der Touristenboote zu den Ballestas-Inseln untersagt. Wir warten noch bis 09.30 Uhr!“ Ein erneuter Anruf brachte dann die Gewissheit, dass es nichts würde mit Pinguin- und Seelöwen-Gucken. So fuhren wir dann Richtung Nasca vorbei an Reben- und Baumwollplantagen, Hühner- und Schweinefarmen. Aldo unterbreitete uns den Vorschlag, bei einer Piscobrennerei hineinzuschauen, welche gerade an unserem Weg lag. Da uns die Enttäuschung vom Morgen noch in den Gliedern steckte, fanden wir die Idee gut, insbesondere auch darum, weil es anschliessend noch eine Verkostung geben sollte. Das gab es dann auch, und damit kam auch noch die Sonne zum Vorschein, und diese sollte uns dann für den Rest der Reise tatsächlich nicht mehr verlassen. Die Landschaft veränderte sich langsam von flach zu bergig, und über unzählige Serpentinen gewannen wir an Höhe. Nach einigen Gebirgszügen lag sie dann vor uns: Die Nasca-Ebene! Wir hielten am Aussichtsturm und bewunderten von dort aus die Scharrbilder „Der Baum“ und „Die Hände“. Über uns schwirrten die Propellermaschinen, aus denen die Touristen die rätselhaften Linien von oben anschauen konnten. Es herrschte prachtvolles Wetter und es war wunderschön warm. Die Vorfreude auf den nächsten Tag war bereits riesengross! Bevor wir das Hotel erreichten, hielten wir am ehemaligen Büro und jetzigen Museum „Maria Reiche“ an. Die Dresdnerin hatte über 40 Jahre damit zugebracht, die Geheimnisse der Nasca-Linien zu erforschen. Ihr ist es zu verdanken, dass die Linien erhalten geblieben sind und 1994 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurden. Im Museum kann man ihre Forschung Revue passieren lassen, und neben dem Haus kann man sogar noch den VW-Bulli sehen, in welchem sie die Feldforschung betrieben hatte. Im Garten befinden sich die Gräber von ihr und ihrer Schwester Renate, welche sie in den letzten Jahren noch begleitet hatte. In der Stadt selber ist Maria Reiche auch noch in einer Wandmalerei verewigt.


Mittwoch, 18.07.12

Ich öffnete die Gardinen in meinem Zimmer, aber es blieb dunkel. Ich guckte aus dem Fenster und sah ... nichts! War der Pisco vom Vorabend schuld daran, dass mein Blick so vernebelt schien? Nein! Alles war echt! Dichter Nebel rundum! Im Frühstücksraum eröffnete uns Aldo, dass die Flugzeuge nicht starten könnten, solange der Nebel da sei. Na super! Keine Nasca-Linien. Das fing ja wirklich schön an! Da wir aber einen hervorragenden Reiseleiter hatten, zauberte dieser nach einigen Telefonaten ein Alternativprogramm aus dem Ärmel. Wir wären natürlich lieber geflogen und so versuchte er, uns den Vormittag über bei Laune zu halten. Und das machte er wunderbar! Als Erstes fuhren wir zu einem Töpfer, welcher in der dritten Generation Duplikate von Nasca-Keramik herstellte. Im Anschluss besuchten wir die Aqueductos de Cawtayoc. Das sind alte Wasserkanäle mit spiralförmigen Zugängen zu den Brunnen, schlau ausgedacht und teilweise sogar unterirdisch angelegt. In einer Wüste, wo es nicht viel Wasser gibt, man aber trotzdem Ackerbau betreiben will, soll das Wasser selbstverständlich nicht auf dem Wege zu den Feldern verdunsten. Wir waren absolut beeindruckt vom technologischen Aufwand, der hierfür betrieben wurde. Die Gärtner in unserer Gruppe erkundeten interessiert die Felder um herauszufinden, was denn heutzutage so kultiviert wird. Es waren dies offenbar vor allem Ohrenkakteen und Kartoffeln. Da, um elf Uhr, ein Anruf für unsern Guide! Ab zwölf Uhr wird geflogen! Alles musste nun plötzlich rasch gehen, wir mussten sofort zum Flughafen! Auf dem Weg dahin bemerkte ich viele Busse mit der Aufschrift „Transporta Turistica“. Da waren wir wohl nicht die Einzigen, welche zum Flughafen beordert worden waren! Wir benötigten den Pass und werden tatsächlich einzeln gewogen, um die Flugzeuge optimal beladen zu können. Danach hiess es warten! Irgendwann erschien ein Manager mit den Flugzeiten. Wir wurden in drei Gruppen eingeteilt und ich sollte um 15.30h zusammen mit zwei Japanern und zwei aus unsrer Gruppe fliegen. Bei bester Sicht und optimaler Belichtung vergehen die 30 Minuten Flug ….eben…wie im Fluge!!! Mein Handicap war nur, dass mein Akku der Kamera nach dem Astronauten versagte! Um 16 Uhr haben alle wieder sicheren Boden unter den Füssen und sind –wohl auch deshalb total aufgedreht und um 100 Dollar leichter! Es folgte dann noch eine Busfahrt an die Pazifikküste, und um 19 Uhr erreichten wir unser vorläufiges Ziel Porto Inka. Nach einem erlebnisreichen Tag verschwanden wir nach dem Abendessen relativ rasch und müde in unseren Betten.


Maria Reiche als Straßenbild in Nazca 
Acueducto de Cantayoc 
Flugbild von den Nazcalinien  

Donnerstag, 19.07.12

Da wir wegen des Nebels in Nasca verspätet in Porto Inka eintrafen, fiel der geplante Ausflug an die Küste leider ins Wasser. Am frühen Morgen um sieben Uhr holten wir dies nach: Der Ort war für die Versorgung des Hinterlandes mit Algen und getrocknetem Fisch verantwortlich. Wir besichtigten antike Vorratsanlagen und am Meer den Inka-Thron. Hier beginnt auch ein Inkapfad, der bis Cusco führt. Nach dem Frühstück machten wir uns auf nach Arequipa. Der Weg führte uns erst der Pazifikküste entlang. Ein geniales Erlebnis! Kein Wunder, dass Fotostopps unabdingbar waren. Zwei ganz Verwegene wollten es sich auch nicht nehmen lassen, im Pazifik ein Bad zu „geniessen“! Dann aber ging es weg vom Wasser, ab in die Anden! Dank eines GPS-Gerätes von Stephan wussten wir stets, in welcher Höhe wir uns gerade befanden. In der Ferne tauchten die ersten Vulkanspitzen auf. Auch wilde Vicunas zeigten sich nun am Strassenrand. Bevor es wieder bergab ging, hielten wir auf dem Pass Mirador de los Andes auf 4910 m. ü. M. Rast. Alle spürten die Höhe und es war ruhiges und langsames Gehen angesagt. Dank der ausgiebigen Fotostopps konnten wir in Ruhe nach Herzenslust beobachten und fotografieren. Gegen 17.30 Uhr erreichten wir Arequipa. Wir befanden uns nun auf 2325 Metern über Meer. Auf dem Weg zu einem Restaurant in der Stadt schalteten wir noch eine klitzekleine Spritztour durch die Altstadt ein. Nach dem Essen besuchten wir noch einen Club gleich gegenüber, in welchem unser Reiseleiter mit seiner Rockband auftritt. Aldo kann nicht nur sein Land wunderbar präsentieren, nein, er ist auch noch ein begnadeter Sänger. Die Musik war super und die Stimmung dementsprechend.


Bad im Pazifik 
Die ersten Vicunas 

Freitag, 20.07.12

Nach einer nicht allzu langen Nacht erkundeten wir einen Aussichtspunkt mit wundervollem Blick auf die Vulkane Misti und Chachani und Umgebung. An Verkaufsbuden Produkte an geboten die man aus Cocablättern herstellen kann. Als Prophylaxe gegen die Höhenkrankheiten eignen sich diese Kekse, Blätter und Bonbons vorzüglich, wie wir in den nächsten Tagen in Selbstversuchen ausgiebig testen konnten. Mir lag das Blätter kauen näher als die Süssigkeiten, was dazu führte, dass einige ihr „Grünzeug“ bei mir „entsorgten“. Mit Ausnahme einer leicht betäubten Mundschleimhaut habe ich nichts verspürt, Rauschwirkungen bemerkte ich überhaupt keine. Vom Aussichtspunkt ging es nun zurück in die Stadt, wo wir im Laufe des Vormittags die Kathedrale und das Frauenkloster von St. Catalina besuchten. Dieses wird auch heute noch von Nonnen betrieben. Das Kloster verfügt über riesige Ausmasse, so dass man getrost von einer Stadt in der Stadt sprechen kann. Nachmittags war Freizeit angesagt. Kultur macht hungrig! So baten wir Aldo, uns ein Restaurant zu empfehlen, wo gut zubereitete Meerschweinchen angeboten würden. Es dauerte nicht lange, und wir sassen in einem Lokal, welches die gewünschten Nagetiere anbot. Aber mal ehrlich! Viel war da nicht dran! Das Ganze war viel mehr Jux mit Neugier bestückt als ein vollwertiges Mahl. Die Bilder machten aber schon was her! Die Markthalle von Arequipa, welche Eifel gebaut hat, war mein nächstes Ziel. Nachdem ich mir die interessante Hallenkonstruktion angeschaut hatte, wollte ich mir auch die Lieferanten unserer täglichen Versorgung etwas näher anschauen. Märkte in solch fremden Ländern sind für uns durch strikte Hygiene verwöhnte Europäer, wo der Kühlschrank stets auf 5°C eingestellt ist, immer wieder so was Ähnliches wie ein Kulturschock! Dass man schwarze Bananen immer noch essen kann und dass die im Kunstlicht präsentierte Ware nicht immer das hält was sie verspricht, das wissen wir auch. Aber man sollte es nie verpassen, an so einem Ort die Frischfleischabteilung zu besuchen! Warnung: Das ist wirklich nichts für schwache Nerven und Vegetarier sollten den Platz schon eher meiden! Da liegen Mägen, Rinderhälften, Schweineteile und Hühner mit und ohne Innereien, selbstverständlich alles ohne Kühlung! Da ich den Markt spät besucht hatte, sah ich, dass die nicht verkaufte Ware für den Rest des Tages, wohl bis zum nächsten Handelstag, einfach mit feuchten Tüchern abgedeckt wurde. Guten Appetit! Es war ein langer Tag gewesen, und auch die letzte kurze Nacht zeigte ihre Wirkung allmählich. So wusste ich, es würde ein kurzer Abend werden für mich.


Cocablätter in allen Varianten 
Frauenkloster Santa Catalina 
Arequipa mit Vulkan Misti  
Fleischtheke 

Samstag, 21.07.12

Heute ging es ins Colca Tal! Gegen 14 Uhr erreichten wir Coporaque, dem Nachbardorf unseres heutigen Zieles Yanque, wo wir übernachten und die nächsten zwei Tage verbringen würden. Der Marsch dorthin dauerte etwa drei Stunden. Wir zogen durch verschiedene Dörfer und erfreuten uns immer wieder an den herrlichen Terrassenfeldern. Die Unterkunft, wohl die beste auf unserer Reise, war ebenso erfreulich: Wunderbare Zimmer mit Ölradiatoren! Zudem hatte das Personal aus Handtüchern allerlei Tiere her gezaubert. Es war eine Freude, dies zu sehen, wenn man den Raum betrat!


Terrassenfelder im Colca Canyon 

Sonntag, 22.07.12

Früh, nämlich bereits um 06.30 Uhr, starten wir nun richtig ins Valle de Colca. Es gibt vorerst nochmals einen kurzen Halt in Yanque, wo Mädchen bei der Kirche einen traditionellen Tanz zu Ehren der Heiligen Jungfrau Maria aufführten. Am Rande des Platzes hatten sich Frauen mit Adlern und Bussarden zum Fotografieren positioniert. Wir fuhren etwa 37 km bis zum Aussichtspunkt der Kondore Die ersten Kilometer verlief die Strecke noch auf Bitumen, danach auf Schotter. Der Blick durch die Heckscheibe verriet uns anhand der vielen Staubfahnen die uns folgten, dass wir nicht die Einzigen waren, welche diese Riesenvögel bewundern wollten. Schon bei der Anfahrt sahen wir unter uns, tief im Tal, die ersten dahingleitenden Exemplare. Wir waren voller Vorfreude! Wie als Begrüssung glitt ein Kondor-Männchen im Tiefflug über uns hinweg. Dabei sollte es aber nicht bleiben! Der Tag war sonnig und wolkenlos, und es wurde mit jeder Stunde wärmer. Es war also ein idealer Flugtag, und wir sehen 20 bis 30 Kondore kreisen. Ein unvergessliches Erlebnis! Bis zum Mittag wanderten wir dann ins Tal hinunter, genossen die Landschaft und staunten über die Vielfalt von Flora und Fauna. Gegen Mittag trafen wir in Chivay ein, wo wir zu Mittag assen und auf eigene Faust den Markt erkundeten. Im Anschluss wurden wir nach Canocota gebracht. Im Dorf angekommen, schulterten wir unsere Rucksäcke und wanderten drei Stunden, immer dem Fluss entlang, durch das Tal. Am Anfang ging es leicht bergauf, an Feldern und Wiesen vorbei. Nach einem Picknick senkte sich der Weg wieder und es ging bergab einem Schwefelbad entgegen. Dort wartete schon wieder der Bus auf uns. Aber Halt! Soviel Zeit musste aber schon sein! Also rasch den Eintritt bezahlt, Spintschlüssel entgegennehmen und ab in die Badehose! Am Eingang des Schwefelbades befand sich die Schwefelquelle, die wirklich unappetitlich nach faulen Eiern roch. Im Pool selbst war aber von diesem Gestank nichts mehr vorhanden. Wir wollten es kaum glauben, aber pünktlich um 17 Uhr wurde der Stöpsel gezogen! Also dann halt ab zum Bus! Wir hatten den langen Tag über viel Staub geschluckt, aber mit diesem Bad fand ein toller Tag seinen gelungenen Abschluss.


Die Sensation des Tages 
Erfrischung im Thermalbad 

Montag, 23.07.12

Auf Wiedersehen Yanque! Unser nächstes Ziel hiess Puno. Wir fuhren auf den Serpentinen und Pässen des Hinweges wieder zurück und passierten den Mirador de los Andes. Zeitig aufgebrochen, passierten wir diesen Pass bereits gegen 9 Uhr. Die ersten Verkäuferinnen boten schon ihre ausgebreitete Ware feil und warteten hoffnungsvoll auf die zu erwartenden Heerscharen von Touristen. Wir nutzten die Chance und schossen rasch das obligatorische Gruppenbild. Es war erstaunlich, wie rasch sich die Landschaft dann veränderte. Irgendwann bestand der Altiplano nur noch aus Grasstauden, Kakteen, Vicunjas, Andengänsen, schnurgeraden Pisten und riesigen Ebenen. Uns war nicht wirklich übel, aber der Kreislauf hat doch ab und zu etwas verrückt gespielt. Drei Schritte zu schnell, und schon war man völlig ausser Puste! Nachts war es ganz komisch: Der Gang zum WC wurde weit anstrengender als erwartet. Man war hinterher fix und fertig und lag danach minutenlang tief schnaufend im Bett, so, als hätte man einen Marathon bestritten. Das waren die Auswirkungen von über 4000 Metern Höhe. Nachmittags gegen 15 Uhr trafen wir bei den Grabtürmen von Sillustani ein. Mit einem lokalen Guide erkundeten wir das weitläufige Gelände. Wir kamen nicht aus dem Staunen heraus, was Menschen für Gott und Glauben alles bewerkstelligen können. Die Türme waren einzig für Bestattungen errichtet worden. Die Bauweise ist überaus erstaunlich: Fugenloses Mauerwerk mit sieben Grad Neigung nach aussen, dazu auch noch erdbebensicher! Nach einem Umweg über den regionalen Flughafen, wo wir einen liegen gebliebenen Rucksack abholten, trafen wir erst um 17.30 Uhr und bei letztem Tageslicht in Puno einen. Es war gerade noch hell genug, um mit einem Blick noch den Titicacasee zu erhaschen! Das Hotel lag mitten in der Stadt, was den Vorteil hatte, dass man sich schon nach etwa drei Minuten mitten im Zentrum befand. Der Nachteil: Man hing auch nachts am „Puls des Stadtlebens“, ob man wollte oder nicht!


Der höchste Punkt der Reise 
Fahrt über den Altiplano 
Grabtürme von Sillustani 

Dienstag, 24.07.12

Heute war ein Tag auf See angesagt und schon um 7 Uhr ging es zum Hafen. Dass der Titicacasee auf seinen 3850 m. ü M. ein Wirtschaftsmotor, manifestieren die vielen Busse, welche mit zahlreichen Touristen, alle dasselbe Ziel anstreben. Bei blauem Himmel und Sonnenschein aber recht kühler Temperatur besuchten wir die aus Schilfbestehenden Uros-Inseln. Dort wurden wir von einer einheimischen Familie empfangen, welche uns das Leben auf Schilf äusserst lebendig erklärte. Auf die Frage des Familienoberhauptes, ob wir einmal mit dem Mercedes fahren möchten, schauten wir uns ungläubig an. Kurz darauf sassen wir alle in der Nobelkarosse. Es ist dies ein vollständig aus Schilf gebautes, wirklich fahrbares Boot, welches mit Muskelkraft von Vater und Sohn über den See bewegt wurde! Edelmercedes, würde ich sagen! Nach einer Stunde recht romantischer „Paddelei“, stiegen wir dann auf Motorboote um und fuhren in etwa zwei Stunden zur Insel Taquille, die für ihre strickenden Männer bekannt ist. Die Insel liegt mitten im See und erinnerte mich irgendwie an Elba im Mittelmeer. Total romantisch: Blaues Wasser und landschaftlich absolut erste Sahne! Im Hintergrund ragten die schneebedeckten Andengipfel empor. Vom Anleger des Bootes bis zum Hauptplatz war etwa eine Stunde Marschzeit erforderlich. Wir bewegten uns mittlerweile im hellen Sonnenlicht, und unsere Augen konnten sich kaum satt sehen an den unbeschreiblichen Farben und Formen der uns umgebenden Natur. Am Ziel angekommen, hatte man dann die Qual der Wahl: Ein Strickstand neben dem andern! In einem direkt an den Platz angrenzenden Gasthaus mit Blick aufs weite „Meer“, genossen wir frische Forellen. Ein kurzer Badestopp auf der Fahrt zurück nach Puno, durfte natürlich auch nicht fehlen, denn wenn ich schon mal hier war, wollte ich auch ins Wasser, denn wer kann denn schon von sich behaupten, auf fast 4000 Metern über Meer und neun Grad Celsius Wassertemperatur gebadet zu haben!? Wirklich erfrischend war es aber eigentlich nicht, Geist und Körper wurden trotzdem angeregt. Da unser Ausflugsboot ein Sonnendeck besass, fühlte es sich nach dem Bade über wohltuend an, angenehme Sonnenwärme aufzutanken. Am frühen Abend trafen wir, zusammen mit den anderen Ausflugsschiffen wieder am Ausgangsort ein, und es begann wieder das vom Morgen her bereits bekannte unbeschreibliche Durcheinander von Menschen und Kleinbussen.


Bootsfahrt auf dem Titicacasee 
Titicacasee-Insel Taquile 
Bad im Titicacasee 

Mittwoch, 25.07.12

Die Lehrer streikten! Wenn wir noch heute mit dem Zug von Puno nach Cusco fahren wollten, mussten wir schon um sechs Uhr morgens am Bahnhof sein, da die Fahrt wegen diesen Umständen bereits zwei Stunden früher begann. Alles ging sehr geordnet und trotzdem zügig voran: Passkontrolle, persönlicher Fahrschein, freundliches Nicken der Zugbegleiterin, und schon versank man im weichen Polstersitz. Punkt 06.30 Uhr setzte sich die von einer Diesellock gezogene Zug in Richtung Cusco in Bewegung. Diese Zugfahrt werde ich so schnell nicht mehr vergessen! Die zehn Stunden dauernde Reise war überhaupt nicht langweilig. Dank eines mitgeführten Panoramawagens konnte man die Umgebung besonders intensiv geniessen. Es wurden mehrere Menüs offeriert, und auch die Bar war immer ein Besuch wert. Für zusätzliche Abwechslung sorgten zwei Musikdarbietungen, eine Modeschau und eine Piscopräsentation. Wem es dann doch noch zu langweilig wurde, schaute einfach raus aus dem Fenster, und ergötzte sich an Landschaft und fröhlichem Treiben neben den Gleisen. Aus dem Nichts war neben dem Zug ein Marktplatz entstanden. War der Zug durchgefahren, lag alles wieder in nullkommanichts bis zum nächsten Zug wieder auf den Schienen. Das war für uns Europäer ein unwahrscheinlich faszinierendes Erlebnis. Wir erreichen den höchsten Punkt der Fahrt, den La Raya Pass auf 4300 Metern über Meer! Und es gab die Gelegenheit, sich zehn Minuten bewegen und zu fotografieren, so man überhaupt dazu kam. Die Händler hatten uns natürlich schon lange sehnsüchtig erwartet und versuchten uns mit Fotomotiven und Ware zu einem Handel zu bewegen. Alle wollten nur unser Bestes! Man war aber angewiesen, sich nicht zu weit vom Zug zu entfernen, da pünktlich abgefahren werde. Ab jetzt ging es bergab und die Landschaft veränderte sich wieder zusehends und merklich: Es wurde schnell grüner und man sah erste Traktoren. Gegen Ende der Reise bewegten wir uns stetig dem Fluss entlang, hoch über uns die Berghänge! Bei Dämmerung fuhren wir in Cusco ein, schnell das Gepäck in den Kleinbus verladen, und ab geht es in die nächste Unterkunft! Alle waren von der Reise noch etwas aufgedreht, und da das Hotel zentrumsnah lag, unternahmen wir noch einen kleinen Abendspaziergang durch die historische und recht lebhafte Innenstadt.


Das Abenteuer Bahn beginnt ... 
Markt auf Schienen in Juliaca 
Kulturprogramm an Bord 
Zugfahrt nach Cuzco 
Am Pass La Raya 

Donnerstag, 26.07.12

Auf Schusters Rappen nahmen wir am Vormittag einen Rundgang durch Cusco in Angriff. Wir begannen beim Sonnentempel Qorikancha, welche von den Spaniern später teilweise zur Kirche Santo Domenica umgebaut wurde. Das Kuriose an der Sache war, dass, eindrücklich sichtbar, von den Inkas erdbebensicher konstruiert wurde.Die von den Spaniern aus Inkasteinen erbauten Gebäuden haben unter den Erdbeben gelitten.Die Reste der Inkabauten präsentieren sich aber nach wie vor fast unversehrt, obwohl diese lange vor der Ankunft der Spanier errichtet worden waren. Cusco besteht aus einer Mischung von Inka und spanischer Baukunst. Am Hauptplatz besuchten wir die Kathedrale. Diese war geschmückt mit vielen Jesusbildern und reich mit Blattgold verzierten Heilgendarstellungen. Im Anschluss daran setzten wir unsere Tour durch die Innenstadt fort. Dort entdeckten wir auch die berühmte Inkamauer mit dem zwölfeckigen Stein. Da einige unter uns Interesse an Schmuck anmeldeten, organisiert uns Aldo einen Besuch bei einem örtlichen Silberschmied. Dieser zeigte uns sämtliche Arbeitsschritte vom Einschmelzen der Legierung bis zum vollendeten Schmuckstück. Sehr zu unserer Freude durften wir im Anschluss seine Ausstellung besuchen, und nicht wenige der gezeigten Objekte traten später mit uns die Reise nach Europa an. Der Nachmittag stand zur freien Verfügung, welche für Museumsbesuche, zu Einkäufen oder einfach zum Kaffee trinken genutzt wurde.


Inka Mauer in Cuzco 
Inka-Häuptling Pachacuteq  
Hauptplatz von Cuzco 

Freitag, 27.07.12

Mit einem öffentlichen Kleinbus fuhren wir hinauf nach Tambomachay. Bevor die Inkas in Cusco eingetraffen, wurde dieser Ort zur rituellen Reinigung benutzt. Er liegt am Inkapfad, gleich vor den Toren der Stadt. Die Anlage besteht heute noch aus mehreren Wasserbecken, welche in der uns bekannten Inka-Baukunst errichtet worden waren. Nach der Besichtigung wanderten wir noch nach Sacsayhuaman, Puca-Pucara und Qendo. Alles Orte mit beeindruckenden Bauwerken aus alter Zeit. Es ist schwer vorstellbar, dass diese nur mit blosser Menschenkraft erbaut worden waren. Wenn man so vor einem Eckpfeiler steht und sich vorstellt, wie dieser tonnenschwere Koloss seinen Weg vom Steinbruch bis hierher ohne Bagger, Bulldozer oder 3D-Projektion hinter sich gebracht hat, dann relativiert sich die heutige Leistung im Bauwesen schon etwas. Die Anlage besteht aus mehreren Etagen und sind nicht nur gradlinig, sondern aus verteidigungstechnischen Gründen sehr verwinkelt, dazu mit einer Aussenneigung von sieben Grad nach oben, ohne Fugen und ohne Mörtel, und wieder erdbebensicher erstellt worden. Auf dem Weg zurück in die Stadt statteten wir der Jesus Christus Statue, welche von Cusco aus zu sehen ist, noch einen Besuch ab. Der spätere Rückweg führte uns über endlose Treppen bis zum Hauptplatz der Touristenmetropole zurück. Nachmittags besuchte ich noch einige Museen und schaute mir die Stadt auch noch etwas abseits der Touristenströme an, bevor ich zeitig im Hotel verschwand.


Größenverhältnisse in Pukapakara 
Inka-Festung Sacsayhuaman 

Samstag, 28.07.12

Heute stand ein Standortwechsel ins Urubambatal an. Auf dem Plan war nur die Fahrt dahin programmiert. Unterwegs hielten wir bei einer Auffangstation für Wildtiere an. Diese waren von den Behörden aus illegaler Haltung beschlagnahmt worden. Pumas, Peruanische Störche, Kondore und allerlei Papageien bewohnen das Gelände. Gegen eine bescheidene Spende werden die Kondore mit Futter zum Fliegen motiviert. Ein paar Autominuten weiter fanden wir eine Art Lamapark, zu welchem auch ein Ausstellungspavillon gehört. Sämtliche vier Lama-Arten waren dort anzutreffen, auch wurde vermittelt, wie deren Wolle gewonnen und verarbeitet wird. Im Souvenirladen gleich daneben konnte man diese schönen Produkte natürlich auch erwerben. Heute war Nationalfeiertag, und an unserem nächsten Stopp in Pisac fand deshalb nebst dem üblichen Markt auch noch eine grosse Parade statt. Alles was Beine hatte, war unterwegs! Angeführt wurde die Parade von Militär und Polizei, dahinter folgten Schulklassen und Arbeitskollektive. Es kam mir etwas vor wie die 1.Mai-Demonstrationen der ehemaligen DDR. Einen Unterschied erahnte man allerdings schon: Die Menschen schienen hier aus Überzeugung und mit Stolz und Freude teilzunehmen, und nicht, weil es befohlen war. Nachdem der Bedarf an Marschmusik und Souvenirs gedeckt war, strebten wir unser nächstes Ziel an, eine Lodge, in welcher wir die nächsten vier Nächte verbringen wollten. Bereits werden wir dort von Chalo und seinem Team erwartet. Sie waren gerade daran, das Pachamanca-Essen unter heissen Steinen in der Erde zu vergraben. Nachdem alle Quartier bezogen und einen ersten Rundgang im parkähnlichen Anwesen genossen hatten, wurde unser Essen auch schon wieder ausgegraben und dampfend auf dem Tisch serviert. Nebst der eindrücklichen Fahrt und den zahlreichen Erlebnissen des vergehenden Tages war dies ein weiterer Höhepunkt. Es gab verschiedene Fleisch- und Gemüsesorten, Süsskartoffeln und viele leckere Dinge mehr. In meiner Suite eingerichtet, bekam ich noch Lust auf ein paar Schritte durch das nahe gelegene Dorf. Geldautomaten spucken bekanntlich nur ziemlich grosse Scheine aus, und so stand die Verkäuferin im Tante-Emma-Laden sichtlich hilflos da, als ich mit dem „grossen Geld“ und einer Flasche Bier an der Kasse stand. Als ich zum Beweis, dass ich tatsächlich kein Kleingeld besass, auch noch meinen Geldbeutel umdrehte, verschwand sie im Hinterraum und kam kurz darauf mit einer Handvoll Wechselgeld zurück. Zuhause wurde noch rasch der Kamin angefeuert, dann ging es ab ins Bett! Mit Wärme war dann aber nicht viel los, dafür mit Qualm! Das hatte aber trotzdem sein Gutes: Meine Bude bleibt mückenfreie Zone!


Sonntag, 29.07.12

Die Wanderungen im Urubambatal nahmen ihren Anfang! Vormittags bringt uns ein Kleinbus nach Moray. Dort besichtigten wir die sehr eindrücklichen, Amphitheater-ähnlichen Anlagen. Die Inkas haben hier auch versucht, von Wind-, Wasser- und Temperatureinflüssen beeinträchtigte Kulturen zu optimieren. Es existieren drei kreisrunde Anlagen, welche sich allerdings in recht verschiedenen baulichen Zuständen befinden. Von oben sahen sie nicht besonders aussergewöhnlich aus. Hob man dann aber auf dem tiefsten Punkt der Anlage den Kopf, dann realisierte man die erstaunlichen Ausmasse der Bauwerke. Wir wanderten weiter entlang den Feldern nach Maras. Da in Peru gerade Winterferien waren, entdeckte man viele Kinder, welche mit den Viehherden unterwegs waren. Ende August werden jeweils die Maisfelder für die Aussaat vorbereitet. So sah man einige brennende Äcker. Die Asche der verbrannten Pflanzenreste wird als Dünger benutzt. Eigentlich hatten wir vor, den Schatten der Kirche von Maras als Mittagsrastplatz zu nutzen, aber just an diesem Tage wurde geheiratet. Unzählige Kinder auf dem Kirchplatz bewogen uns, unsere Rast etwas abseits an einem ruhigeren Feldrand einzulegen. Frisch gestärkt ging es dann bergab zu den Salzterrassen, die schon von weitem mit ihrem leuchtend weissen Überzug auf sich aufmerksam machten. Die Terrassen befinden sich in einer Schlucht und werden von einer relativ bescheidenen Quelle gespeist. Sie sind begehbar, sodass wir den Abbau des Salzes hautnah erleben konnten. Auch hier konnte man in einem gleich daneben erstellten Laden alles erstehen, was irgendwie mit Salz in Verbindung stand. Weiter ging‘s, Tal abwärts zum Fluss! Da der Bus noch nicht am Treffpunkt stand, bevölkern wir das nahe Restaurant und geniessen einen leckeren Cappuccino. Irgendwann traf dann unser Transportmittel ein und brachte uns zurück zur Lodge.


Versuchsfelder von Moray 
Salzterrassen von Maras 

Montag, 30.07.12

Wir hatten heute vor, nach Huchuy Cusco auf 3700 m. ü. M. aufzusteigen. Das war früher eine Sommerresidenz der Inkaherrscher. Ausgangspunkt war Lamay, ein kleiner Ort im Urumbatal, am Fluss gelegen, von hohen Bergen umsäumt. Die Wanderung sollte sich als strengste Etappe unserer Reise entpuppen. Wir hatten zwar Winter auf der Südhalbkugel, die Tage waren aber um 22 °C warm, nur die Nächte waren recht kühl. An diesem Tag herrschte eine Temperatur von 25 °C. Wir kletterten den ganzen Tag an praller Sonne zickzack den kurvenreichen Pfad empor, eine richtige Schinderei war das! Nicht alle in unserer Gruppe waren diesen Strapazen gewachsen und kehrten um. Der Rest hielt sich tapfer und wurde mit spektakulären Ausblicken auf die Berge entschädigt. Huchuy Cusco ist auf einem Plateau gelegen, eine Felswand im Rücken, eine Schlucht davor. Eine bessere Vorsorge, seine Ferien geruhsam verbringen zu können, kann man sich gar nicht vorstellen. Wir wollten eigentlich gerade unser Mittagessen einnehmen, als ein Aufpasser mit dem Besucherbuch erschien und die Eintrittskarten kontrollierte. Ordnung muss sein, auch auf 3700 Metern! Wir kamen aber dann doch noch zum Essen, auch für ein anschliessendes Schläfchen reichte es noch. Zudem sind wir nun geistig und körperlich auch wieder in der Lage, den Worten Aldos zu folgen. Also machten wir uns auf, die Anlage zu erkunden. Die Häuser sind entweder aus ganz normalen Steinen, oder aber schon im uns nun bekannten erdbebensicheren Stil der Inkas erbaut. Wohnhäuser, Verwaltungsgebäude und die Stützmauern verfügten über eingebaute Treppen. Immer wieder ergötzten wir uns an den herrlichen Bildern der Berge ringsum. Beim Abstieg frischte der Wind plötzlich auf, dicke Wolken zogen im Tal auf. Der Abstieg war rasch bewältigt und der Bus wartete auch schon Auf uns. Während der Fahrt durch das Tal entdecken wir in einem Seitental einen Regenbogen. Ein anstrengender aber wunderschöner Tag neigte sich seinem Ende entgegen.


Rast in Huchuy Qosqo 

Dienstag, 31.07.12

Schon wieder Sonnenschein! Aldo verkündete trotzdem wie immer 50%ige Regenwahrscheinlichkeit und empfahl, die Regensachen mitzunehmen. Da ich sie während der letzten Tage immer umsonst mitgeschleppt hatte, packte ich sie heute entgegen Aldos Rat aus und zog mir die kurzen Hosen an. Im Focus befand sich heute das Pumahuancatal. Es wurde eine teils recht schattige Tour, war aber im Vergleich zu Vortag eher ein Spaziergang, welcher immer an einem Bach entlang und durch romantische Lichtungen führte: Endlose Einladungen zum Verweilen! Unterwegs kamen wir an Ruinen vorbei, die zur Inkazeit an einem Hauptweg lagen und deren Gebäude früher wahrscheinlich zur Eintreibung von Zöllen angebracht worden waren. Unser Ziel ist ein Wasserfall, welcher sich aber zugleich im Bereich eines Passes befindet. Von dort aus genossen wir einen wunderschönen Blick ins Tal und die dahinter liegenden Berge. Es begegneten uns Kinder, welche mit Schafherden unterwegs waren. Aus dem Gespräch mit ihnen erfuhren wir, dass wir bei ihren Eltern zum Mittagessen eingeladen seien. Vorerst genossen wir die Idylle des Wasserfalles. Später assen wir bei den freundlichen Gastgebern zu Mittag und wir erhielten einen Einblick in das Leben im Andengebirge: Kein Strom, kein Wasser im Haus, die nächste Ortschaft eine Stunde zu Fuss entfernt! Für uns verwöhnte Europäer eine unvorstellbare Lebensweise.


Wasserfall im Pumahuancatal 

Mittwoch, 01.08.12

Heute kamen wir dem Höhepunkt unserer Reise wieder ein kleines Stückchen näher gerückt. Am Vormittag erreichten wir Ollantaytambo, eine fantastische Festung, deren Mauern und Terrassen sich elegant an die umliegenden Felsen schmiegen. Die Anlage besitzt ein komplettes Bewässerungssystem. Beeindruckt waren wir auch von den haushohen Felsblöcken, welche zu Hauswänden verarbeitet worden waren, und die Dank eingearbeiteten Steinstreifen wiederum sicher sind vor Erdbeben. Beim Blick auf die angrenzende Stadt sah man aber auch Kirchenbauten, die von Spaniern unter Verwendung von Inka-Steinen errichtet worden waren. Um 13 Uhr folgte dann die Fahrt mit einem Touristenzug nach Aquas Calientes. Während 90 Minuten brachte uns die Eisenbahn durch eine Schlucht, später immer dem Fluss entlang, auf eine Höhe von 2400 Metern. In der Stadt ausgestiegen, wimmelte es nur noch so von Touristen, welche alle nur ein Ziel hatten: Machu Picchu! Die Touristen sind der Motor der Stadt. Alles ist auf sie abgestimmt: Hotels, Gastronomie und nicht zuletzt allerlei „Schnickschnackläden“.


Donnerstag, 02.08.12

An diesem Tag ging es aber wirklich sehr zeitig los! Wir brannten darauf, nach Machu Picchu zu kommen! Schon vor sechs Uhr fuhren wir über scheinbar endlose Kurven hoch hinauf auf das Plateau. Da pro Tag nur 2500 Tagestouristen zugelassen sind und alle den Sonnenaufgang erleben wollten, herrschte am Busbahnhof im Tal ein Riesengedränge. Dank der guten Organisation allerorts erreichten wir zeitig die Anlage, und durften vom Wächterhaus aus einen unvergesslichen Sonnenaufgang erleben. Zu dieser Zeit warteten die meisten Touristen an den umliegenden Hängen auf diesen Genuss. Daher zeigte sich die Ruinenstadt beinahe menschenleer, und man konnte in aller Ruhe Fotos der Anlage ohne Touristen machen. Keine Wolke, kein Nebel trübte dieses wunderbare Erlebnis. Zwei Dunstwolken zogen dann vom Fluss kommend dann doch noch durch die Ruinen, aber das war’s dann für diesen tollen Tag auch schon gewesen! 27 Grad, kein Wind, was will man denn noch mehr?! Wir wanderten nun zur Eingangspforte, der Einlass zum Nachbargipfel Hayana Picchu. Bis acht Uhr wurden dort die ersten 200, ab zehn Uhr die letzten 200 Besucher eingelassen. Kein Wunder, war das Gedränge enorm. Wir hatten aber keine Not. Ich besass die Nummer 129. Man musste sich mit Pass und Unterschrift ins Besucherbuch eintragen. Der Pfad führte 90 Minuten, zum Glück im Schatten, bergauf. Der Gipfel mit dem Opferstein und dem Thron wurde eifrig benutzt für mannigfaltige Schnappschüsse! Da kam man ja wohl nicht gerade wieder vorbei! Bei klarer Fernsicht erfreuten wir uns am unbeschreiblichen Panorama der schneebedeckten Anden und an der unter uns liegenden Ruinenstadt. So einen fantastischen Ausblick konnte man ausschliesslich hier oben einheimsen, und wir erhielten genügend Zeit, alles wirklich eingehend zu geniessen. Nach etwa 20 Minuten war es dann aber doch so weit: Wir kehrten zurück, über eine Route, welche an Lagerhäusern der Inkas vorbei führte. Es war gut, dass zur Sicherung der Wanderer Seile angebracht waren. Die Treppenstufen waren so klein, dass man sich unwillkürlich fragte, wie die Inkas bei der zusätzlichen Steilheit des Weges überhaupt imstande waren, diesen zu erklimmen, dazu auch noch mit schweren Lasten. Der Rückweg war in der Hälfte der Zeit des Aufstiegs bewältigt. Die äusserst umfangreiche Ruinenstadt wurde uns dann im Laufe des Nachmittags im Rahmen einer Führung eingehend erklärt. Zu diesem Zeitpunkt wimmelte es da nur noch so von Menschen aus aller Welt. Eine Gruppe nach der andern drängte von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit. Nach neun Stunden hatten uns die gewaltigen Eindrücke überwältigt, sie setzten uns quasi schachmatt, und glücklich, aber wirklich müde traten wir den Rückweg in die Stadt an. Dort angekommen, suchten wir uns eine Pizzeria und liessen uns die Köstlichkeiten und Biere von Herzen schmecken! Dieser Tag hatte bei uns so gewaltige Eindrücke hinterlassen, dass wir uns bis zur Abfahrt des Zuges nach Ollantaytambo am selben Abend im Foyer des Hotels niederliessen, um diesen wundervollen Tag noch einmal Revue passieren zu lassen. Nach 90 Minuten hatte uns die Eisenbahn dann dahin transportiert, der Reisebus wartete bereits auf uns und würde uns in zwei Stunden Fahrt nach Cusco bringen. Alle sehnten sich nach diesem langen und erlebnisreichen Tag nur noch nach einem: Ja, was wohl???


Machu Picchu zum Sonnenaufgang 
Machu Picchu von oben 
Der Gipfel Huaynapicchu 
Machu Picchu bei bestem Wetter 

Freitag, 03.08.12

Frühmorgens wurden wir zum Flughafen gebracht, um gegen zehn Uhr nach Lima zu fliegen. Schon gegen Mittag sind wir wieder im selben Hotel, wo wir schon unsere erste Nacht auf unserer Reise verbracht hatten. Das Wetter hat nun auch wieder konsequent gedreht: Es ist stark bewölkt und wieder hat, bei zwar doch etwa 19 Grad, Sprühregen eingesetzt. Da um 14 Uhr noch eine Stadtführung beginnen sollte, wurde die freie Zeit noch für unterschiedliche Aktivitäten genutzt: Die Einen machen einen Mittagsschlaf, die Anderen gehen eine Kleinigkeit essen, die Dritten bummeln durch den Stadtteil Mira Flores. Den Stadtrundgang mussten wir uns allerdings noch etwas abverdienen: Es galt, diverse Staus zu überwinden, und die sogenannte „Rushhour“ nahm etwa dieselben Dimensionen für sich in Anspruch wie jeweils Zuhause in Deutschland. Es kam noch erschwerend hinzu, dass ja bekanntlich Lehrerstreik stattfand, so war auch noch viel Polizei unterwegs. Es dauerte also seine Zeit, bis wir am Hauptplatz anlangten. Dort erhielten wir die Möglichkeit, die angrenzenden Gebäude nach einer kurzen, vorgängigen Erläuterung auf eigene Faust zu erkunden. Beim Präsidentenpalast fand gerade die Wachablösung statt. Dann erhielten wir Zutritt zu einem heute noch bewohnten Franziskanerkloster. Das Alter und die Erdbeben hatten dort allerdings etliche Spuren hinterlassen, trotzdem präsentierte sich das Gebäude noch als sehr eindrückliche Baukunst. Langsam ging der Tag zur Neige und wir müssen uns sputen, denn wir wollten noch zum Goldmuseum, um die prächtigen schätze der Inkas zu bewundern. Wieder war die Fahrt dahin sehr zeitraubend! Wir schafften es aber gerade noch rechtzeitig um die Ausstellung in Augenschein zu nehmen. So eine Pracht verschlägt einem nun wirklich die Sprache! Schade, dass so wenig aus dieser Zeitepoche übrig geblieben ist! Wir waren heute die letzten Besucher, deshalb waren die Wärter so freundlich, die Tore für uns 20 Minuten länger offen zu halten. Zurück in der Stadt hatte uns Aldo für unser Abschlussessen extra Plätze in einem Restaurant reserviert. Das Essen war wie immer vom Feinsten! Im Anschluss daran setzten wir uns zusammen mit Aldo in die Hotellobby und wir diskutierten über die nun leider zu Ende gehende Reise. Es wurde noch so lustig, dass wir von der Rezeption wegen der Lautstärke ermahnt wurden!


Aldo als Entertainer 

Samstag, 04.08.12

Nun sollte also unser Flug zurück nach Europa heute Nachmittag über die Bühne gehen! Vormittags verfügten wir noch über etwas Freizeit. Wir bildeten kleine Gruppen und die unsrige beschloss, dem Pazifik noch einen letzten Besuch abzustatten. Dort guckten wir den Wellenreitern zu. Es war wieder bewölkt und trübe, aber immerhin nicht nass – Abschiedswetter halt! Nachmittag begleitete uns Aldo noch zum Flughafen! Unsere Südamerikareise war zu Ende! Der Rest war dann wieder Reiseroutine! Schön war’s gewesen! Danke Aldo!


Peru - "Auf den Spuren der Inka"
Reisezeitraum: 15.07. bis 05.08. 2012
Reisebericht von Thomas Billig

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