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Ein außergewöhnliches Osterfest im Schnee oder „Kalt wie Hundeschnauze ....“
Bericht von Angelika Berndt (2005)
Zur Tourbeschreibung

Um nicht gleich in Verruf zu kommen, auch ich liebe den Frühling mit der erwachenden Natur, dem ersten zarten Grün auf der Wiese, der wärmenden Sonne ...... und trotzdem entschlossen wir uns, dieses Jahr den Frühlingsbeginn in arktischen Gefilden mit Huskys zu genießen.

Doch der Reihe nach: In nur kurzer Zeit brachte uns ein Airbus von Berlin über Helsinki (Zwischenstopp und Stadtbesichtigung) nach Kittilä, ein kleiner, aber sehr stark frequentierter Flughafen ca. 200 km über dem Polarkreis in Finnland. Es war ein beeindruckender Flug über eine mit Eis bedeckte Ostsee, unendliche Weiten, zugefrorene Seen und riesige Wälder, der uns nur ahnen lies, was uns erwartet. Eingepackt in dicke Sachen verließen wir den Flieger und siehe da, die Temperatur bewegte sich nur im 0° C Bereich. Ein Taxi brachte uns zur Pension, d. h. ein uriges Holzhaus mitten in der kargen Natur.



Hier verbrachten wir noch knapp zwei Tage, ehe das Abendteuer begann, lernten unsere „Mitfahrer“ kennen, eine internationale Mannschaft mit zwei New Yorkern (I could often speak english), zwei Schweizern und einer Deutschen. Aber dann ging‘s endlich los. Nach einer vor Aufregung durchgewachten Nacht (schaffe ich das, bringe ich das, komme ich mit allen Unwegsamkeiten klar?) holte uns unser finnischer Guide Markku ab und begleitete uns auf seine Husky-Farm. Wir wurden von einem ohrenbetäubenden Gebell von reichlich 50 wunderschönen Hunden begrüßt.

In der Farm erfolgte eine kurze Einweisung in Dinge, die theoretisch zwar klar erscheinen, aber die praktische Umsetzung wird zeigen, dass noch kein Meister vom Himmel , aber viele in den Schnee gefallen sind.
Lektion 1: Fahrerkleidung fassen, eine dicke Latzhose und Anorak, Booties mit Innenschuhen, Handschuhe, Fellmütze, also angezogen sieht man nicht gerade aus wie Claudia Schiffer auf dem Laufsteg, aber es wärmt!
Lektion 2: der Aufbau des Schlittens, bekannt machen mit den Bremsen, es gibt davon drei Stück, eine Art Gummilappen, welcher auf dem Boden schleift und zum schwachen Bremsen geeignet ist, ein Metallbügel, der mit Fußkraft in den Schnee gedrückt wird und ein Metallanker, der evtl. den Schlitten so lange hält, bis man diesen mit einem fachgerechten Knoten an einem Baum festgebunden hat. (Manchmal benötigt man alle drei!!!) Jetzt noch Rucksack, Schlafsack und Hundefutter im Schlitten verstauen und das Abenteuer kann beginnen.




Eine kurze Mittagsrast im Schnee folgte nach ca. 2 Stunden Fahrt. Für die Menschen gab es am offenen Feuer gegrillte Würste, für die Tiere Trockenfutter und dann ging die Fahrt weiter zu unserer ersten Unterkunft.





Doch an Ausruhen ist noch lange nicht zu denken, bevor der Mensch relaxen darf gibt es noch viel Arbeit mit den Hunden. Sie besitzen immer oberste Priorität. Sie müssen von der Zugleine abgeschnallt werden, das Geschirr ausgezogen bekommen, an ihrem Schlafplatz angebunden und mit Essen versorgt werden. Es gehört auch dazu, die „Hinterlassenschaften“ der Hunde zu beseitigen, d. h. ähnlich der Gartenarbeit zu Hause, Haufen rauf auf den Spaten und ab in den Wald damit! Vorher kommt natürlich die obligatorische Streicheleinheit.





Wir Menschen übernachten die 1. Nacht in einer sehr einfachen Hütte ohne jeglichen Komfort, kein Licht, kein Wasser, aber dafür erstklassiges Essen mit Nachtisch sowie täglich zum Abschluss Kaffee und Kuchen, was will man mehr? Recht geschafft kriechen wir auch gegen 22:00 Uhr in den Schlafsack und lassen den Tag in Gedanken Revue passieren.



So ging es nun Tag für Tag durch die stillen Weiten, über zugefrorene Seen und Flüsse, durch Wälder, wo der Trail manchmal nur die Breite des Schlittens besitzt und die Bäume beängstigend nahe an uns vorbeisausten, vorbei an unbewaldeten Berghängen aber auch durch gefrorene Moore, weit und breit nichts außer 41 Hunden und 8 Personen im Einklang mit der Natur.




Die Mittagsrast fand immer in Hütten mit einem offenen Feuer in der Mitte statt, die früh geschmierten Brötchen schmeckten dort einfach wunderbar.



Geschlafen wurde in mehr oder weniger komfortablen Wildmarkhütten, zu denen in der Regel eine Hütte zum Speisen und eine zum Schlafen gehört, weiterhin stehen auf dem Gelände ein WC (Waldklo), ein Holzschuppen und eine mit Holz gefeuerte Sauna. Diese gehört in Finnland in jeden Haushalt und wurde von uns auch ausgiebig genutzt, da das die einzige Gelegenheit ist, sich zu waschen.




Wenn wir dann frisch und sauber im Schnee standen, die untergehende Sonne und die damit verbundenen Lichtspiele am Horizont beobachteten, dachten wir, wie schön ist doch die Welt ohne Hektik und Stress!




Schweren Herzens trennten wir uns am Ende der Woche von unseren liebgewonnenen Huskys und einige verdrückten sicherlich heimlich paar Tränen.




Den letzten Tag in den finnischen Weiten verbrachten wir nochmal auf Langlaufskiern, um dem Land auf diese Weise Auf Wiedersehen oder nakiimen zu sagen.



Total relext und mit vielen neuen Eindrücken und Erlebnissen kehrten wir in das hektische Stadtleben zurück und denken oft mit Wehmut an die Ruhe und Beschaulichkeit von Lappland. Aber eins sollte nicht unerwähnt bleiben, Frühling, du kannst jetzt kommen!


Teil 2 - Technische Informationen

Wenn Sie diese Reise unternehmen möchten, sollte schon einiges bei der Vorbereitung beachtet werden. Bitte bedenken Sie, die Gruppe ist aus den verschiedensten Menschentypen zusammengesetzt, mit denen man den ganzen Tag (und Nacht) verbringt. Oberste Priorität ist der Verzicht auf die Annehmlichkeiten des Lebens in der Heimat und die Zurücknahme eigener Befindlichkeiten. Jeder hilft jedem Teilnehmer, wenn es nötig ist. Alle erforderlichen Arbeiten geschehen gemeinsam. Dazu gehören die Zubereitung der Nahrung für Mensch und Hund nebst Vorbereitungs- und Nachbereitungsarbeiten wie Tisch decken, abräumen sowie der notwendige Aufwasch.



Sie müssen die Unterkünfte sowie die Sauna feuern und Wasser aufbereiten. Dieses wird übrigens aus einem Eisloch geschöpft und auf dem Herd oder in der Sauna erwärmt.




Alles geschieht in relativ einfacher Atmosphäre, d. h. ohne elektrisches Licht (bis auf eine Ausnahme in einer „Edelhütte“) und ohne fließendes Wasser. Aber es macht unwahrscheinlich Spaß.

Gepäck und Kleidung
Eine Empfehlung von uns, pro Person reicht ein großer Rucksack oder eine große Reisetasche. Dieses Gepäckstück führen Sie auf der gesamten Tour mit sich. Das Gepäck liegt vorn im Schlitten, welcher wasserdicht verschlossen ist. Was benötigten Sie unbedingt? Warme (Flies)-pullover, Skiunterwäsche, genügend warme Socken, Wechselhandschuhe, Mütze, Wechselsachen für die Abende. Für die Hinfahrt einen dicken Anorak, eventuell Bergschuhe oder dicke Stiefel (diese verbleiben während der Tour in der Huskyfarm und werden erst bei der Rückkunft wieder benötigt!). Man sollte sich zweckmäßig für den Outdoorbereich kleiden und sich in diesen Sachen auch wohlfühlen. Keine Angst, es guckt niemand abfällig, man trifft dort oben keine anderen Leute. Für die Tour erhalten Sie eine Ausrüstung (Hose, Anorak, Mütze, Fahrerhandschuhe, Schuhe mit Innenschuhen und einen Schlafsack), welche täglich getragen werden. In der Galleria bleiben die Kleidungsstücke zurück, welche Sie auf der Rückfahrt tragen möchten. Empfehlenswert ist vielleicht eine Stirnlampe für die Abende, da die Toilette im Wald ist und der Weg dorthin auch nicht elektrisch beleuchtet ist. Für den Tag ist eine Sonnenbrille unerlässlich. Auch bei Bewölkung reflektiert der Schnee die Strahlung sehr stark und die Augen sollten schon geschützt sein.

Hygiene
Also, vorweg gesagt, Sie riechen die ganze Zeit nach Hund. Die Teilnehmer gehören nach kurzer Zeit zum Rudel dazu. Reinlichkeitsfanatiker, die früh und abends duschen müssen, sollten diese Reise nicht unternehmen. Abends nach der Tour haben Sie Gelegenheit in (fast) jeder Hütte eine Sauna zu nutzen, die auch für die Körperreinigung gedacht ist. Die Sauna muss selber geheizt werden. Nach der Sauna ist ein Gang oder Sprung in den Schnee empfehlenswert. Sie fühlen sich danach so wohl, wie ein neugeborenes Baby. Für andere „Bedürfnisse“ existiert im Wald eine Trockentoilette, sehr sauber, sehr kalt, ohne Zeitung, aber mit einem Styropursitz, welcher das „Geschäft“ einigermaßen annehmlich werden lässt.
Zu Hause bleiben können getrost alle Dekoartikel für das Gesicht, große Flaschen mit Duschbad, Parfüm, der Trockenrasierer und der Fön. Bei sich führen sollte man eine gute Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor und evtl. eine Fettcreme ohne Wasserbasis für das Gesicht sowie Lippenschutz mit hohem Lichtschutz.

Essen und Trinken
Essen hält Leib und Seele zusammen. Der Spruch gilt uneingeschränkt für diese Tour. Sie beginnen mit einem ganz normalen Frühstück wie zu Hause, nur die frischen Semmeln vom Bäcker fehlen, aber sonst fehlt es an nichts. Wurst, Käse, Müsli, Joghurt, Marmelade, Weiß- und Schwarzbrot, Kaffee, Tee wird Ihnen angeboten. Unterwegs gibt es ein selbst geschmiertes Brötchen mit Käse und Wurst. Kehren Sie abends zurück, erhalten Sie als erstes eine Suppe. Zu späterer Stunde gibt es dann das Hauptabendessen, bestehend aus einem warmen Gang, einem Nachtisch und/oder Kaffee und Kuchen. An Getränken stehen Ihnen in den Hütten immer Tee, Kaffee oder Sirup mit Wasser in ausreichender Menge zur Verfügung. (Anmerkung: Ich hätte zum Abendbrot gern mal ein Bier getrunken!)

Kondition
Eine Sportskanone müssen Sie nicht sein, wenn Sie die Tour durchführen wollen. Es genügt ein gutes Gleichgewicht, um den Schlitten zu balancieren, genügend Zupackkraft, um sich am Schlittenbügel festzuhalten. Aber es ist nicht von Schaden, wenn man einigermaßen beweglich ist und den Hunden bei Bedarf auch mit hilft, die Berge zu erklimmen. (Sie bleiben sowieso stehen, wenn Ihre Mithilfe gefragt ist!)

Wenn Sie alles Genannte beachten, wird diese Reise für Sie ein unvergessliches Erlebnis werden, wovon Sie lange zehren können.

Angelika und Ingolf Berndt aus Dresden

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