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NIGER - Ténéré und AIR

Ein Bild- und Reisebericht unserer Stammkunden Doris und Eike Fröhlich zur Niger-Reise vom 26.10. – 11.11.2004

Geschieben im Juli 2005:

Als wir im Intercity in Richtung Flughafen Frankfurt saßen, machte sich in uns endlich das freudige Gefühl breit - im dritten Anlauf war es uns geglückt, wir sind unterwegs, unterwegs in eines der extremsten Gebiete der Sahara, in die Ténéré und das Aïr- Gebirge.
Via Casablanca mit einem etwas längeren, aber für einen Stadtbesuch wiederum zu kurzen Aufenthalt, erreichten wir noch vor Morgengrauen Niamey, die Hauptstadt Nigers.


Hotelterrasse vom "Grandhotel" in Niamy


Ein, zwei Stunden verpaßten Nachtschlaf nachgeholt, tauchten wir zur Einstimmung auf die Landesmentalität im turbulenten Treiben der Basare unter.


…erste "Kontaktaufnahme" - auf einem der Obst- und Gemüsebasare in der Hauptstadt Nigers


Zum Sonnenuntergang tuckerten wir mit 2 Pinassen auf dem majestätisch dahin strömenden Niger umher bevor der erste Abend auf der angenehm kühlen Hotelterrasse schon bald seinen Ausklang fand.


Pinassenfahrt auf dem abendlichen Niger…


Am zeitigen Morgen - 5 Uhr - wurde das Gepäck verstaut und gleich nach einem "französischen" Frühstück ging es auf die knapp 1.000 km Strecke an den Rand der Ténéré und des Aïr nach Agadez.
Eine recht abwechslungsreiche Landschaft zog an uns vorbei. Der anfänglich noch waldähnliche Bewuchs lichtete sich zusehends, wurde immer mehr von spärlichen Hirse- und Sorgumfeldern unterbrochen, die nach und nach in karge Weideflächen übergingen. Allerlei Tiere - Chameaux, hell- und dunkelbraune Kühe mit ausladendem Gehörn, Esel, Schafe, Ziegen, Reiher und Heuschrecken bekamen wir zu Gesicht. Mit Eintritt der Dunkelheit war unser fernes Ziel Agadez, am Südrand der Sahara erreicht.
Zur individuellen "Klimatisierung" gab es am nächsten Tag vormittags einen Bummel durch Agadez mit Besuch der aus dem 16. Jhd. stammenden Moschee mit ihrem aus gestampften Lehm errichteten Minarett. Ein MUSS für alle Agadez-Besucher !


Das bekannte Minarett der aus dem 16. Jahrhundert stammenden Moschee von Agadez in der hier typischen Lehmarchitektur …


Vom Minarett aus zeigten sich die unerwarteten Ausmaße der Stadt. Danach schauten wir noch schnell bei einem Silberschmied über die Schulter und besuchten den wöchentlichen Tiermarkt bevor die große Mittagshitze kam.


… auf dem Tiermarkt von Agadez


Ein 3-Bettzimmer im Hotel "TIDENE" - Agadez


Während wir in den Räumen der Planéte Sable-Agentur ein erfrischendes Mittagsmahl zu uns nahmen, wurden die 4 Toyotas reisefertig beladen und schon bald rollten wir aus der Stadt heraus. Mit der Stadt ließen wir auch die Straßen hinter uns und bald war auch der Wasserturm - als höchstes Bau-
Werk der Stadt - nicht mehr zu sehen. Einzelnen Spuren folgend oder sie kreuzend suchte sich unser Fahrer Gabriel mit sicherem Blick, hinter dem Ortskenntnis steckte, seinen eigenen Weg durch die kaum bewachsene hügelige Landschaft. Doch was war da plötzlich vor uns, eine dunkle Menge, die sich beim Näherkommen als eine Anhäufung von mehreren Tierherden enthüllte - wir hatten einen Brunnen aufgespürt. Der mußte natürlich von uns betrachtet werden. In absoluter Disziplin, geordnet nach Chameau, Rind, Esel und Ziege warteten die Vierbeiner geduldig bis sie an die Tränke durften.
In mühsamer Plackerei hievten die Nomaden mit Hilfe ihrer Tiere das Wasser aus bis zu 50 m Tiefe nach oben.


Schwerstarbeit der Nomaden beim Tränken ihrer Kamel-, Rinder-, Esel- und Ziegenherden an den wenigen Brunnen am Südrand der Ténéré…


Für uns hieß es weiterfahren.
Bald blieb auch der letzte grüne Bewuchs zurück und wir rollten über blanken Sand, mal etwas fester, dann wieder sehr locker - so sollten die nächsten Tage dann aussehen!
Im Schein der untergehenden Sonne richteten wir am Fuß einer sanften Düne unser Nachtlager ein. Nach dem köstlichen Abendessen und dem traditionellen Tuareg-Tee stellten wir unsere Trinkflaschen in den "Kühlschrank", krochen in unsere Schlafsäcke und genossen den so lang entbehrten, traumhaften Sternenhimmel, das Atmen der Wüste, das Flüstern des Sandes, das Streicheln des abends nachlassenden Windes - wir waren endlich wieder in der Sahara ...!
Gegen 6°° Uhr aufgewacht. Trotz Vollmond hatten wir gut geschlafen. Es ist immer wieder wundervoll in solch einer Umgebung zu erwachen und die reine Luft der morgendlichen Kühle in sich aufzunehmen. Unser "Schlafzimmer" wurde in den Reisetaschen verstaut und zu den Jeeps gebracht, wo bereits der Frühstückstisch gedeckt war: Baguette oder Fladenbrot belegbar mit Margarine, Streichkäse, Honig und Konfitüre, dazu Tee und Kaffee mit oder ohne Milchpulver war täglich im Angebot. Wir entwickelten einen gesunden Appetit.
Während die Küche verstaut und die Jeeps beladen wurden, gab es allmorgendlich eine mitunter recht ausgedehnte Wanderung im steten Auf und Ab durch die erwachende Wüstenlandschaft. Wenn uns dann die Jeeps einholten ging es zumeist etwas flotter weiter, längs der nordöstlich verlaufenden Dünen.
Wir trafen noch ein, zwei Herden, zumeist Ziegen und Esel, einen vermutlich für längere Zeit letzten Brunnen, entdeckten versteinerte Bäume und sahen schließlich nur noch Sand!
Im spärlichen Schatten einer einzelnen Akazie war Mittagsrast - mit Reis, Gemüse und Ölsardinen, Orangen und Tee - bei über 55° in der Sonne. Spätnachmittags ging es weiter. Nach der Passage einer mit scharfkantigen Felsplatten übersäten Hamada ähnlichen Ebene erreichten wir unser nächstes "Dünenhotel" im feinsten Sand gelegen und die allabendliche Prozedur nahm ihren Lauf.
Den Sonnenaufgang fast verschlafen - die vielen neuen Eindrücke waren doch etwas ermüdend - ging es nach dem Frühstück wieder per pedes vorwärts. Über ein, zwei Dünen, dann wurde es plötzlich absolut flach, wie ein Brett erstreckte sich die Wüste in endloser Weite. Mit den Jepps erreichten wir bei recht flotter Fahrt bald den Abre de Ténéré - ein altbekannter Orientierungspunkt in der hier immer unübersichtlicher werdenden Sandlandschaft.
In der Vormittagshitze beim sanften " Geschüttel" im Jeep leicht vor uns hin dösend schimmerte am Horizont etwas Dunkles, eigentlich in das Ockergelb der Wüstenfarbe nicht Passendes...!
Beim Näher kommen bewegte es sich sogar, es war eine Salzkarawane - unsere erste!


…"unsere" erste Salzkarawane auf ihren 20tägigen Hinmarsch zu den Salinen der östlichen Oasen Fachi und Bilma - ca. 250 Dromedare!


Schon viel hatten wir über die Tradition der seit Jahrhunderten durchgeführten Salztransporte gelesen. Jetzt standen wir der Realität gegenüber. Einfach traumhaft! Ca. 250 mit Futter, Trinkwasser, Nahrungsmitteln und Brennmaterial beladene Dromedare, zogen vom Aïr kommend an uns vorbei in Richtung der Salz-Oasen Fachi und Bilma, eine Streck von reichlich 600 km quer durch die lebensfeindliche Ténéré. Wir waren tief gerührt und bemerkten wohl gar nicht, dass uns die "Mittags-Akazie" fehlte, es gab hier keine. Während wir vor der brütenden Hitze (mindestens 60°) unter den Jeeps Schatten suchten, zog die Karawane unbeirrt weiter.


Die sanfte Weite der einsamen Wüste - wie geht's weiter…


Auf der Weiterfahrt am Nachmittag trafen wir in der traumhaften Dünenlandschaft noch auf eine weitere Karawane, es sollte nicht die letzte sein - bis ins Aïr zählten wir insgesamt 15 Karawanen.


…eine der weiteren 15 Karawanen die wir zu Gesicht bekamen, einschließlich der "mitlaufenden Verpflegung" in der hier gar nicht so sanften Ténéré


Noch vor Sonnenaufgang munter geworden konnte der beginnende Tag in seiner ganzen Pracht genossen werden.
Immer wieder ein herrlicher Anblick, wenn die Schatten der Sanddünen bei der steil aufsteigenden Sonne kleiner werden und sich die Farben des Sandes permanent ändern bis er schließlich im warmen Ockergelb erscheint.
In der Oase Fachi, die aus einem verfallenen älteren und dem neueren Teil besteht, wurde Trinkwasser nachgefaßt - es ist für seine besonders gute Qualität bekannt - besuchten wir eine Saline. Die Salzgewinnung ist eine Knochenarbeit in brütender Hitze!


…oberhalb der Saline in der Oase Fachi…


Nördlich der Oase durchfuhren wir erneut eine Traumlandschaft. Über einen kleinen Paß querten wir die Falaise von Fachi. Wo es anfangs noch recht steinig war trafen wir hinter dem felsigen Bergkamm zunehmend auf Sand feinster Körnung, in dem man kaum festen Tritt fand. Unsere Fahrer hatten es nicht einfach. Trotz Allrad steckte öfters einer der 4 Jepps bis zu den Achsen im Sand, da gab's nur
eines - alle in der Nähe verfügbaren Hände buddeln und schieben bis die Räder wieder "griffen"!
Einmal kamen sogar die an "Bord" befindlichen Sandbretter zur "Befreiung" unseres Jepps, nachdem wir einen Steilabsturz bewältigt und uns gleich darauf tief "eingegraben" hatten, zum Einsatz.


…eine zeitraubende Zwangspause - beim Queren einer der zahlreichen, aus lockeren Sand bestehenden Dünenkämmen!



Die Nacht kam uns dabei fast über den Hals und wir richteten in diesen Dünen die Schlafzimmer ein. Das vom Koch Sani wie immer sehr schmackhaft bereitete Abendessen mundete nach der Anstrengung besonders.
Suppe + Baguette, Linsen mit Kartoffeln + Gemüse und zartem Ziegenfleisch sowie Mischkompott - es wurde alles aufgegessen!
Auf den Spuren der berühmten Afrikaforscher erreichten wir am nächsten Tag die Oase Bilma mit ihren etwas außerhalb gelegenen zahlreichen Salinen. Dort trafen wir auf gerade angekommene oder kurz vor dem Aufbruch befindliche, schwer mit Salzkegeln bepackte Karawanen. Noch vor Sonnenuntergang wurde eine sehr hohe Düne mit einem wunderbaren Rundblick zum Hotel erklärt. Wir nächtigten gegenüber den ausgedehnten Falaise de Bilma, sahen nachts die Beleuchtung des Ortes und erwachten morgens unter einem purpurfarbenen, über Violett zu üppigem Orange übergehenden Himmel - es war ein faszinierendes Farbenspiel, einzigartig und unbeschreiblich schön.


Sonnenaufgang über den Falaise de Bilma…


Vom Frühstück gestärkt marschierten wir 8-9 km. Es war schweißtreibend, aber wir wurden in der nächsten Oase mit einem echten "Frühschoppen" in einem Cafe belohnt. Dirkou, eine kleine, saubere Oase nördlich von Bilma mit einem Basar der fast alles bietet was man sich wünschen kann, hinterließ bei uns einen bleibenden Eindruck!


Stippvisite auf dem Wochenbasar in der Oase Dirkou


Von Dirkou schwenkten wir nach links in westliche Richtung ab und begannen eine erneute Durchquerung der Ténéré, um uns dem Air-Gebirge zu nähern.
Die Dünen wurden zusehends flacher, der Untergrund oft fast sandlos, steinhart ausgetrocknet - wir kommen gut voran. Zum Nachtquartier wurde eine Düne gefunden. Am nächsten Tag geht es so weiter - flacher geht es nicht mehr - man verliert jeglichen Größenbezug, die etwaigen Entfernungen sind nicht mehr bestimmbar. Noch zeitig am Vormittag erreichen wir den Brunnen von Achegouar, eine Wüstenkreuzung zahlreicher, unsichtbarer, vom ständig blasenden Wind verwehter Karawanenwege und LKW-Trassen.
Schnell Wasser gefasst und weiter - doch bald war unser Jeep heiß gelaufen, ein unvorhergesehener Stop hier in der heißen unendlichen Weite. Ein eigenartiges Gefühl kam auf, rundum flacher Sand, Sand, Sand soweit das Auge blickt - nur durchbrochen von unserer eigenen Spur und dem Glitzern der trügerischen Fata Morgana-Seen...!
Doch bald kann's weitergehen, hinein in die unendliche Weite. Gegen Mittag wird das schwarze Massiv des Adrar Madret sichbar, wo nach gut einer Stunde im Schatten einer kleinen Akazie das wie immer erfrischende Mittagsmahl eingenommen wurde.
Die Landschaft wurde wieder welliger, einzelne Dünen bauten sich vor uns auf und am Horizont zeichneten sich die Konturen eines Gebirges ab, das Aïr-Gebirge. Nach einer etwas anstrengenderen Fahrt, Düne hoch und Düne runter, mal links, mal rechts ausweichend - es wurde gebuddelt und geschoben, hatten wir es geschafft. Kurz vor Sonnenuntergang standen wir auf einer hohen Düne inmitten des Arakau - der so genannten Krabbenschere - ein Traum von Schlafzimmer...!


Einfahrt in die "Aracau" - Krabbenschere - an der Ostseite des Air-Gebirges



im Aracau - Krabbenschere - beim morgendlichen Spaziergang über die ausgedehnten Dünenkämme des aus der Ténéré im Laufe der Jahrhunderte hereingeblasenen Treibsandes


Die aufgehende Sonne bescherte uns unbeschreibliche Natureindrücke, ein grandioses Farbenspiel zwischen Felsen, Sand und Schatten bei dem sich schnell verändernden Einfallswinkel des immer intensiver werdenden Sonnenlichtes - per pedes und im Jeep können wir dies ausreichend genießen.
In den nächsten Tagen entdecken wir die vielfältigen Schönheiten des Aïr-Gebirges. Durch enge Schluchten fuhren wir hinein ins Gebirge und wanderten zur Guelta Gab-Gab, badeten in einem riesigen See inmitten einer endlos erscheinenden Dünenlandschaft, besichtigten unzählige Felszeichnungen und rollten durch immer neue, z.T. fast unwirklich, kulissenhaft wirkende Landschaftsformationen.


...wunderschöne Felsgravuren [6.000 - 8.000 Jahr] kann man bewundern an den Felsklippen einzelner Geländeerhebungen am Südostrand des Air-Gebirges


Von kahlen Sandflächen mit sanften Dünen und felsigem Hintergrund bis zu schroffen, bis zu 2.000 m aufragende Felsriesen oder savannenähnliche Täler umrahmten Felsmassiven unterschiedlichster Färbung - kaum vorstellbar!


…eine imposante Bergwelt des mittleren und westlichen Air-Gebirges


In der Bergoase Timia verbrachten wir nach vorherigem Bade in den Cascaden von Timia eine Nacht in Sillis "Paradiesgarten".


…unterwegs in der Gebirgsoase Timia…


Infolge des reichlich zur Verfügung stehenden Grundwassers und des warmen Klimas erntet er hier über das ganze Jahr schmackhaftes Obst und Gemüse, was wir ausreichend probierten.
In knapp 2tägiger Fahrt bewältigten wir dann mitunter nur im Schrittempo auf der Haupt- und zugleich einzigen Straße die restlichen 250 km bis nach Agadez, wo mit einem festlichen "Abendessen" unser 12tägiger Ténéré-Trip ausklang.



Schnell wechselnde Landschaftsformationen auf der Fahrt durch das südliche Air in Richtung Agadez zu unserem Ausgangsort…!


Nochmals unser Dank an unseren fleißigen Koch Sani, an unsere Fahrer Gabriel, Sidi, Achmed und Beschir sowie an Seddik, der nicht nur unser liebenswürdiger Tuareg-Chef , sondern auch der "morgendliche Wanderleiter" war und diese erlebnisreiche Tour für uns organisierte.

Die Wüste und ihre Bewohner lassen uns nicht mehr los - wir kommen wieder - SAHARA !
Doris und Eike Fröhlich (im Sept./Oktober 2005 wieder mit schulz aktiv reisen unterwegs, dieses Mal durch Libyen über Ghadames, Akakaus und den Mandara-Seen.)


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