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Huskywoche in Finnland Februar 2008
Ein Reisebericht von Silvia Mader


Am 9.2. reisten wir via Helsinki ca. 1 eine Flugstunde nordöstlich nach Kajaani, eine mittlere Stadt in Mittel- oder Waldfinnland, von dort ging es dann nochmals mit dem Auto 1 ½ Stunden östlich nach Kuhmo, in ein wunderschönes, tief verschneites Wintersport-Ressort. Als durchschnittlicher, global-erwärmungsgeplagter Mitteleuropäer ist man ganz schön beeindruckt von den Massen an Schnee, tief verschneiten Bäumen und dick zugefrorenen Seen, die es dort gibt.

Nach einem hervorragenden finnischen Dinner (mit Lachs, natürlich), genossen wir die absolute Ruhe und warteten schon auf den nächsten Tag, wo wir von den Besitzern der Huskyfarm abgeholt wurden. Unsere Gruppe bestand aus 5 Personen (ein deutsches Pensionisten-Ehepaar und eine junge Lehrerin aus der Schweiz).

Der Allrad brachte uns flott und sicher weitere 100 km östlich bis direkt ins russische Grenzgebiet zu einer aufgelassenen Grenzstation, wo wir unsere Gastgeber, den Schlittenhundeführer Jussi mit seiner Frau Suvi, ihrer Helferin Sari und 33 Grönlandhunde trafen. Grönlandhunde sind übrigens die Rolls Royce unter den Huskys, die ausdauerndsten und stärksten Schlittenhunde, die es gibt. Das sagte uns zumindest Jussi, und er ist der einzige weltweit, der ausschließlich Grönländer einsetzt und züchtet. Mein Mann kann von der legendären Stärke dieser Tierlein eine eigene Geschichte erzählen.



Die Zimmer waren grenzstationsähnlich zweckmäßig, aber geräumig, unser Fenster war direkt zum Hundezwinger gerichtet.

Gleich nach dem Auspacken und Ausfassen der „Arbeitskleidung“ (dicker Overall und schwere Stiefel) gingen wir die Hauptakteure der Woche besuchen und wurden von den Grönländern mit ohrenbetäubendem Geheul und Gejohle empfangen.

Bevor wir Hand anlegen mussten, gab es noch einen Crash-Kurs in Finnisch für Anfänger, Basis-Vokabular für Grönland-Hundeführer. Doch dann ging es gleich ans Eingemachte: anhand zweier besonders phlegmatischer Exemplare übten wir einmal das Anlegen der Geschirre, was sich bei manchen von uns schon mal als relativ schwieriges Unterfangen herausstellte. Aber Übung macht den Meister, nach ein bis zwei Stunden hatten wir’s dann alle drauf, dann wurden die Hunde eingespannt und zunächst wurden wir einmal im Schlitten sitzend mit Jussi hinten auf den Kufen an das neue Umfeld gewöhnt.

Bald durften wir auch unsere eigenen Musher-Kenntnisse unter Beweis stellen und einmal zur Probe unser eigenes Gespann lenken (ganz einfach, am zugefrorenen See, ohne hinterhältige Kurven oder Bäume). Sepp wurde von seinen Turbo-Hunden gleich beim Start abgeworfen, aber sonst ging der erste Tag relativ friedlich zu Ende.

Suvi verwöhnte uns mit typisch finnischen Gerichten zum Abendessen, meist wird dort Fisch, Fleischeintopf mit Gemüse oder Fleischauflauf mit Gemüse, Pilzen und Käse gegessen, alles sehr schmackhaft und gesund. Die Desserts bestehen hauptsächlich aus Beerenfrüchten, da Pilz- und Beerensammeln in diesem Teil von Finnland ein echter Volkssport sind.



Die nächsten beiden Tage verbrachten wir mit kleineren Ausflügen in die Umgebung, immer noch im relativ einfachen Gelände. Das schwierigste war immer, die Hunde so aus dem Zwinger zu holen, dass sie einem nicht durchgingen, ihnen die Geschirre ordentlich anzuziehen und sie an den richtigen Platz im Gespann zu hängen. Diese Tiere kennen nämlich keine Befehle wie „Fuß“, „Sitz“ oder „Platz“, sondern sind Hochleistungssportler, die nur fürs Laufen trainiert sind und kaum sind sie aus dem Zwinger, haben sie nur noch eines im Sinn – losstarten! So ein 40 kg schweres Tier im Zaum zu halten, hat’s in sich, ganz schön schweißtreibend, vor allem in den dicken Anzügen, die wir da tragen mussten. Wichtig war, vorne immer die Leithunde (Lead Dogs) (die cleveren) und hinten die „Wheel Dogs“ (dumm, aber kräftig und arbeitswillig) anzubringen. Und immer Rüde neben Hündin, denn zwei vom selben Geschlecht bekommen meist Meinungsverschiedenheiten.

Ab dem dritten Tag war mein Team perfekt: vorn die beiden Leithunde Sisco und Poju und hinten Otto und Panda, und bald hatte ich die vier so richtig ins Herz geschlossen. Sisco kann einem tief in die Augen schauen und man hat das Gefühl, sie kann einem in die Seele blicken. Ich habe noch nie zuvor einen Hund mit derart viel Persönlichkeit gesehen wie Sisco. Sie ist ein Profi, was ihren Job betrifft, grenzt sich nach getaner Arbeit sofort ab, indem sie sich eine kleine Höhle gräbt und Wert auf Privatsphäre legt. Sie war sehr zutraulich, forderte Streicheleinheiten und spielte mit mir, wobei sie die Spielleiterin von uns beiden war. Es war mir eine Ehre, sie in meinem Gespann zu haben.

Poju war ein kluger Rüde, der seinen Job gut machte und sehr kuschelfreudig war (das Begrüßungsritual war jedes Mal ein frontaler Freudensprung, indem er mir freundschaftlich seine Riesenpfoten auf die Schulter legte und versuchte, mich abzuschlecken). Poju war auch der Gewerkschafter der Partie. Kaum wurde es schwieriger, schaute er zu mir nach hinten und forderte mich auf, mitzutreten oder abzusteigen, habe ich das nicht getan, ist er einfach stehen geblieben und hat die Arbeit eingestellt.

Otto war ein braver, phlegmatischer Wheeldog, der einzige in dem ganzen Rudel mit Hängeohren (keiner weiß, wieso), und mit dem Hang, die Arbeit etwas schleifen zu lassen. Kaum fühlte er sich unbeobachtet, hing seine Leine auch schon durch. Nach Aufforderung gab er wieder etwas mehr Gas, aber schaute man wieder weg, ließ er es sich auch schon wieder gut gehen.

Panda war langhaarig, mit dümmlichem Gesichtsausdruck, aber immer die erste, wenn es darum ging, ihr Bestes zu geben. Also – ein Abblild der menschlichen Gesellschaft, wie es besser nicht sein könnte.



Beim Start war immer etwas los – die Hunde rennen los wie wild, manchmal verwechseln sie doch links und rechts (oder lag es an unserem finnisch???) und so war es öfter schwierig, die lieben Tierlein in die richtige Richtung zu bringen. War aber dann alles im Laufen, war es sehr entspannend, die endlose finnische Weite, die dünnen finnischen Kerzenbäume und die riesigen Seen zu genießen. Leider mussten wir doch öfter stoppen, weil sich Hunde in ihren Leinen verhängten, Junghunde plötzlich nicht mehr weiterlaufen wollten (mein Junghund „Tollo“ trat nach 5 km derart in Streik, dass ihn Jussi kurzerhand quer über den Skidoo packte und so mitnahm).

Die letzten beiden Tage gingen wir dann ins schwierigere Gelände und peilten eine einsame Hütte an, in der wir übernachten sollten. Da fing es dann mit „spektakulären“ Stürzen vom Schlitten an, weil wir bei Bergab-Kurven im tiefen Schnee stecken blieben, weil plötzlich Sumpfgebiet auftauchte oder feindliche Bäume im Weg standen.

Auch Mitlaufen und Mittreten war angesagt, da wegen des relativ warmen Wetters der Schnee sehr tief und weich war und die Hunde nicht mehr ohne unsere Hilfe weiter konnten. Diese beiden Tage waren schon ziemlich schweißtreibend und mit einer mittleren Skitour im Gelände durchaus vergleichbar. Sepp hatte mit seinem Power-Gespann etwas zu kämpfen, weil sie sich manchmal überhaupt nicht bändigen ließen, einmal gerieten seine Rüden auch in Streit um einen toten Birkhahn, den einer der Hunde mitten im Laufen erschnupperte.

Ich rammte einmal eine finnische Jungfichte bei einer zu rasanten Linkskurve, ließ aber das Gespann nicht aus und schliff etliche Meter am Boden mit, bis ich endlich die Bremse betätigen konnte, aber im Großen und Ganzen blieben wir heil.

Am letzten Tag, nachdem das Huskyabenteuer vorbei war, erfüllte sich Sepp noch einen kleinen Lebenstraum, indem er eine 3-stündige Motorschlittentour unter einheimischer Führung unternahm und die lokale Bevölkerung beim Eisfischen beobachten konnte – und das alles bei beachtlichen -22 °C. Ich nutzte diesen Tag für eine gemütliche Langlaufrunde, Massage und Sauna und den allerletzten Tag verbrachten wir dann noch mit Sightseeing in Helsinki.

Alles in allem – eine naturverbundene Woche mit viel Zeit für Entspannung und interessanten Einblicken in die Charaktere und die Psyche von Schlittenhunden.



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