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Autor: Anja Riemekasten
Reisezeit: Mai 2009
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Ich habe mich gut erholt, extrem gut entspannt und möchte keine der gemachten Erfahrungen missen. Diese Reise ist mein bisheriges persönliches Highlight.

Besonders gut haben mir die Wanderungen und die Kameltour mit Sam den Beduinen durch die Wüste gefallen, vom ersten Tag an.  

Die Kommunikation zwischen uns, Sam, und den Beduinen (Gebelia) war sehr herzlich, freundlich und offen. Sam und seine Mitarbeiter waren immer bemüht, dass es uns gut ging. Vor allem Muhammed sorgte sich um uns, nicht nur in Sachen "Nahrungsaufnahme". Wir konnten mit ihm Brot backen oder er zeigte uns, wie die Beduinen mit einfachen Dingen trotzdem an einem verlassenen Ort schmackhafte Speisen zubereiten können.
Humor und Musik in Form von selbstgesungenen Liedern (wann singen Deutsche denn heutzutage noch freiwillig?) und kleinen Tänzchen in Ramadans Garten oder "Schwarzer Peter" auf dem Gebel Musa oder unter/in kleinen Hütten zur Mittagszeit sorgten für einen abwechslungsreichen belebten Vollkontakt.

Ramadan hat uns ebenfalls sehr freundlich und respektvoll in seinem Garten aufgenommen. Auch die übrigen Mitglieder der Familie vermittelten uns das Gefühl, willkommene Gäste zu sein.  

Die Wanderungen zu Ramadans Garten, zum Gebel Kathrin und Gebel Musa waren mit einigen Anstrengungen verbunden, zumal wir mächtig mit der Hitze zu kämpfen hatten. Doch die kleinen Tipps und Kniffe von Sam (Nasses Kopftuch, erfrischende Tiertränke als Badewanne etc.) verhinderten so manchen Schwächeanfall. Neben den vielen Farben und Formen fanden wir in Muhammed auch einen geeigneten Sprachtrainer (englisch und arabic) und aufmerksamen Zuhörer, der uns auch an die Pflanzenwelt heranführen konnte, wenn wir interessiert waren. Auch fand er immer wieder interessante Gesteinsformationen, kleine Tiere und mehr ... Die Ankunft auf dem Gebel Kathrin hat sich nach der ganzen Mühsal gelohnt. Allein sitzend neben der Kapelle hatte ich das Gefühl für mich entdeckt, nicht nur angekommen zu sein, sondern: Das war mein Dach der Welt. Die angenehm einhüllende Ruhe ließ mich nachdenklich werden. Alles war plötzlich so nah, nicht nur der Himmel. Der anschließende Sonnenuntergang und morgendliche Sonnenaufgang waren wunderschön, konnten das vorangegangene Gefühl und die eigenen Gedanken aber nicht toppen. Als lehrreich empfand ich auch den Abstieg vom Gebel Musa, der zu einer einzigartigen Nachtwanderung wurde, der ich anfangs skeptisch gegenüberstand, da ich als einzige mal wieder schlecht gepackt hatte.  
So gingen wir nach dem Sonnenuntergang mit Muhammed den Berg herunter - ich als einzige ohne Taschenlampe. Wie bei einer Katze sensibilisierten sich meine Füße und Augen, passten sich trotz fehlenden Lichts immer stärker der neuen Umwelt mit ihren Steinen und Kanten an. Kurz vor dem Erreichen des Fußes und Ramadans Garten wurde es plötzlich so schwarz, dass mich Muhammed dann doch noch an die Hand nehmen musste. Bis dahin hatte ich jedoch alles allein geschafft, worauf ich heute noch stolz bin. 

Die vielen alltäglichen kleinen Dinge gaben mir persönlich nach und nach selbst das Gefühl, ein Beduine zu sein oder zu werden. Vor allem das ständige Packen, Lager errichten/abbauen, Holz suchen und transportieren oder eben die kleinen Assistenzstellen im Küchenbereich und natürlich mein eigenes Kamel, dass ich auch selbständig reiten und führen durfte, trugen zu dieser Wandlung bei.  

Natürlich darf Sam hier nicht unerwähnt bleiben. Er war ein wichtiges Bindeglied in allen Tagen. Humorvoll und geduldig hörte er sich viele viele Fragen an und versuchte sie ausreichend zu beantworten. So konnte ich dadurch nicht nur viele neue Eindrücke gewinnen, sondern auch mein Wissen komplettieren. Zum Beispiel ist für mich ein Kamel nicht mehr nur ein Vierbeiner, dass einen Höcker trägt. Vieles, was ich durch die Beobachtung der Tiere und Gespräche mit den Beduinen nur halbwissend erfahren habe, konnte er mit seinen Wissen hinreichend ergänzen oder absichern, zum Beispiel wenn ich mir über das Gesagte eines Beduinen nicht ganz sicher war. Außerdem genossen wir die kleinen abendlichen Spaziergänge, wenn die Beduinen in der "Küche" zu tun hatten und wir keine Stellenausschreibungen finden konnten. Auf diesen Spaziergängen erfuhren wir vieles über die dort lebenden Menschen, Pflanzenanbau und Nutztierhaltung (z.B. Bienen) und entdeckten neben den vielen Gesteinsveränderungen auch die Veränderungen der Vegetation. Gern denke ich auch noch an die Geschichte von Isis und Osiris zurück, die unser "kleiner Pharao" am nächtlichen Lagerfeuer erzählte.  

Und jetzt stellen sie sich dazu den wunderschönen Sternenhimmel vor, mit "dschamil gamar" (schöner Mond), dessen Sichel wie auf einer Moschee nach unten zeigt, egal wohin er wandert. Genauso wollte ich es haben!!!  
Und nie hätte ich mir träumen lassen, dass ich als ehemaliger "DDR-Bürger", der den Nahen Osten nur aus dem Wochenspiegel der Tagesschau kannte, eines Abends in einer Straße von Nuweiba stehe und 150 m weiter der Muezzin mich zum Gebet rufen würde. Natürlich sind wir mit Sam erst nach dem Gebet in die Moschee. Dort hat er uns alles erzählt, was er vermitteln konnte und Fragen beantwortet. Insgesamt muss man ja sagen, dass er auch sehr bemüht war, sei es durch seine Organisation der Abläufe, des arabisch- Unterrichts oder die Beschaffung von netten oder überlebenswichtigen Kleinigkeiten wie Mückenspray, Obst, Schnorchelausrüstung, Sonnencreme oder der Übersetzung des Koran ins Deutsche.  

Das man mit ihm Spaß haben kann, hat er leidenschaftlich gern bewiesen. Vor allem im Sultana, dass eine gute Küche und viele nette aufgeschlossene Menschen aufzuweisen hat. Dank dieser Menschen haben wir sogar an einem Polterabend und einer Hochzeit teilgenommen. Das war schon sehr beeindruckend, zu sehen, wie die Menschen im großen Tross die Brautpaare auf der Straße gefeiert haben (in Deutschland wäre da schon lange die Polizei dazwischen gegangen: Pure Freude passt nicht zur deutschen gesitteten Ordnung) und wie auf dem Hof die Männer, Kinder und Frauen das Brautpaar feierten, mit dieser lauten von Lautsprechern verzerrten Musik der südägyptischen Band, die auf Trommeln und schalmaienähnlichen Instrumenten spielten und die Männer zu langanhaltenden Stocktänzen anhielten. Oder den Kreistanz mit den Brautpaaren, denen wir zuriefen: "Mabruk"!!  

Tolle Erlebnisse, die abgerundet werden durch schöne gemeinsame Musikabende in Sultana mit oder ohne arabische Laute oder das Schnorcheln im Golf von Akaba - durch das Riff mit Ahmed in der Vierergruppe - vorbei an wunderschönen Korallenformationen in den unterschiedlichsten Farben und Formen, wartend auf die Fische, die nah herbeikamen, wenn man fast unbeweglich durch das Wasser gleitete und nichts ahnend plötzlich auf eine grüne Muräne traf.  
Auch wenn ich meinen Wüstenfuchs nicht entdecken und auch keinen Kühlschrank (Bungalow) für meine Reiseapotheke vorfinden konnte, wenn auch das Bad im Bungalow vielleicht etwas seltsam und gewöhnungsbedürftig zu sein schien - so sind dies alles Nichtigkeiten im Vergleich zu dem was ich erlebt habe und zu den Menschen, die ich dort traf. Und das ist nicht nur meine Meinung!!
Habe daher beschlossen, nur noch solche Reisen machen zu wollen - übrigens eventuell in der gleichen Besetzung - wir haben uns nämlich prächtig verstanden und stehen deshalb auch immer noch in Kontakt!

MfG
Anja Riemekasten  

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