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Reiseimpressionen zur Reise „Marokko – Wüste intensiv“ 05. - 19. April 2005
von Gisela Kerntke & Dieter Dumont aus Mannheim
untermalt mit Bildern von Eike Fröhlich und Ray Hartung

Zu zweit auf Kamelen unterwegs durch die Wüste Marokkos, begleitet von liebenswürdigen Berbern …

„Unser Reiseleiter Khalid … holte uns am Flughafen in Agadir ab und wir fuhren gemeinsam mit ihm und dem Fahrer nach Ouarzazate, wo wir den Abend und die erste Nacht verbrachten. Die Besichtigung von Ait Benhaddou am nächsten Morgen hat uns sehr beeindruckt, da wir zum ersten Mal in Marokko waren…
Dann ging es mit dem Auto weiter nach Zagora, wo uns im Garten des Partner-Reisebüros in einem Beduinenzelt ein exklusives und exquisites Mittagessen erwartete.


Oase Zagora   

Am Nachmittag ging es weiter nach Ouled Driss, wo wir in dem traumhaft schönen Zelthotel Chez le Pascha herzliche Aufnahme fanden. Durch das Programm einer Gruppe von anderen Touristen kamen wir noch in den Genuss einer Tanzgruppe aus Mali, was zusammen mit dem guten Essen und dem orangefarbenen Flutlicht im Garten des Restaurants zu einer wunderbaren Atmosphäre beigetragen hat.

Am nächsten Morgen begann die Wüstenwanderung mit der Begrüßung von Hussein, dem Koch, und dem Packen von vier Kamelen: Bilel, Gumini, Hnicha und Bak Sahbi.
Zunächst spazierten wir durch das palmengesäumte Dorf, deren Bewohner zum großen Teil von der Ernte und dem Verkauf von Datteln ihren Lebensunterhalt verdienen.
In der Wüste fanden wir schnell den angemessenen Schritt, der uns dann die nächsten zehn Tage durch die teils gleichförmigen, teils recht verschiedenen Landschaften der Wüste führte. Mit dem weiten Horizont konnte der Blick sich erholen, während der Körper in gleichmäßiger Bewegung dahinschritt. Sanfte Dünenlandschaft mit gelegentlichen Grasbüscheln und am Horizont im Süden eine Bergkette…



Ein besonderer Luxus war, täglich haben wir dies neu empfunden, dass wir die einzigen Reisenden waren, die mit diesen beiden liebenswürdigen Begleitern – bescheidene aber doch selbstbewusste Vertreter des Berbervolkes – tagelang durch die Wüste wanderten. Manchmal kam es uns etwas absurd vor, dass diese ganze Tour nur für unser Vergnügen veranstaltet wurde. Dann sagten wir uns, dass dies grundsätzlich im Tourismus so sei: entweder findet man die touristische Infrastruktur schon vor oder man nimmt sie sich mit, wie in diesem Fall. Und dann konnten wir es richtig genießen und fühlten uns prima.

Die Nacht wollten wir gern grundsätzlich im Freien verbringen, um die Millionen Sterne über uns stets zu genießen, was uns aber schon in der ersten Nacht durch einen unangenehmen Sandsturm vergällt wurde. Der kalte Wind und der peitschende Sand brachten uns dazu, in den folgenden Nächten das Iglu-Zelt aufzustellen, das für uns mitgenommen wurde. Am nächsten Vormittag ließ der Sandsturm auch beim Gehen nicht nach, was zunehmend anstrengend wurde, zumal eine größere Strecke bis zum Mittagessen vorgesehen war. Die letzte Stunde haben wir deshalb auf den Kamelen reitend zurückgelegt, was natürlich wesentlich erholsamer ist. Unser Quartier zum Mittagessen diente auch als Nachtquartier, weshalb wir uns also wieder gut erholen konnten.

Interessant war am nächsten Tag der Gang durch das Qued Draa zu unserem ersten Brunnen, bei dem unsere Begleiter unsere Wasservorräte auffrischten und wir etliche wunderschöne gelbe Singvögel sichteten. Viele nah beieinander stehende Baumgruppen von Tamarisken unterbrachen die hellen Sanddünen. Das Dorf, das wir dann sichteten, mit Lehmhäusern aber ohne Bewohner, gab uns einige Rätsel auf, die Khalid sachkundig aufklärte.


Unterwegs Stopp im Dorf Qued Draa


Direkt lieblich war die Landschaft unseres Nachtlagers zu nennen, das wir schon am Mittag erreichten. So konnten wir kleine Spaziergänge in die Umgebung machen, zu den vielen Tamarisken und den verlassenen Häusern, und sahen dabei auch das Zelt und die Ziegenherde einer in der Nähe niedergelassenen Nomadenfamilie. Khalid und Hussein machten daraufhin einen Besuch dort, um sich und uns vorzustellen. Am Abend erfolgte der Gegenbesuch des Vaters dieser Familie, während wir die Chorba zu uns nahmen, zu der dieser ebenfalls eingeladen wurde.

Allmählich bildete sich der Tagesrhythmus heraus, dass wir morgens zu Fuß gingen und am Nachmittag uns von den Kamelen tragen ließen. …
Wunderbar und reichlich war immer das Essen: Mittags ein großer bunter Salat, zu ¾ aus Rohkost, anschließend manchmal ein Obstsalat aus Äpfeln und Orangen mit Zimt und Zucker.



Abends zuerst die Suppe, anschließend Couscous oder Tajine, jeden Tag etwas anders zubereitet, mal vegetarisch, mal mit Lammfleisch, das zuvor gesalzen und gewürzt und damit haltbar gemacht worden war. Vor dem Essen – immer sofort nach unserer Ankunft an einem Rastplatz – wurden wir mit grünem Tee mit „Nana“ (Minze) bewirtet, ein wunderschöner und sinnvoller Brauch.
Am Ende der zehn Tage hatten wir den Eindruck, wir könnten gut und gerne noch zehn Tage dranhängen, ohne etwas Wichtiges zu vermissen. Die morgendliche und abendliche Toilette verlief absolut unkompliziert. Nicht ganz selbstverständlich für eine stets duschverwöhnte Frau.

Ach so: wir hatten ja unsere Namen auf Arabisch übersetzt: Cherif und Cherifa. Wurde aber nicht angenommen. Da mein Mann einen wuscheligen grauen Vollbart trägt, hatte er bei unseren Begleitern gleich den Namen Ali Baba bekommen. Passend dazu war ich dann Fatima. …Damit konnten wir auch gut leben.
Besonders schön war das Nachtquartier im Qued Latach in der Nähe eines weiteren Brunnens. Hier wuchsen wieder zahlreiche Tamarisken, so dass wir etwas Holz sammelten, um abends ein romantisches Feuer zu machen. Khalid hatte auf unseren Wunsch seine Gitarre mitgenommen, Hussein seine Trommel und zu ihrer lebhaften volkstümlichen Musik hatte ich Lust zu tanzen, Ali Baba fotografierte - kurz wir hatten alle großen Spaß dabei.
Ein ungewöhnliches Erlebnis war am nächsten Tag die große Kamelherde, die ein Nomade kurz nach unserem Besuch zum Brunnen geführt hatte: mindestens 50 Tiere zählten wir, darunter viele Mütter mit ihren Jungen: da gab es viel zu staunen und zu fotografieren.

Noch mehrere Male erlebten wir Sandstürme - immer aber in der harmlosen Variante… Nachts im Zelt ließ er sich gut ertragen, tags auf dem Weg allenfalls auf dem Kamel reitend. Zweimal fanden wir beim Zusammenlegen des Zeltes bzw. der Decken einen Skorpion, der uns aber weiter nichts getan hat. Als Sternzeichen Skorpion sehe ich das ganz gelassen. Nachdem Khalid uns klargemacht hatte, wie man Skorpionbisse behandelt, waren wir gänzlich beruhigt.

Etwas öde erschien uns die Geröllwüste: die Steine waren außen schwarz und innen rot: die Wirkung ist eher deprimierend.
Einmal trafen wir eine Nomadenfamilie, die unseren Begleitern wohl bekannt war, und für die sie - von einer früheren Touristengruppe - Fotos mitgebracht hatten. Da war die Freude groß. Gleich machten wir selbst auch einige Fotos mit der Polaroid-Kamera, und konnten so auch Begeisterung wecken.



Mit der Wasserbereitung verlief es etwas anders als angenommen: Eine Mikropur-Aufbereitung war nicht möglich, also bestanden wir auf das Abkochen unseres Trinkwassers, was auch gewissenhaft durchgeführt wurde.

Besonders schön war unser Nachtquartier in der letzten Wüstennacht: ein gefälliges Dünental mit zahlreichen Tamarisken ganz für uns allein. Khalid hatte wieder ein Feuer angezündet, im Sand wurde köstliches Brot gebacken und später gesungen und musiziert.


Beim Brotbacken


Ausgeruht und vergnügt erreichten wir am 10. Tag unser Zelthotel in Ouled Driss, wo wir bereits im Hof vom Hotelchef und von mehreren Hotelangestellten begrüßt wurden. Zum Abschied von Hussein trafen wir uns noch zu einem Getränk auf der Hotelterrasse: dann holte uns allmählich wieder unsere weniger von Traditionen geprägte Umgebung zurück.

Interessant war natürlich die Besichtigung des Ksar von Ouled Driss am nächsten Morgen und anschließend das Mittagessen bei einer einheimischen Familie mit Teezeremonie und vorzüglicher Tajine. Mit zahlreichen Polaroid-Aufnahmen die wir sofort verschenkten, bedankten wir uns für die Gastfreundschaft.

In Tata, dem Ort unserer letzten Übernachtung in Marokko, gefiel uns besonders die traditionelle Bauweise auch der neuen Häuser mit Arkaden, was einer bestimmten Bauvorschrift entspringt und sehr harmonisch wirkt. Hier ließen wir uns noch zum Kauf eines Teppichs überreden, was wir ursprünglich nicht vorhatten. Aber das Stück, für das wir uns nach ausführlicher Begutachtung entschieden, ist von so ausgesuchter Schönheit, das wir uns freuen, ihn mitgenommen zu haben.



… Die Gespräche während unserer Reise erfolgten in Englisch oder Französisch. Hussein, der keine Schule besucht hatte, hatte aber doch von Touristengruppen einige Brocken Deutsch aufgeschnappt, vorzugsweise Bayrisch, was manchmal sehr lustig war. Überhaupt haben wir viel gelacht, weil die Atmosphäre sehr entspannt und locker war. Jedenfalls: es war ein traumhaft schöner Urlaub, von dem wir noch lange zehren werden. Und bestimmt nicht die letzte derartige Wüstenreise.



Geschrieben von: Gisela Kerntke und Dieter Dumont

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