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Tibet - Trekking zum Kailash 2019

Tibet – Übers Dach der Welt bis zum heiligen Berg Kailash
Reisezeitraum: Mai/Juni 2019
Ein Reisebericht von Birgit Thiel

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Fazit: „Gut Ding will Weile haben. Dies trifft es genau. Der mehrmalige Versuch nach Tibet zu kommen ist ein voller Erfolg geworden. Wir hatten einen tollen Reiseleiter, dessen Begeisterung für das Land und die Berge auf uns übergesprungen ist. Dank einer super Höhenanpassung haben wir die Kora um den Kailash geschafft und all unser Karma hat dabei für einen strahlend blauen Himmel gesorgt. Vielen Dank auch an das tibetische Team, welches uns liebevoll unterstützte, uns sicher von Ort zu Ort brachte und eine super Verpflegung unter einfachsten Mitteln zauberte und damit zum Gelingen dieser Reise beigetragen hat. Vielen Dank an alle!”

Ankommen auf dem Dach der Welt
Endlich ist es so weit, wir sind in Lhasa gelandet und gehen sogleich zum Barkhor. Ganz langsam, die Luft ist dünn und der Flug steckt noch in den Knochen. Endlich schlafen und morgen mit neuer Energie aufstehen. Doch daraus wird erst mal nichts. Die plötzliche Höhe von 3600 m lässt kaum Schlaf zu. Und so wache ich am Morgen im üblen Zustand auf. Das hatte ich mir so nicht vorgestellt. Im Laufe des Tages wird es aber besser und bei der Besichtigung des überwältigenden Jokhang-Tempels und dem unglaublichen Anblick der Mantras murmelnden Tibeter, die sich immer wieder niederwerfen und dabei den Tempel umrunden, werde ich vom „eigenen Leiden“ abgelenkt.

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Jokhang-Tempel
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Potala-Palast
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Kloster Drak Yerpa

Vor dem Tempel befindet sich tief unten der Kerzenraum. Ich werfe einen Blick hinein und der heiße Butterlampenduft haut mich fast um. Noch ahne ich nicht, dass mich dieser Duft die ganze Reise durch begleiten wird. Zu Mittag trinke ich brav den angebotenen Buttertee. Erstaunlicherweise schmeckt er mir und da Tsampa und Buttertee zur erfolgreichen Umrundung der Kora um den Kailash beitragen sollen, halte ich mich auch später daran.
Am dritten Tag bekommen wir erst mal einen neuen Höhenreiz beim Aufstieg zu den Höhlen des Klosters Drak Yerpa. Schritt für Schritt, Stufe für Stufe. Wir sind außer ein paar Einheimischen fast die einzigen Besucher. Zu den vielen Asketen, die sich hier aufgehalten haben, gehörte auch Guru Rinpoche und König Songtsen Gampo. Die Abgeschiedenheit von aller Hektik wirkt sich auch positiv auf uns gestresste Europäer aus.

Wir verlassen Lhasa
Tausende Gebetsfahnen markieren den Khamba La-Pass, den wir auf der Fahrt zum Aussichtspunkt auf den Yamdrok-See passieren. Tief unten, ein fast unwirkliches Blau und im Hintergrund die schneebedeckten Bergen des Himalayas. Kaum von diesem großartigen Anblick gelöst, erreichen wir Gyantse und besichtigen das Pelkhor-Kloster mit seinem eindrucksvollen Bodhi-Stupa. Mehr Zeit möchte man haben – 108 Kapellen gibt es hier und über 10.000 Wandbilder. Wir schaffen es bis hinauf auf die letzte Etage. Aufsaugen, Fotos schießen – verarbeiten…– später.

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Skorpion-See
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Pelkor-Kloster
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Tashilhunpo-Kloster

Wir besuchen das Tashilhunpo-Kloster in Shigatse, den traditionellen Sitz des Panchen Lamas. Am Ende unseres Rundganges haben wir noch viel Spaß mit einer Pilgerfamilie. Gegenseitig werden Fotos gemacht und es wird viel gelacht. Unendliche Serpentine schrauben sich auf den Pang La-Pass hinauf. Wir haben Glück. Als wir kurz vor Sonnenuntergang am Pass ankommen, eröffnet sich uns ein spektakuläres Panorama. 6 Achttausender erblicken wir und alle Kurzatmigkeit und Kälte sind vergessen.

Für viele Reisende der Höhepunkt: der Mount Everest
Die Serpentinen werden enger und im Magen wird es mulmig. Aber die Fahrt dauert zum Glück nicht lang. Ein gemütliches Zelt erwartet uns. Der Everest hüllt sich in Wolken und ein Schneesturm zieht gerade über uns hinweg. Rings um den Ofen dienen die Betten am Tag als Sitzgelegenheit. Masala- und Buttertee wird serviert.

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Straßenbau auf Chinesisch
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Rongbuk-Kloster
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Mount Everest

Immer wieder ein Blick in Richtung Everest – ein kleines blaues Loch am Himmel, doch dort schon wieder dunkle Wolken. Ab und an lugt neugierig die Spitze des Berges über den Wolken heraus. Eine sternenklare Nacht folgt und am Morgen können wir es kaum fassen als der Erste ruft. „Der Everest!“

Wie kann man das alles nur beschreiben, so gewaltig die Eindrücke
Wir sind auf dem Pass kurz vor unseren Zeltplatz am heiligen Manasarovar-See. Und rechts – der Kailash – wie lange haben wir von diesem Augenblick geträumt und dazu ein strahlend blauer Himmel und bunte Gebetsfahnen flatternd im Wind.

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Zeltplatz bei Paryang
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Pass vor dem Manasarovar-See
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Manasarovar-See

Entlang des Sutley führt unsere Fahrt am nächsten Tag weiter. Die Landschaft wird karger und die Felsen entlang der Straße bunter. Picasso hätte seine Freude gehabt. Nach Besichtigung des Klosters in Thirtapuri fahren wir weiter in das Garudatal. Neben den Buddhisten ist in Tibet auch noch die Religion der Bön zu Hause. Einen Einblick in diese Religion erhalten wir im alten Bön-Kloster Gurugyam.
Nach so viel Kultur tut es gut, sich die Beine bei einer kurzen Wanderung durch das tief eingeschnittene Tal des Sutlej zu vertreten. Danach erfolgt ein Bad in den heißen Quellen bei Kyhunglung, wo wir unsere Zelte in traumhafter Umgebung aufschlagen. Gegenüber liegt der „Silberpalast“ des ehemaligen Königreiches Shangshung. Spektakulär die vielfarbigen Felsen, die an eine Kleckerburg erinnern. Sonnenauf- und untergang, ein Farbenspiel ohnegleichen. Bei näherer Betrachtung bestehen die Felsen aus unendlich vielen Höhlen und es lässt sich erahnen, wo einst Deckenbalken angebracht waren. Viel Fantasie braucht es, sich hier den ehemaligen Palast vorzustellen und wenig weiß man bis jetzt darüber.

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Bön-Kloster Gurugyam
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Silberpalast
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Tarpoche Kailashkora Tag 1

Tsaparang ist eine Ruinenstätte des früheren Königreiches Guge, die es zu erkunden gilt. Der ganze Hügel ist durchsetzt mit Höhlen und Tunnels und bebaut mit Kapellen und Palästen zum Teil mit noch sehr gut erhaltenen wunderschönen Wandmalereien. Es ist spannend und schweißtreibend, den Berg zu erklimmen und wer sich traut, kann nach dem Aufstieg zum Sommerpalast in den 12 m unter der Oberfläche in den Berg gebauten Winterpalast absteigen. Auf der Weiterfahrt begegnen uns Gemsen und kleine Herden wilder Esel. Wir nähern uns dem persönlichen Höhepunkt unserer Reise und erreichen am Nachmittag Darchen, den Ausgangspunkt für unsere Kailashumrundung.

Unsere 3-tägige Wanderung um den Kailash, den heiligsten Berg der Erde
Ein einfacher Weg führt uns von der T-Kreuzung in Darchen zur Kora. Manimauern befinden sich entlang des Weges. Am Lakhan biegen wir in ein wunderschönes Tal ein, rechts immer im Blick, der Kailash vor strahlend blauem Himmel. Die Schlucht wird immer spektakulärer. Immer höher ragen die Felswände rechts und links empor. Sie alle haben Namen und buddhistische Bedeutung. Das Chukun-Kloster klebt hoch oben am Fels. Tibeter überholen uns schnellen Schrittes, einige bewältigen den Weg durch Niederwerfungen. Alle grüßen uns freundlich und freuen sich. Dann endlich taucht das Diraphuk-Kloster in der Ferne auf, doch der Weg will einfach nicht enden. Noch über eine mit Gebetsfahren geschmückte Brücke und wir haben unser Ziel erreicht. Eine wohlige Wärme empfängt uns im Teezelt und keiner will mehr seinen gemütlichen Platz am Ofen bei Masala- und Buttertee verlassen. Sternenklar ist die Nacht und noch bevor die Sonne aufgeht, sieht man eine endlosen Lichterschlange am Hang aufsteigen. Die ersten Pilger sind schon unterwegs.

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Kailash
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Aufstieg zum Dölma-Pass
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Dölma-Pass

Auch wir machen uns nach dem Frühstück auf den 2. Teil der Kora. Diese Etappe hat es in sich, über 600 Höhenmeter sind zu überwinden und so steigt der Weg auch gleich zu Anfang recht steil bergan bis wir ein Teehaus erreichen. Hier können wir uns stärken und etwas ausruhen. Nun beginnt der Teil, den man den Leichenacker nennt. Die Gläubigen hinterlassen hier allerlei Sachen als Symbol des Todes. Der Zustand zwischen Tod und Wiedergeburt, den die Gläubigen hier symbolisch auf diesem Stück Weg erfahren, wird physisch fühlbar. Große Freude und Erleichterung, als wir den Dölma La-Pass mit 5636 m erreichen. Wir umarmen uns, machen Fotos und jeder spannt eine weitere Gebetsfahne mit Wünschen versehen auf. Wir haben es geschafft! Alle Anspannung ist nun von uns abgefallen und wir freuen uns auf eine erholsame Nacht am Zutrulphuk-Kloster. Am Morgen können wir das kleine, sehr hübsche Kloster besichtigen und unser Reiseleiter Chris erklärt uns mit viel Geduld all die Statuen. Danach kann jeder in seinem Tempo das letzte Stück des Weges der Kora bis Darchen zurücklegen und alle freuen sich auf eine heiße Dusche.

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Tibeterinnen
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Sakya-Kloster
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Lhasa, Barkorstraße

Eine letzte Runde
Wieder erholt und mit Souvenirs ausgestattet, stehen uns nun zwei lange Fahrtage entlang des Tibetischen Hochlandes bevor, bis wir Sakya erreichen. Wir besichtigen den großen und gut erhalten Südteil des Sakya-Klosters, der an einen Festungsbau erinnert. Wir schauen uns auch die Schutzkammern an, in denen es gruselige und merkwürdige Dinge zu sehen gibt. Diese sollen an die Vergänglichkeit des Lebens erinnern – etwas, was auch wir uns zu Herzen nehmen. Im Anschluss fahren wir wieder zurück nach Shigatse und absolvieren bei über 30 Grad die versprochene Kora um das Tashilhumpo-Kloster.
Vom Brahmaputra begleitet gelangen wir zurück nach Lhasa. Noch einmal können wir die besondere Atmosphäre dieses Ortes genießen. Wir haben bereits unsere Sachen für den Heimflug gepackt und liegen im Bett, als Chris an unsere Tür klopft. „Ihr müsst auf den Barkhor, das Saga-Dawa-Fest beginnt“. Und wir trauen unseren Augen kaum. Jede Menge junger Leute umkreisen den Barkhor, größtenteils durch Niederwerfung. Ist es tatsächlich nur tiefer Glaube? Lediglich das Murmeln der Mantras und das Geräusch der über den Boden gleitenden Hände und Füße ist zu hören. Auch wir drehen eine letzte Runde in dieser außergewöhnlich stimmungsvollen Atmosphäre. Wir kehren zurück mit einem Kopf voller Erinnerungen, die erst verarbeitet werden müssen. In Gedanken das freundliche Lächeln der Tibeter, auf den Lippen, …vielleicht ein Mantra.

Tibet – Übers Dach der Welt bis zum heiligen Berg Kailash
Reisezeitraum: Mai/Juni 2019
Ein Reisebericht von Birgit Thiel

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