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Reisebericht: "Vierzehn Achttausender"

Beim Stöbern auf der Schulz-Aktiv-Homepage sprang sie mir eines Tages entgegen: die Verlockung „Vierzehn 8000er an einem Wochenende“ war groß. Aber alleine den ganzen Weg aus Hamburg machen, dann 2 Tage durchs Osterzgebirge kraxeln und niemanden haben, mit dem man das Erlebnis teilen kann, ist auch doof. Also hängte ich in meinem Fitness-Klub einen Zettel mit der Wanderbeschreibung auf und es fanden sich ruck-zuck 5 Gleichgesinnte, mit denen ich die Herausforderung annahm. Zu Sechst in einem Abteil war die Anreise am Freitag schon mal sehr spaßig: Das eine oder andere Fläschchen Rotwein machte die Runde, Laugenbrötchen, Muffins und Käsewürfel wurden vertilgt und wir lernten uns alle ein bisschen besser kennen.
Alle Anschlusszüge waren pünktlich und auch die Pension in Altenberg fanden wir ohne Probleme, so dass wir am nächsten Morgen ausgeschlafen und motiviert mit Koffer in der Hand, Rucksack auf dem Rücken und Isomatte unterm Arm am Treffpunkt eintrudelten, wo uns unser Wanderleiter – später auch Bärenführer genannt – Frank Sühnel begrüßte.


Begrüßung durch Reiseleiter Frank Sühnel 

Nach kurzer Vorstellungsrunde (6 Hamburgerinnen, 3 Berlinerinnen, 1 Wismarer, 4 Sachsen) und Gepäckverladung stürmten wir los. Es waren gerade Mal gefühlte 10 Minuten vergangen, als wir auch schon den ersten Gipfel, den Geisingberg, erklommen hatten. Während wir unseren ersten Stempel bekamen, beruhigte Frank die Skeptiker unserer Gruppe, dass am Anfang immer alle losrennen und sich das Tempo spätestens beim 3. Gipfel normalisiert hat.


Erster Gipfel: Geisingberg 


Nach dem Aufstieg folgte gleich ein steiler Abstieg und unsere Gruppe begann, sich miteinander bekannt zu machen und auseinander zu ziehen. Gut 90 Minuten nach dem Beginn unseres „Abenteuers“ erreichten wir eine Bäckerei mit angegliedertem Café, wo wir unsere erste Rast einlegten und uns mit Proviant für den Rest des Tages eindeckten. Frank zeigte uns auf der Wanderkarte den weiteren Verlauf der Tour und frisch gestärkt nahmen wir die nächsten Herausforderungen an. Traugotthöhe, Fuchshübel, Scharspitze usw.


Rast und Proviantaufstockung im Café 

Wir Nordlichter lernten, was eine Pinge ist, warum es Basaltdurchbrüche gibt, was getan wird, um den durch die Kraftwerksabgase übersäuerten Boden zu neutralisieren etc. Kaum eine Frage, die Frank nicht beantworten konnte. Mit der Zeit nahmen wir es als sportliche Herausforderung an, Lücken in Franks Naturkundewissen zu entdecken. Da es diese aber so gut wie gar nicht gab, lernten wir jede Menge Neues kennen, z.B. den amethystblauen Lacktrichterröhrling, den Birnenstäubling, und wissen wie der Bau einer Raubspinne aussieht.
Zu unserem großen Erstaunen stießen wir immer wieder auf Frühjahrsblumen. Von Vergissmeinnicht über Löwenzahn bis hin zu Klatschmohn waren alle Blumen reichlich vertreten, die bei uns im Norden zwischen Anfang Mai und Ende Juni blühen.



Unseren letzten Tagesgipfel, den Hemmschuh, erreichten wir nach knapp 25 km mit brennenden Füßen und immer stärker werdendem Magenknurren.
Nach der Stempelroutine schmiss Frank zur Hebung der Moral eine Runde Pulsnitzer Magenbitter und Pulsnitzer Pfefferkuchen. (Lieber Bürgermeister von Pulsnitz, Sie haben in ihrem Mitbürger Frank Sühnel einen hochmotivierten Anlieger, der die Produkte der Region voller Überzeugung bis in den hohen Norden vermarktet.)



Rast im (zur Sommerzeit) verwaisten Skilift 

Nachdem wir uns in einem im Sommer verwaisten Skilift ausgeruht hatten, nahmen wir die letzte Etappe zum Wanderheim in Angriff, wo wir gegen 19 Uhr eintrafen.
Wir 6 Hamburgerinnen hatten einen gemeinsamen Raum, in dem wir unsere Isomatten ausbreiteten und es uns erst mal gemütlich machten.
Schnell waren wir uns einig, dass wir den „Säureschutzmantel unserer Haut“ erhalten und auf das Duschen verzichten und stattdessen lieber das eine oder andere Bierchen zischen wollten.
Das Essen fiel erzgebirgig-üppig aus und wurde mit launigen Geschichten des Hotelbesitzers garniert.



Als wir alle satt und träge waren, schleppten wir uns in den Hotelgarten, wo Frank erneut eine Wissenslücke stopfte, indem er uns beibrachte, mit Birkenrinde Feuer zu machen. Wir saßen noch eine halbe Stunde ums Lagerfeuer, aber gegen 22 Uhr wurde Morpheus’ Rufen unüberhörbar und die Party löste sich auf.
Nach 10 Stunden Wandern war selbst die härteste Isomatte verlockend und wir schliefen ratz-fatz ein. Am nächsten Morgen trafen wir uns um 7:30 Uhr mehr oder weniger ausgeschlafen zum Frühstück, wurden mit einem Proviantpaket versorgt und machten uns auf den zweiten Teil unseres Abenteuers.




Inzwischen waren wir routinierte Gipfelstürmer geworden und unser Umgang miteinander wurde immer vertrauter.
Sonne und Wolken wechselten sich ab und je nach Steigung, bzw. Gefälle zogen wir unsere Jacken an und aus. Die Mittagspause schrumpfte an diesem Tag zu einem Päuschen, denn die Ecke, die wir uns ausgesucht hatten, war sehr zugig, und dem entsprechend waren wir schnell durchgefroren. Im Nachhinein glaube ich fast, dass diese Stelle von Frank mit Berechnung ausgesucht worden war, damit wir uns nicht so lange aufhalten, denn die größte Herausforderung, die steile Stephanshöhe lag noch vor uns.



Wir wanderten über grüne Bergwiesen, vorbei an Ebereschenalleen und freuten uns immer wieder an den Dahlien, die überall in den Gärten blühten.
Dann erwartete uns der wirklich harte Aufstieg zur Stephanshöhe und wir waren trotz der steifen Brise allesamt schweißgebadet, als wir endlich unseren Stempel hatten. Dafür war die Aussicht aber grandios.




Wir hatten eine sehr klare Sicht über die Gipfel des Erzgebirges und bekamen spätestens jetzt ein Gefühl dafür, was wir an diesen zwei Tagen geleistet hatten.Da sich der Himmel immer mehr zu zog und wir auch unseren Bus nach Dresden erreichen mussten, setzten wir zum Schlussspurt an.
Der Pöbelknochen war unser letzter Achttausender für dieses Wochenende und dann ging es vorbei an den Galgenteichen zurück nach Altenberg.


Der Pöbelknochen - letzter Gipfel der Wandertour 
Am Ufer der Galgenteiche entlang 

Als wir am Ausgangspunkt unserer Wanderung ankamen, erwarteten uns schon unser Gepäck und ein Mitarbeiter des Sporthotels, der uns mit Tee, bzw. Kaffee versorgte. Kaum hatten wir ausgetrunken und unsere Koffer in Empfang genommen, fing es auch schon an zu regnen, so dass der Abschied von den nicht mit uns nach Dresden reisenden Mitwanderern doch kürzer ausfiel, als ursprünglich gedacht. Wir alle haben uns in diesen zwei Tagen gut verstanden und viele interessante Gespräche geführt. Und während unserer langen Heimreise waren wir sechs Hamburgerinnen uns schnell einig, dass das nicht unsere letzte Wanderung mit Frank Sühnel gewesen ist.

Regina Kramer / September 2009


Abschied von Reiseleiter Frank Sühnel (links) 

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