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15 Tage Kameltrekking, Nomadenleben und Kultur
Tourbeschreibung

Fotos copyright by Monika Grunder Dakhamat, Eike Fröhlich und schulz aktiv reisen
Text copyright by Angelika Whitehead

Zwei Frauen, zwei Männer, 4 Kamele: Süd-Marokkos Wüste – intensiv!

"Wie kommt man dazu, mit 50 in die Wüste zu wollen? Eine Sehnsucht nach Weite, Stille, hautnahes Erleben dieser besonderen Natur, etwas Abenteuerlust? Von jedem etwas dürfte es gewesen sein, was Helga und mich bewogen haben, diese von "schulz aktiv reisen" geplante Tour zu unternehmen.

Der Weg in die Stille ist weit – von Deutschland nach Agadir, und dann nochmal ca. 600 km quer durchs Land. Was für Eindrücke nehmen wir bereits hier auf: einsame Straßen, durch Ebenen mit Argana- und Obstäumen, gewunden durch die Berge, die mal aufgeworfen zu Wellen, mal silbern schimmernde Geröll"halden" sind, Ortschaften, wo sich Lkws, Autos, Fahrräder, Eselskarren und Fußgänger einträchtig die Wege teilen, Menschen, die in den Weizenfeldern arbeiten, Männer, die an Häusern bauen, Frauen, die große Mengen Futtermaterial tragen, Kinder, die gespannt in unser Auto schauen.
Der Weg wird mit einer Übernachtung in Quarzazate unterbrochen, bis wir am Nachmittag des zweiten Tages über Zagora kommend den Ort Oulad Driss und das Zelthotel "Chez la Pacha" erreichen, unsere letzte Station vor der Wüste!

Endlich, am 3. Reisetag geht es los: wir erleben das Bepacken der Kamele, bekommen noch "gute" Ratschläge von einer anderen Gruppe und dann ziehen wir mit Spannung los: Mohamed, der Guide, Hussein, der Kamelführer, 4 Kamele, Helga und ich. Wir bekommen unseren Wüstenturban, der uns ab jetzt begleiten wird, gebunden und ziehen durch den Palmenhain, über Felder, durch einige Lehmhäuser und dann ist sie plötzlich da: die Weite der Wüste.


Beim Kamel beladen


Los geht's...


Unterwegs im Gebirge


Unendliche Dünen



Es geht über Geröll und Stein, wir müssen uns erstmal an das Marschtempo gewöhnen, dass die Schrittgeschwindigkeit der Kamele ist, vor oder neben denen wir gehen. Unsere erste Pause nach ca. 1 Stunde wird mit einer köstlichen Orange bereichert, wie ab jetzt jeden Tag. Wir lassen uns im Weitergehen langsam von der Weite gefangen nehmen, man muss sich erst daran gewöhnen, an diesen endlosen Blick! Wie wunderschön!
Nach weiteren ca1, 5 Stunden ist schon unsere erste Mittagsrast angesagt. Wir haben einen Tamarisk-Baum angesteuert, an dessen zerklüfteter Borke unsere Fußsohlen kühlen können. Denn wir Frauen brauchen ausser uns auszuruhen nichts zu tun. Unsere Begleiter laden die Kamele ab, damit diese Futter suchen können, legen "unseren" Teppich aus, der erste grüne Tee und gesalzene Nüsse werden uns serviert. Das tut gut. Dann hören wir ein Raspeln und schneiden hinter dem Windschutz und als Mittagessen wird ein köstlicher Salat aus frischem Gemüse serviert. Schön angerichtet und verziert. Und als Krönung: frische Melone mit Orange und Zimt! Wir werden uns auch daran gewöhnen, denn das Essen bleibt bis zum letzten Tag so gut – dank "Wüstenkühlschrank". Da alles immer frisch zubereitet wird können wir das Essen sehr gut vertragen, fühlen uns gestärkt aber unbelastet, und der „Marrakesh-Express“ verschont uns während der Reise.


Unterwegs



Kameltränke


Salatteller


Beim Brotbacken


Mittagsrast


Wir hören den Wind brausen, der immer stärker wird. Wir müssen uns in Decken und die Tücher einhüllen und erleben unseren ersten Sandsturm, der den Sand wie Geisterfinger den Berg hinuntertreibt. Ein erster Eindruck vom Wind, der uns auch den Rest der Tour erhalten bleibt, mal stark und kalt, mal Kühlung zufächelnd und willkommen in der Tageshitze, mal Sand vor sich vorhertreibend.
Irgendwann, nach mind. 2, 5 Stunden Pause, geht es weiter, wir lassen uns vom Sturm nicht abhalten, Tuch und Sonnenbrille schützen uns ganz gut. Irgendwann sehen wir von weitem die ersten Dünen, das Herz klopft vor Freude. Hier wollen wir unsere erste Nacht verbringen, in der wunderbaren Landschaft. Wie jeden Abend sucht Mohamed immer sehr malerische Nachtlager aus, mit „Bad“-Möglichkeiten und viel Ausblick zum schauen und träumen. Das Abladen der Kamele, der Aufbau des Zeltes, alles muss schnell gehen, da der Sturm auffrischt. Nur heute müssen wir im großen Kochzelt Schutz suchen, bis der Sturm nachläßt. Das erste Abendessen können wir wieder draußen einnehmen: "Harera", die gute Tomatensuppe und später – im Dunkeln- Gemüse und Fleisch, lecker gekocht! Bismillah! Wir suchen uns unsere ersten Schlafplätze in der Düne, nur vom unendlichen Sternenzelt bedeckt, das Iglu-Zelt nur zur Sicherheit aufgebaut, falls es uns zu stürmisch wird. Die Schönheit, die uns nun jeden Abend begeistern wird, ist einfach unglaublich! Wie Helga sagt, auch die 3. Himmelstür, mit den winzigen Sternen ganz hinten, ist aufgeschlossen. Nach einem Schlaftee, den wir jeden Abend von Hussein bekommen, können wir trotz des vielen Neuen und des schauen wollens einschlafen. Lejla zaida – Gute Nacht!



Nachtlager


Wie wundervoll am nächsten Morgen in dieser wunderbaren Landschaft und der reinen Luft aufzuwachen und die Sonne zu begrüßen (auch wenn ich den Aufgang leider meistens verschlafe!). Nach der Morgentoilette – in unserem Dünen –"Badezimmer" – ist für uns das Frühstück auf einem "Platz mit Aussicht" gedeckt: Fladenbrot, Frisch- und Schmierkäse, Marmelade, Tee und Kaffee – mmh, tut gut. Irgendwann holt Hussein die Kamele, die wieder frei waren, sie werden mit Tragetaschen, Gasflaschen für die "Küche", den wichtigen Wasserkanistern, bepackt: alles hat seinen festen Platz. Wir werden noch lernen, hier mit anzufassen, sobald alles vertrauter ist. Auch unsere Tagesrucksäcke mit Trinkwasser, Sonnenschutz, Toilettenpapier usw., tragen die friedlichen und geduldigen Kamele. Es ist beruhigend zu sehen, wie sie auf leise Zischlaute und ein ruhiges "hodzsch!" hören und in die Knie gehen! Das gibt mir den Mut, mich an diesem zweiten Tag nach der Mittags-Siesta auf das Leittier der von Hussein geführten Karawane zu wagen. Leider habe ich mir nämlich – trotz guter, eingelaufener Wanderschuhe – Blasen gelaufen und kann nicht weiter gehen. Aber nun geht es los: ich steige mit Hilfe von Husseins Bein oben auf einen Packen Decken über die Körbe und schiebe meine Beine irgendwie nach vorne. Elegant war das nicht!
Das erste krampfhafte Festhalten wird besser, als ich mich an die Höhe gewöhnt habe. Dann beherzige ich den Ratschlag "mit dem Kamel mitgehen" und lasse meine Hüften und mein Kreuz den wiegenden Schritt des Kamels ausgleichen. Wenn ich ehrlich bin – erst der zweite Tag brachte etwas Entspannung und danach ging es immer besser. Die ruhige Gangart und der Kreuzgang lassen einen auf ebener Fläche fast in Trance fallen; der Überblick vom Kamelrücken aus ist traumhaft und gibt ein wirklich erhabenes Gefühl. In den Dünen wird es etwas schwieriger, weil hier das hoch und runter doch einige Konzentration und Festhalten erfordert. Aber auch das gelingt während der gesamten Tour ohne Zwischenfälle und am Ende ist mein "Bürostuhl-Rücken" in Top-Form und entspannt wie schon lange nicht mehr!


Unberührter Sand


So lerne ich beides kennen, den "Überblick" beim Reiten und den "Nahblick" beim Laufen (wenn meine Füße es zulassen), beides hat seine eigene Faszination in der Vielfalt der Wüste die wir kennenlernen. Wir gehen über Steinwüsten, laufen durch trockene Flussläufe, durchwandern ausgetrocknete Seen, die nach Regen das Wasser aus den Bergen aufnehmen, durchwaten brusthohes Grasland, folgen Pfaden durch dornige Buschstreifen, und immer wieder durch und über die wunderschönen Sanddünen, mit ihren 1000 Linien und Formen, dem Spiel des Sonnenlichtes auf den glatten Flächen. Unendlich viele Farben und Muster nehmen uns gefangen, der Blick verfeinert sich immer mehr, nimmt die kleinste Tierspur im Sand wahr, begeistert sich an Pflanzen, Steinen, bizarr geformten Ästen, Bäumen. Immer wieder könnte man fotografieren, hunderte Mal, tausende Mal. Doch ich möchte nicht immer anhalten, möchte nicht das Gleichmaß und das Zusammenspiel der Schritte unterbrechen, wenn man zu Zweit, zu Dritt, zu Viert im einvernehmlichen Schweigen dem Weg folgt. Welch wunderbare Momente, auch diese müssen neben vielen Bildern in der Erinnerung bleiben. Momente wie: ein Nomade auf seinem Fahrrad, seine Kamele suchend, auf einer Düne im Sonnenaufgang, Kamelherden, die friedlich neben unserem Lager grasen, Nomadensiedlungen in der Ferne, eine "Wüstendusche" mit 4 Litern Wasser, Schlangeneier im Sand, eine kleine Wüstenmaus, winzige Heuschrecken auf ihrer Wanderung – zu unserem Kochzelt, ein einsamer Vogel, der im "Mittagsbaum" ein wunderschönes Lied singt, Schattenspiele unterm Tamarisk, aufgepeitschter Sand am Dünenrand, kühles Wasser aus einem Brunnen, und immer wieder, das Schauspiel der Sonnenauf- und –untergänge und der Sternenhimmel bis in alle Unendlichkeit, die Stille!


Esel im Oued el Mha



Kamelspuren


Jeder Tag bringt durch seinen geregelten Ablauf, der wie am 1. Tag weitergeführt wird, Ruhe und Gelassenheit. Jeder Tag bringt aber immer wieder kleine Erlebnisse und Begegnungen, die uns immer wieder ins Staunen versetzen. Wie z.B. finden die Berber und Nomaden einander, wenn wir z.B. neue Orangen bekommen, wenn sich Freunde besuchen, wenn der Treffpunkt ein Baum auf der Route ist, so gegen Mittag. Auch das „Berber-Telefon“ funktioniert: Familien oder einzelne meist ältere Personen, die ihre festen Plätze haben und über das wer, wohin Bescheid wissen. Das muss ein besonderes System sein, habe ich doch manchmal Probleme meinen vorbereiteten Schlafplatz im Dunkeln zu finden, ist auch nur eine kleine Erhöhung dazwischen. Ein ja durchaus erwünschter Effekt beim notwendigen Toilettengang!




Draatal


Nach der Rückkehr in die gemäßigte Zivilisation eines Zelthotels taten die 2 Tage gut, in denen wir uns ausruhen, träumen, gemeinsam reflektieren konnten. Plötzlich hatten Helga und ich Zeit, waren nicht im festen Tagesablauf, mussten Entscheidungen (um wie viel Uhr wollen wir essen? In welchem Zelt?) treffen, waren Begrenzungen im Blickfeld. Alles muss erst wieder „geübt“ werden. Aber natürlich hatten wir auch Duschen und Sanitäranlagen, Strom, Betten. Was sehr schön war, obwohl sie uns vorher wirklich nicht gefehlt hatten.
Auch die letzten Tage hatten noch ihr Programm, mit Besichtung einer Kasbah, Besuch eines Völkerkundemuseums, Besuch einer traditionellen Familie im Ksar, wo wir mit den Frauen gegessen und sehr viel gelacht haben, obwohl wir kein berberisch können. Als „Abschiedsgeschenk“ kam am letzten Abend noch ein Regenguß, der alle Zelte, Wege, Wände durchnässte und aufweichte. Doch alle waren froh und heiter über dieses Geschenk, so dass auch wir gelassen einen trockenen Platz gesucht und bei Kerzenschein gegessen haben.
Die Rückfahrt mit dem Geländewagen, teilweise durch die Gegenden, die wir vorher durchwandert haben, hat uns zwar die Abwechslung verdeutlicht, aber auch, dass man die Wüste nur zu Fuß wirklich erfahren und erleben kann.

Wir hatten das große Glück, dass wir nach 7 Jahren Dürre und dann Regen im März nicht nur eine "grüne Wüste" mit mannigfaltigen Pflanzen erleben durften. Auch durch die umfassende Betreuung der Begleiter von "Tombuctour" aus Zagora wurde das Erlebnis vervielfältigt, konnten doch Helga und ich uns wie die "Königinnen von Saba" fühlen und brauchten für nichts Sorge tragen, fühlten uns mit der erfahrenen Führung vertrauensvoll und sicher aufgehoben. Der ruhige und offene Umgang aller miteinander, das gemeinsame Schweigen und Lachen gehören mit zur positiven Erinnerung dieser Reise.

Sie hat einen Grundstein gelegt für hoffentlich noch weitere Begegnungen zwischen der Wüste und mir – sei es anderswo oder wieder in Marokko, dem vielfältigen Land mit den freundlichen Leuten. Inshallah!

Angelika Whitehead
April 2004

Detailinfos zu dieser Reise finden Sie hier.


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